Ärzte Zeitung, 15.08.2012

Landarzt gesucht

Die Woldegker rätseln über den Ärztemangel

Die Woldegker rätseln über den Ärztemangel

Warum ihre Kleinstadt solche Schwierigkeiten hat, hausärztlichen Nachwuchs zu finden? Die Woldegker glauben, das liege hauptsächlich daran, dass ihr schöner Ort zu unbekannt ist.

Von Dirk Schnack

Die Woldegker rätseln über den Ärztemangel

WOLDEGK. Die Menschen in Woldegk rätseln, weshalb ihre Hausärzte keinen Nachfolger finden.

Manche halten finanzielle Gründe für ausschlaggebend. Aber auch der hohe Andrang oft multimorbider, älterer Patienten könnte junge Ärzte von einer Niederlassung abhalten, glauben manche Woldegker.

Fest steht für sie: Ihre Kleinstadt muss sich nicht hinter anderen verstecken - denn Infrastruktur und Freizeitwert sind hier besser als in manch anderer Region. Für die Landarztsuche der AOK und der "Ärzte Zeitung" haben wir uns vor Ort umgehört.

Isabell Trottnow: "Haben wir nicht genug Hausärzte?" Für die 21-jährige Angestellte ist das Problem Ärztemangel noch nicht akut. Sie ist gesund, geht nur selten zum Arzt und fährt mit dem Kind in das benachbarte Strasburg in eine kinderärztliche Praxis. Eines aber ist auch ihr bewusst: "Wenn die älteren Hausärzte im Ort nicht mehr praktizieren, könnte es eng werden mit den Arztterminen."

Chancen, dass sich Ärzte von außen für die Kleinstadt im südlichen Mecklenburg interessieren könnten, sieht sie aber durchaus. Nach ihrer Auffassung hat der Ort einiges zu bieten - ist aber bundesweit weitgehend unbekannt und kann deshalb auch keine Ärzte anziehen.

Bernd Erdmann: "Finanzielle Anreize allein reichen nicht", sagt der Gastwirt. Auch auf Windmühlen und Rinderzucht könne sich die Kleinstadt nicht ausruhen, meint Erdmann. Er fordert, dass die Region sich touristisch noch stärker aufstellt und den öffentlichen Personennahverkehr verbessert. Mit solchen verbesserten Infrastrukturangeboten könne die Stadt auch punkten, wenn Ärzte von einer Ansiedlung überzeugt werden sollen.

Für den 50-Jährigen ist der hohe Altersdurchschnitt der Hausärzte ein Problem - keiner von ihnen ist jünger als er. "Eigentlich sollte ein Hausarzt zehn Jahre jünger sein als man selbst", sagt Erdmann und hofft auf mindestens einen jüngeren Hausarzt für Woldegk.

Karola Kroll: "Woldegk hat ein Anrecht auf hausärztliche Versorgung", meint die Verwaltungsangestellte Karola Kroll. Sie arbeitet in Woldegk, fährt aus ihrem fünf Kilometer entfernten Wohnort Wolfshagen aber 35 Kilometer nach Neubrandenburg zum Hausarzt, weil die Situation in Woldegk so angespannt ist.

Dabei habe der Ort einiges zu bieten: "Top-Kinderbetreuung, Einkaufsmöglichkeiten, Schule, Vereine, Freizeitmöglichkeiten, und die Landschaft ist hier super", sagt die 49-Jährige. Gäbe es in Woldegk weitere Hausärzte, dann würde sie sich überlegen, ob sie sich den langen Weg nach Neubrandenburg nicht sparen könnte.

Thomas Straube: "Woldegk hat Kleinstadtflair, größer muss ein Ort nicht sein", sagt Thomas Straube. Der 31-jährige Laminierer kommt aus Pasewalk, wohnt während der Woche aber bei seiner Lebensgefährtin in Woldegk. Die Kleinstadt kann er sich auch als festen Wohnort vorstellen, wenn die ärztliche Versorgung dauerhaft gesichert ist.

Er führt den angehenden Ärztemangel in Woldegk darauf zurück, dass Woldegks Vorzüge außerhalb der Region schlicht unbekannt sind. "Vielleicht ist es aber auch die Angst, dass nicht genügend Patienten kommen." Der Patientenandrang in den Woldegker Praxen könnte diese Befürchtung schnell entkräften.

Frank Hartwich: "Ärzte brauchen Planungssicherheit, wenn sie sich niederlassen sollen", sagt Frank Hartwich. Der angestellte Apotheker führt die angespannte hausärztliche Situation in Woldegk auf grundsätzliche Probleme wie Bürokratie, hohe Arbeitsbelastung und fehlende Planungssicherheit zurück.

Dass die Kleinstadt nicht attraktiv genug ist, kann sich der 62-Jährige nicht vorstellen. "Hier hat man alles, was man braucht: Natur pur mit Wasser und Wald, und die Grundstücke sind günstig", sagt der aus dem Rheinland stammende Apotheker, der auch das Umland schätzt und 25 Kilometer entfernt wohnt. Die Region gefällt ihm, weil sie nach seiner Darstellung "urwüchsig" ist. Seine Empfehlung: "Man muss es sich ansehen."

Martina Rosenau: "Ärzte sollten eine Schnupperwoche in Woldegk machen", empfiehlt Martina Rosenau. Die 45-Jährige ist überzeugt, dass sich dann auch neue Hausärzte für den Ort interessieren. Die Verkehrsanbindung, die Feldberger Seenplatte und die Einkaufsmöglichkeiten hält sie für Pluspunkte. Sie vermutet, dass die Bezahlung der Grund für mangelndes Interesse ist - was die Zahlen der KV Mecklenburg-Vorpommern aber widerlegen.

Und sie sorgt sich um die steigende Arbeitsbelastung der verbleibenden Hausärzte, wenn die älteren Kollegen aufhören: "Wie sollen die das auffangen?" Die Landarztsuche begrüßt sie, weil nach ihrer Einschätzung vielen Ärzten die Vorzüge der Region nicht bekannt sind.

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