Montag, 22. September 2014
Ärzte Zeitung, 04.09.2012

Landarzt gesucht

Darum fühlen sich die beiden Fachärztinnen in Woldgek wohl

Zwei Fachärztinnen sind in der Kleinstadt Woldegk in Mecklenburg niedergelassen. Sie leben gerne dort und genießen die vielen Vorteile, die das Leben auf dem Land bietet.

Von Dirk Schnack

Darum fühlen sich die beiden Fachärztinnen in Woldgek wohl

Die beiden niedergelassenen Fachärztinnen in Woldegk: Augenärztin Christa Hansmann (l.) und die Dermatologin Annette Jess.

© Dirk Schnack

WOLDEGK. "Nie wieder Woldegk", dachte Diplom-Medizinerin Annette Jess noch in ihrer Facharztzeit über ihre Heimatstadt im Süden Mecklenburgs.

Damals, in der Zeit kurz nach der Wende und dem sich abzeichnenden Ende ihrer Hautklinik in Neubrandenburg, räumte sie der Möglichkeit, ausgerechnet in Woldegk als Dermatologin arbeiten zu können, kaum Chancen ein.

Mittlerweile ist sie seit zwei Jahrzehnten zurück in Woldegk - und die niedergelassene Ärztin hat noch keinen Tag bereut, den sie in ihrer Heimatstadt praktiziert.

Die Stelle als Augenärztin wurde zugewiesen

Eine ähnlich positive Einstellung zu der Kleinstadt mit dem sich abzeichnenden Ärztemangel hat Diplom-Medizinerin Christa Hansmann, die noch im staatlich gelenkten DDR-Gesundheitswesen eine Stelle als Augenärztin in Woldegk zugewiesen bekam.

Die aus der Nähe von Bitterfeld stammende Ärztin freute sich damals über die Entscheidung und blieb ganz bewusst auch nach der Wende - einen anderen Standort hat sie nie in Erwägung gezogen.

Hansmann und Jess sind die beiden einzigen niedergelassenen Fachärztinnen in der Kleinstadt und bilden zusammen mit den derzeit noch vier Hausärzten das ambulante Ärzteteam in Woldegk.

Wenn man sie fragt, was sie an der Kleinstadt reizvoll finden, zählen sie die Landschaft auf und heben den Charakter ihrer Mitmenschen hervor - und antworten damit ähnlich wie ihre hausärztlichen Kollegen: "Die Menschen sind ehrlich, offen, dankbar und noch nicht so fordernd."

Dazu gehört auch, dass die Patienten trotz zum Teil längerer Wartezeiten bei den Hausärzten dieses Problem zwar in ihren Sprechstunden auch ansprechen, von den Fachärzten aber keinesfalls erwarten, dass sie hausärztlich einspringen.

Beide Praxisinhaberinnen berichten von einem hohen Patientenandrang, der aber zu bewältigen ist.

Deutlich günstigere Miete

Interessant für viele Ärzte aus anderen Regionen, die wegen vermeintlich fehlender Jobperspektiven des Partners den Schritt nach Mecklenburg scheuen: Die Dermatologin und ihr in der IT-Branche tätiger Ehemann entschieden sich seinerzeit auch deshalb für den Umzug zurück nach Woldegk, weil ihr Mann eine Arbeit in der Region gefunden hatte.

Ein anderer Grund: Die Miete war deutlich günstiger als im rund 30 Kilometer entfernten Neubrandenburg - was heute noch gilt. Allerdings ist Annette Jess längst in eigener Immobilie tätig.

Natürlich machen sich auch die beiden Fachärztinnen Gedanken über die Zukunft der ambulanten Versorgung in der Region. Die Dermatologin ist als Nachbarin der Hausärztin Petra Ehlert hautnah mit dem Problem vertraut, die Augenärztin weiß über ihre Kontakte zu den Kollegen und von Patienten von dem sich abzeichnenden Ärztemangel.

"Wenn die beiden älteren hausärztlichen Kollegen in Rente gehen und kein Nachfolger kommt, wird es schlimm", glaubt Christa Hansmann. Es kommt aber auch jetzt schon mal vor, dass sie einen Patienten vermitteln muss, weil dieser keinen Hausarzt hat und die Praxen überfüllt sind.

"Die Patienten fragen: Wo soll ich hin?", berichtet die Augenärztin, wenn sie etwa ein Nierenleiden abklären lassen will.

Auch andere fachärztliche Richtungen und die Möglichkeit, vor Ort Röntgenbilder erstellen zu lassen, wären nach ihrer Meinung sinnvoll. Ob das realistisch ist?

Nach Woldegk jederzeit wieder

Beide Fachärztinnen haben selbst noch keine Erfahrung mit der Suche nach einer Nachfolgerin gesammelt. Fest steht aber für beide, dass sie den Schritt nach Woldegk jederzeit wieder machen würden.

Und die im Vergleich zur Großstadt geringen kulturellen Angebote, die Ruhe auf den abendlichen Bürgersteigen, das fehlende Großstadt-Flair? Beide sind überzeugt, dass es genügend Menschen gibt, die die Großstadt so wenig wie sie selbst vermissen.

"Das ist eine Mentalitätsfrage", sagt Annette Jess. Wenn sie die Metropole braucht, setzt sie sich ins Auto und fährt über die nahe Autobahn nach Berlin. In 90 Minuten ist sie mitten in der Hauptstadt.

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