Sonntag, 20. April 2014
Ärzte Zeitung, 04.09.2012

Für Woldegk und Co.

Sind Honorarärzte die Lösung?

Könnte es eine Lösung für die Ärzteknappheit auf dem Land sein, Honorarärzte zu beschäftigen? Davor wären allerdings einige rechtliche Hürden zu meistern.

Wäre ein Pilotprojekt mit Honorarärzten die Lösung?

MÜNSTER (di). Elisabeth Graben ist seit sechs Jahren als Honorarärztin in ganz Deutschland im Einsatz. Sie kennt fast alle Bundesländer - nur nach Mecklenburg-Vorpommern hat es sie bislang noch nicht verschlagen.

Durch die Landarztkampagne der Ärzte Zeitung und des AOK-Bundesverbandes könnte sich dies möglicherweise ändern, denn die Allgemeinärztin und Chirurgin bringt einen neuen Vorschlag in die Diskussion ein: "Warum bildet man keinen Pool von Honorarärzten, die abwechselnd in Woldegk eingesetzt werden?", fragt die in Münster lebende Ärztin.

Sie schlägt ein Pilotprojekt hierzu vor, da Honorarärzte im ambulanten System bislang unbekannt sind. "Ich selber habe reichlich Berufserfahrung und würde mich gerne an einem solchen Projekt kurz- und mittelfristig beteiligen", sagt sie.

Und sie kann sich auch vorstellen: "Vielleicht möchte sich der eine oder andere Honorararzt nach einer gewissen Zeit dort niederlassen."

KVMV fördert befristete Anstellungen

Nicht nur Graben selbst hält ihren Vorschlag für eine Herausforderung. Bei der KV in Schwerin stellt man auf Anfrage klar, dass primäres Ziel die langfristige Besetzung einer Arztstelle ist - mit einem und nicht mit wechselnden Ärzten.

Erste Interessenten dafür haben sich bereits gemeldet. Dass Ärzte sich aber nicht sofort entscheiden und zunächst auf Probe arbeiten möchten, ist der KVMV bewusst.

Deshalb besteht die Möglichkeit, sich befristet anstellen zu lassen. Die KV fördert dies sogar: Wer in einer von Unterversorgung bedrohten Region einen fertig ausgebildeten Arzt für 24 Monate in Vollzeit anstellt, erhält dafür einen Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro (10.000 Euro für eine Halbtagsstelle).

"Wenn sich der angestellte Arzt nach zwei Jahren zu einer eigenen Niederlassung entschließt, kann er selbst Zuschüsse erhalten", sagt Oliver Kahl von der KVMV.

Elisabeth Graben bevorzugt dennoch weiterhin die Selbstständigkeit als Honorarärztin. Ein Pool wechselnder Honorarärzte hätte für die Region den Nachteil, dass die Patienten keinen festen Ansprechpartner haben und die Organisation entsprechend aufwändig ist.

Auch hierfür hat Graben schon einen Lösungsvorschlag: "Die Organisation könnten die Agenturen übernehmen, über die die Ärzte vermittelt werden."

Die Honorarärztin nimmt nun Kontakt mit der KV auf - vielleicht arbeitet sie demnächst erstmals in ihrer Laufbahn in Mecklenburg-Vorpommern.

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