Ärzte Zeitung, 27.06.2012

Hausarzt in Mecklenburg - wirtschaftlich kein Risiko

Hausarzt in Mecklenburg - wirtschaftlich kein Risiko

Ärzte, die sich in Woldegk niederlassen möchten, erwartet die volle Unterstützung der KV. Beratung, Kostenzuschüsse, Fördergelder - auf alles haben die Ärzte Anspruch.

WOLDEGK (di). "Hausarzt in Mecklenburg-Vorpommern zu werden, das ist eine sichere Bank", sagt KV-Abteilungsleiter Oliver Kahl.

Er stützt seine Aussage auf die guten Verdienstmöglichkeiten, aber auch die Fördermaßnahmen, die Praxisgründer im Nordosten erwarten. Der durchschnittliche GKV-Umsatz der Hausärzte im Land betrug im vergangenen Jahr rund 240.000 Euro.

Dieser Grundstock an Erlösen bietet für eine Durchschnittspraxis mit etwa 1000 Scheinen schon eine gesicherte Existenz.

Woldegk bietet zusammen mit seinem ländlichen Einzugsgebiet gute Voraussetzungen, diesen Fachgruppendurchschnitt rasch mindestens zu erreichen oder auch mehr Patienten zu behandeln.

Die ansässigen Hausärzte berichten von einem hohen Patientenandrang und sind für eine Entlastung dankbar.

Die KV bestraft diese Mehrarbeit nicht etwa mit Abstaffelung, sondern honoriert sie: Für jeden Patienten über dem Fachgruppendurchschnitt erhält die Praxis einen Zuschlag von zehn Euro.

Keine Honorarbegrenzung bei Unterversorgung

Diese Regelung gilt im Nordosten bereits seit 2008, um die Versorgerpraxen für den zusätzlichen Aufwand zu entschädigen. Zudem finden Honorarbegrenzungsregelungen des HVM in dem von Unterversorgung bedrohten Bereich keine Anwendung.

Schon zur Praxisgründung gibt es Unterstützung: Ein Investitionskostenzuschuss von 50.000 Euro ist für Ärzte bis zum Alter von 50 Jahren möglich.

Daran ist die Bedingung geknüpft, im ersten Quartal 50 Prozent des Fachgruppenschnitts zu erreichen und bis zum vierten Quartal der Niederlassung mindestens 85 Prozent. "Das dürfte in Woldegk problemlos zu erreichen sein", so Kahl.

Gerade diese Fördermaßnahme stößt im Nordosten auf hohe Resonanz: In den vergangenen vier Jahren haben durchschnittlich zehn Ärzte pro Jahr die Mittel erhalten.

Praxisgründer über 50 Jahre werden jedoch nicht leer ausgehen, wenn sie sich in Woldegk niederlassen möchten: "Ausnahmeregelungen sind möglich", sagt Kahl, " - wenn sich für uns eine nachhaltige Versorgungsverbesserung durch den neuen Arzt abzeichnet".

Gründerseminare für Ärzte

Die Förderung würde über den von KV und Kassen eingerichteten Strukturfonds laufen. Aus diesem winkt zusätzlich eine finanzielle Unterstützung für den privaten Umzug - Kosten in Höhe bis zu 2500 Euro können übernommen werden.

Und: Eine Praxisinhaberin kann Hortkosten für ihr Kind über den Strukturfonds zwölf Monate lang mit bis zu 250 Euro bezuschussen lassen, wenn diese Kinderbetreuung innerhalb von zwei Jahren nach der Geburt erfolgt.

Neben der finanziellen Förderung steht die KV Praxisgründern in Woldegk mit intensiver Beratung zur Seite. In Gründerseminaren machen KV-Experten und externe Spezialisten Ärzte fit für die Niederlassung.

Dabei geht es etwa um den Praxisübernahmevertrag, die Praxisorganisation, die EDV-Ausstattung, Rechtsfragen und QM. Schulungen bietet die KV auch zu Abrechnungsfragen und Arzneiverordnungen an.

Diese Palette an Unterstützung stimmt Kahl optimistisch, dass an Niederlassungen interessierte Ärzte Regionen wie Woldegk näher in Augenschein nehmen werden.

Für ihn steht fest: "Es passiert viel in Mecklenburg-Vorpommern. Unsere Fördermaßnahmen werden ihre Wirkung entfalten."

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