Ärzte Zeitung, 17.12.2010

Befürworter eines PID-Verbots werben um Stimmen

In die Debatte über das Für und Wider der Präimplantationsdiagnostik (PID) kommt neuer Wind: 18 Abgeordneten im Bundestag, darunter Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, haben Eckpunkte für eine gesetzliche Neuregelung vorgelegt. Sie fordern ein komplettes PID-Verbot.

Von Florian Staeck

Befürworter eines PID-Verbots werben um Stimmen

Befruchtete Eizelle im Blick: PID-Gegner im Bundestag formieren sich.

© dpa

BERLIN. Eine Gruppe von 18 Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen hat Eckpunkte für ein Gesetz vorgelegt, mit dem die Präimplantationsdiagnostik vollständig verboten werden soll. Der Gruppe gehört die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) genauso an wie die grünen Gesundheitspolitiker Birgitt Bender und Dr. Harald Terpe oder die Unionspolitiker Rudolf Henke oder Johannes Singhammer.

Aus ihrer Sicht gibt es zu einem umfassenden Verbot keine Alternative: "Die durch Legalisierung der PID gesetzlich legitimierte Selektion vor Beginn der Schwangerschaft würde einen Paradigmenwechsel darstellen", heißt es zur Begründung.

Sie fordern -  weit über das Gesetz hinaus - einen Wandel in der Wahrnehmung von Behinderungen: "Körperliche und intellektuelle Beeinträchtigungen dürfen nicht automatisch mit Leid verbunden werden, sondern sind selbstverständlicher Ausdruck menschlicher Vielfalt."

Dagegen habe die PID rein selektiven Charakter, was auf Schwangerschaftsabbrüche sowie beispielweise die Spirale nicht zutreffe. Deshalb gehe auch das Argument fehl, wer der Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen zustimme, müsse auch für die Zulassung der PID sein.

Zudem zeigten Erfahrungen aus dem Ausland, dass eine Begrenzung der Gentests auf bestimmte Indikationen nicht regelbar sei. Dies gelte auch dann, wenn die PID-Anwendung auf Fälle begrenzt werden soll, in denen die Frau eine Totgeburt erwartet oder das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit früh stirbt.

Damit erteilen die Initiatoren auch den Abgeordneten René Röspel (SPD) und Priska Hinz (Grüne) eine Absage, die die PID nur in diesen Fällen erlauben möchten.

Deshalb, sagte Röspel der "Ärzte Zeitung", sehe er auch keinen Spielraum für Kompromisse mit der Gruppe, die sich für ein Totalverbot von Gentests ausspricht. Einen ersten Entwurf wollen er und Priska Hinz Ende Januar präsentieren. Er sehe in dieser Frage keinen Zeitdruck, sagte Röspel.

Bereits am Dienstag will eine Gruppe um die FDP-Abgeordnete Ulrike Flach einen fertigen Gesetzentwurf der Öffentlichkeit vorstellen. Darin wird dafür plädiert, dass fallweise Ethikkommissionen über die Zulässigkeit einer PID entscheiden sollen. Wie viele Stimmen die Antragsteller jeweils hinter sich versammeln können, ist noch völlig unklar. Bei der Abstimmung wird es keinen Fraktionszwang geben.

[19.12.2010, 18:23:17]
Prof. Dr. Volker von Loewenich 
PID-Verbot ?
Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin hat bereits im Jahre 2002 in einem Positionspapier die PID mit Vorsicht befürwortet und dabei eine pädiatrische Beratung in jedem Einzelfall gefordert (www.DAKJ). Es kommt bei dieser Beratung darauf an, dass die betroffenen Paare mit Ärzten/innen sprechen, die mit den zu befürchtenden Gesundheitsstörungen Erfahrungen bei geborenen Kindern haben. Genau dies ist auch der Wortlaut von § 2 a des seit 01.01.2010 geltenden Gesetzes zur Änderung des Schwangerschaftkonfliktgesetzes, hier bezogen auf Pränataldiagnostik und Spätabtreibung aus medizinischer Indikation (§ 218 a Abs. 2 StGB). Dieser § 2 a kam übrigens auf Anregung der DAKJ zustande. Eine solche Lösung ist besser als ein Indikationskatalog, der wegen Fortschritten bei Diagnostik und Therapie nie aktuell bleiben kann und Lücken aufweisen wird. Ferner: Pädiater haben sich immer als Anwälte der Kinder verstanden und sind daher Garanten dafür, daß die PID nicht aus medizinisch und sozial nicht zu rechtfertigenden Gründen zum Einsatz gebracht wird.
Rene Röspel lehnt, ebenso wie die Bundesärztekammer, mit Recht einen Indikationskatalog ab ohne zu merken, dass er mit seiner Begrenzung auf drohende Totgeburt oder alsbaldigen Tod selbst einen begrenzten und mit künftigem Aktualitätsverlust belasteten Katalog einführen will.
Die sogenannten Guten Gründe für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik weisen zahlreiche denkerische Schwächen auf und sind nicht frei von Demagogie:
Weder Staat noch "Andere" entscheiden darüber, "welches Leben gelebt werden darf und welches nicht". Das war einmal so bis 1945. Vielmehr geht es hier darum, ob ein Paar, nachdem es ein Kind mit einer schweren genetisch bedingten Schädigung hatte, noch einmal die Kraft finden kann, soll oder muss, das gleiche Unglück ein weiteres Mal tragen zu sollen, oder ob man fordert, dieses Paar solle auf weitere Kinder verzichten. Es kommt hier nicht auf eine Art von objektiver Beurteilung an, was nach Meinung einer Kommission oder wessen auch immer tragbar sei oder nicht, sondern darauf, ob das betroffene Paar dies verkraften kann oder meint, es verkraften zu können, bzw. auf keinen Fall dem Problem gewachsen zu sein. Die Alternative, die gesellschaftlich und gesetzlich anerkannt ist, ist eine bei bereits eingetretener Schwangerschaft durchzuführende Untersuchung mit der möglichen Folge einer Abtreibung. Diese trifft indessen nicht ein vier- bis 16-zelliges menschliches Leben wie bei der PID, sondern ein zwar sehr unreifes aber bereits weit ausdifferenziertes und als solches erkennbares Kind.
Völlig fehl am Platz ist die Einlassung der Anti-PID-Gruppe, es handele sich bei Nutzung der PID um ein immer mehr um sich greifendes Optimierungsstreben. Diese Einlassung ist entweder ignorant oder böswillig. Es geht bei der PID um die, zweifellos problematische, Vermeidung der Wiederholung eines sogenannten Indexfalles, d.h. einer genau definierten schweren Gesundheitsstörung. Es geht nicht darum, immer klügere, schönere, stärkere Menschen heraus zu züchten im Sinne nazistischer Illusionen. Das ist weder möglich noch intendiert.
Auch die Argumentation, in Ländern, in denen PID erlaubt ist, liesse sich eine Begrenzung auf Einzelfälle nicht durchhalten, ist denkerisch falsch: wenn eine neue Methode eingeführt wird, gleichviel welche, dann werden sich nach und nach mehr Kandidaten für diese Methode einfinden, was aber nicht bedeutet, dass die Zahl der Anwendungen stets weiter steigt. Eine Begrenzung ergibt sich schon alleine daraus, dass die PID mit vorangehender in vitro Fertilisierung (IVF) für die Frau durchaus belastend ist und daher nicht leichtfertig angewandt werden kann. Die von den PID-Gegenern angeführte Erfolgsrate einer IVF von 20% ist übrigens nicht geringer als die nach natürlicher Zeugung; allerdings kann letztere beliebig wiederholt werden. Die Fehlbildungsrate nach IVF mit ICSI steigt um rund 1%, worüber aufgeklärt werden muss. In Synopse mit den durch PID zu lösenden Problemen wird dieses Risiko von den meisten Betroffenen akzeptiert werden.
Daß PID eine PND nicht überflüssig macht, ist trivial: bei der PID geht es ausschließlich um den Ausschluß oder Nachweis einer ganz umschriebenen, bereits einmal aufgetretenen und daher bekannten, genetisch bedingten Gesundheitsstörung mit einem bekannten Wiederholungs-Risiko. Selbstverständlich gibt es auch nicht-genetisch bedingte Gesundheitsstörungen, die mit PID nicht zu erfassen sind sondern allenfalls mit PND. Eine dann ins Haus stehende Spätabtreibung ist jedoch für die Betroffenen ungleich belastender, was man als pädiatrischer Berater solcher Paare regelmäüßig erlebt.
Daß die PID keine Therapie ist, ist kein Argument. PID ist Diagnostik. "Nach dem Embryonenschutzgesetz und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts beginnt menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle". Auch dies ist kein Argument: Menschliches Leben sind auch Gameten. Menschliches Leben ist nicht gleich Mensch im Sinne von Person. § 8 ESchG legt lediglich fest, ab wann dieses Gesetz gilt. Weder Abgeordnete, noch ein Gericht, nicht einmal die römische Glaubenskongregatin, sind kompetent festzustellen, ab wann der Mensch ein Mensch im Sinne menschlicher Person ist. Die für den Beginn des Menschseins ab Fusion der Gameten-Kerne sind genau so plausibel und genau so brüchig wie diejenigen, die das Erscheinen des Menschen ab der Nidation ansetzen, s. Großbritannien. Folgt man den Ausführungen der PID-Gegner, dann müßte schon der Einsatz von Nidationshemmern ("Spirale") eine Abtreibung darstellen und unter die Beratungslösung fallen.
Die immer wieder gehörte Begründung, deren sich auch hier die PID-Gegener bedienen, es bestehe kein Wertungswiderspruch zwischen Verbot der PID auf der einen und Akzeptanz der Abtreibung aus medizinischer Indikation auf der anderen Seite, da bei der PID ja noch keine Schwangerschaft eingetreten sei, ist falsch: Spätabtreibung ist akzeptiert, um eine Gefahr für die seelische und/oder körperliche Gesundheit der Mutter abzuwenden. Die PID dient dazu, eben diese Gefahr gar nicht erst entstehen zu lassen. Ist Prophylaxe hier verwerflich, eine äußerst unschöne "Therapie" hingegen nicht? Hier auf schwanger oder noch nicht schwanger abzuheben ist Rabulistik.
Besonders unangenehm fällt auf, daß keiner der Unterzeichner gegen jede Art von Abtreibung auftritt. Selbst wenn dies im Innneren des/der einen oder anderen so sein mag, wagen tut dies niemand. Aber gegen eine zahlenmäßig politisch vernachlässigbar kleinen Gruppe schwer betroffener Mitbürger vorzugehen stellt kein Wagnis dar, diese kleine Gruppe kann sich nicht effizient wehren wie seinerezit die vehement auftretenden mein-Bauch-gehört-mir-Formationen.
Prof. Dr.med. Volker v. Loewenich, Pädiater, Neonatologe, Frankfurt a.M.  zum Beitrag »
[17.12.2010, 22:53:25]
Dr. Nabil Deeb 
Die Präimplantationsdiagnostik up2date in unserer Wissensgesellschaft muss sich nach der deutschen Verfassung und dem europäischen Recht richten. !!!



Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Registered Doctors'Association
53140 Bonn / GERMANY


Preimplantation genetic diagnosis up2date in our knowledge society must be based on the German constitution and set up European law. !

Die Präimplantationsdiagnostik up2date :-

CGH , Comparative Genomic Hybridisation :-

Die CGH - Comparative Genomic Hybridisation (vergleichende genomische Hybridisierung) - ist eine Methode um genetische Veränderungen festzustellen. Sie erlaubt es numerische Unterschiede, Deletionen und Amplifikationen einzelner Chromosomen oder Chromosomenabschnitte festzustellen und ist daher als Screeningmethode geeignet.
Durch vergleichende Hybridisierung verschiedenfarbig markierter Genome auf eine Kontrollmetaphase können genomische Imbalancen zwischen zwei Genomen detektiert werden. Deletionen und Amplifikationen werden durch Unter- bzw. Überrepräsentation einer Hybridisierungssonde auf den betreffenden Chromosomenregionen sichtbar.

Die CGH bedient sich der in situ Hybridisierung mit Painting-Sonden, die ein spezifisches Chromosom in seiner Gesamtheit markieren, und ist eine Sonderform des reverse painting.

Hierbei wird die komplette genomische DNA als Hybridisierungssonde verwendet. Auf diese Weise können in einem einzigen Hybridisierungsvorgang alle Veränderungen innerhalb eines Genoms detektiert werden, die mit einem Zugewinn oder Verlust von DNA-Sequenzen einhergehen.

Einsatzgebiete der „ CGH „ Comparative Genomic Hybridisation :-

Die CGH wird eingesetzt bei Tumoren, wo sich nach der Kultivierung keine keine Metaphasen finden, oder bei Fällen, wo nur Zugewinne und Verluste interessant sind (für solide Tumoren).

Weiters ist der Einsatz der CGH für Paraffinpräparate interessant, wenn z.B. bei einem Elternpaar der Verdacht auf eine balanzierte Translokation besteht, aber alle Aborti der Frau bereits in Paraffin eingebettet sind. In diesen Fällen ist vom Paraffin nachträglich eine CGH möglich .

Verschiedene Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin streben die Verbesserung der Effizienz und die Reduktion der Behandlungsbelastung an. Dazu gehören unter anderem die Herstellung von lang wirksamem FSH, die Polkörperdiagnostik und die Identifizierung von Faktoren, welche die Implantationsfähigkeit des Endometriums optimieren. Die Kryokonservierung von Ovarialgewebe ermöglicht die Erhaltung der Fertilität bei Tumorpatientinnen.


Die neue Technologie in Array-CGH testet alle 23 Chromosomenpaare in der Zelle, und nicht nur eine begrenzte Anzahl .

Polkörperdiagnostik (PKD ) :-

Die Polkörperdiagnostik (PKD) ist eine Untersuchung, die Rückschlüsse auf das Erbgut der mütterlichen Eizelle erlaubt.

Ähnlich wie bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) können mit der Polkörperdiagnostik Fehlverteilungen von Chromosomen auf mütterlicher Seite und Anlagen für bestimmte erbliche Erkrankungen mit großer Wahrscheinlichkeit festgestellt oder ausgeschlossen werden.


Der erste Polkörper wird noch vor dem Eisprung, der zweite sechs Stunden nach dem Eindringen des Spermiums von der Eizelle ausgestoßen. Die Polkörper enthalten eine Kopie des mütterlichen Erbguts. Eine Analyse der Polkörper erlaubt deshalb indirekt Schlüsse, ob das Erbgut der Eizelle intakt ist .

Risiken ?

Risiken dieser Untersuchung sind nicht bekannt.

Nachteilig ist, dass durch dieses Verfahren nur Rückschlüsse auf das mütterliche Erbmaterial möglich sind. Außerdem kann nur indirekt auf das in der Eizelle verbelibende Erbmaterial geschlossen werden. Die Analyse anderer genetischer Veränderungen ist nur bedingt möglich .

Die PKD ermöglicht keine Untersuchung des väterlichen Erbguts.

Polkörperdiagnostik (PKD) ist eine Methode zur indirekten genetischen Analyse von Eizellen. Polkörper sind Nebenprodukte des meiotischen Zellzykluses.

Die Biopsie der Polkörper kann durch mechanisches Zonadrilling oder durch
laserassistierte Zonaeröffnung .

Die Präimplantationsdiagnostik zur Entdeckung schwerergenetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos ist bis heute noch nicht strafbar in unsrem Rechtsstaat . :-

Im Hinblick auf die Gefahrenlage und dem Wunsch seiner Patienten entsprechend führte ein Berliner Gynäkologe ( = Angeklagter !! ) jeweils eine sog. Präimplantationsdiagnostik (im Folgenden: PID) an pluripotenten, d.h. nicht zu einem lebensfähigen Organismus entwicklungsfähigen Zellen durch. Die Untersuchung diente dem Zweck, nur Embryonen ohne genetische Anomalien übertragen zu können. Dies geschah in allen Fällen. Embryonen mit festgestellten Chromosomenanomalien wurden hingegen nicht weiter kultiviert und starben in der Folge ab.

Der 5. (“Leipziger”) Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat das freisprechende Urteil des Landgerichts bestätigt und die Revision der Staatsanwaltschaft demgemäß verworfen. Der Senat ist in Übereinstimmung mit dem Landgericht zu der Auffassung gelangt, dass der Angeklagte §1 Abs. 1 Nr. 2 ESchG (missbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken) und §2 Abs. 1 ESchG (missbräuchliche Verwendung menschlicher Embryonen) nicht verletzt hat.

Aus den genannten Strafbestimmungen kann nicht mit der im Strafrecht erforderlichen Bestimmtheit (Art. 103 Abs. 2 GG) ein Verbot der bei Erlass des Embryonenschutzgesetzes im Jahr 1990 erst im Ausland entwickelten PID abgeleitet werden, die den Embryo nach derzeitigem medizinisch-naturwissenschaftlichem Kenntnisstand überdies nicht schädigt. Das Vorgehen des Angeklagten verstößt weder gegen den Wortlaut noch gegen den Sinn des Gesetzes. Dem bei jeder Gesetzesauslegung zu würdigenden Willen des historischen Gesetzgebers lässt sich ein Verbot einer solchen PID, die der Gesetzgeber nicht ausdrücklich berücksichtigt hat, nicht entnehmen.

Dem mit dem Gesetz verfolgten Zweck des Schutzes von Embryonen vor Missbräuchen läuft die PID nicht zuwider. Das Embryonenschutzgesetz erlaubt die extrakorporale Befruchtung zur Herbeiführung einer Schwangerschaft ohne weitere Einschränkungen. Ein strafbewehrtes Gebot, Embryonen auch bei genetischen Belastungen der Eltern ohne Untersuchung zu übertragen, birgt hohe Risiken in sich; vor allem ist zu besorgen, dass sich die Schwangere im weiteren Verlauf nach einer ärztlicherseits angezeigten und mit denselben Diagnosemethoden durchgeführten Pränataldiagnostik, hinsichtlich derer eine ärztliche Aufklärungspflicht besteht, für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet. Die PID ist geeignet, solch schwerwiegende Gefahren zu vermindern. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Gesetzgeber sie verboten hätte, wenn sie bei Erlass des Embryonenschutzgesetzes schon zur Verfügung gestanden hätte. Dagegen spricht auch eine Wertentscheidung, die der Gesetzgeber in § 3 Satz 2 des Embryonenschutzgesetzes getroffen hat. Dort ist eine Ausnahme vom Verbot der Geschlechtswahl durch Verwendung ausgewählter Samenzellen normiert worden. Mit dieser Regelung ist der aus dem Risiko einer geschlechtsgebundenen Erbkrankheit des Kindes resultierenden Konfliktlage der Eltern Rechnung getragen worden, die letztlich in einen Schwangerschaftsabbruch einmünden kann. Eine gleichgelagerte Konfliktlage hat in den zu beurteilenden Fällen bestanden.

Der Bundesgerichtshof hat betont, dass Gegenstand seiner Entscheidung nur die Untersuchung von Zellen auf schwerwiegende genetische Schäden zur Verminderung der genannten Gefahren im Rahmen der PID sei. Einer unbegrenzten Selektion von Embryonen anhand genetischer Merkmale, etwa die Auswahl von Embryonen, um die Geburt einer “Wunschtochter” oder eines “Wunschsohnes” herbeizuführen, wäre damit nicht der Weg geöffnet.


Aus BGH – Urteil – Begründung Nr . 29 :
Die durch den Senat vorgenommene Interpretation führt nicht zur Zulässigkeit einer "unbegrenzten Selektion anhand genetischer Merkmale" (vgl. Middel aaO S. 45 m.w.N.). Entscheidungsgegenstand ist der Wille zur Durchführung der Untersuchung auf schwerwiegende genetische Schäden zur Verminderung der genannten gewichtigen Gefahren im Rahmen der PID. Diese Zwecksetzung stellt keine die Strafbarkeit begründende Alternativabsicht dar. Beispielsweise für die Absicht der Selektion von Embryonen zum Zwecke der Geschlechtswahl gilt dies aber nicht. Die Geschlechtswahl wird vom Embryonenschutzgesetz - ausgenommen die in § 3 Satz 2 ESchG bezeichneten Fälle - eindeutig verurteilt (§ 3 Satz 1 ESchG). Dies muss auf die Auslegung des § 1 Abs. 1 Nr. 2 ESchG durchschlagen. Entsprechendes gälte etwa für eine gezielte Zeugung von Embryonen mit bestimmten Immunitätsmustern (vgl. Kaiser aaO Einf Rdn. A 199; Steinke/Rahner aaO S. 30). Ob angesichts der Wertung des - nicht auf die PID anwendbaren (siehe oben) - § 15 Abs. 2 GenDG das Gleiche für die Absicht gälte, genetische Eigenschaften des Embryos für eine Erkrankung festzustellen, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres ausbricht, hat der Senat nicht zu entscheiden. Dies lässt unberührt, dass eine eindeutige gesetzliche Regelung der Materie wünschenswert wäre.


Aus BGH Urteil – Begründung Nr . 34:

Mit dem Verbot des § 2 Abs. 1 ESchG wollte der Gesetzgeber ausweislich der amtlichen Überschrift der missbräuchlichen Verwendung von Embryonen entgegenwirken. Die Vorschrift soll gewährleisten, dass "menschliches Leben grundsätzlich nicht zum Objekt fremdnütziger Zwecke gemacht werden darf" (Regierungsentwurf aaO S. 10). Vorrangig gedacht war an die Embryonenforschung (vgl. Kabinettsbericht aaO S. 8 unter lit. c; siehe auch den Vorschlag des Bundesrates unter Nr. 4a und die Stellungnahme der Bundesregierung hierzu in Regierungsentwurf aaO S. 14, 18). Ferner sollte die Abspaltung totipotenter Zellen zum Zweck der Diagnostik untersagt werden, "weil sich eine Schädigung des nach der Abspaltung verbleibenden und zum Embryo-Transfer bestimmten Embryos bisher nicht mit Sicherheit ausschließen" lasse (vgl. Kabinettsbericht aaO S. 8 unter lit. d; ähnlich Regierungsentwurf aaO S. 11 f.). Vergl. ; BGH - Urteil vom 6. Juli 2010 – 5 StR 386/09 .

Zur Information :

§ 1 Abs1 Nr. 2 ESCHG lautet:
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer .es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt, …
§ 2 Abs.1 ESchG lautet:
(1) Wer einen extrakorporal erzeugten oder einer Frau vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter entnommenen menschlichen Embryo veräußert oder zu einem nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck abgibt, erwirbt oder verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft .


Die Präimplantationsdiagnostik up2date in unserer Wissensgesellschaft muss sich nach der deutschen Verfassung und dem europäischen Recht richten.!



Preimplantation genetic diagnosis up2date in our knowledge society must be based on the German constitution and set up European law.

Up2date diagnostic génétique préimplantatoire dans notre société de la connaissance doit être fondée sur la constitution allemande et mettre en place la législation européenne.

Preimplantatorisk genetisk diagnostik up2date i vårt kunskapssamhälle måste bygga på den tyska grundlagen och inrätta EU-lagstiftningen.

Preimplantation genetisk diagnose up2date i vårt kunnskapssamfunn må være basert på den tyske grunnloven og sette opp europeisk lov.

Literatur beim Verfasser

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

Department of Medical Research
Département de la recherche médicale

P.O. Box 20 10 53
53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

&

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

Department of Medical Research
Département de la recherche médicale

P.O. Box 10 01 35
53439 Bad Neuenahr / GERMANY

e.mail: doctor.nabil.deeb.pmi.germany@googlemail.com

or

e.mail: doctor.nabilabdulkadirdeeb@googlemail.com
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