Ärzte Zeitung, 30.06.2011

TV im Blick

"Hart, aber fair" blieb souverän im Ethikstreit über die PID

Von Florian Staeck

"Hart, aber fair" blieb souverän im Ethikstreit über die PID

Bei "Hart aber fair" mit Moderator Frank Plasberg diskutierten die Gäste über die Präimplantationsdiagnostik.

© imago

Ein sperriges medizinethisches Thema wie die Präimplantationsdiagnostik (PID) - taugt das für einen TV-Talk? Ja, bewies am Mittwochabend Frank Plasberg in "Hart aber fair" .

Wird mit dem Gencheck der "Kinderwunsch zum Kind nach Wunsch", fragte Plasberg und setzte dabei auf die Stärken des Mediums Fernsehen, das persönliche Schicksale authentisch vermitteln kann.

Sonja Werner schildert ihren Fall

"Maxima" heißt die Verheißung, die die Fortpflanzungsmedizin möglich gemacht hat: Die vierjährige Tochter der 29-jährigen Sonja Werner ist nach einer PID zur Welt gekommen.

Vorgenommen hat diesen in Deutschland nicht zugelassenen Gentest der Gynäkologe Dr. Matthias Bloechle, dessen Selbstanzeige schließlich zum wegweisenden Urteil des Bundesgerichtshofs im Juni 2010 geführt hat.

Mutter: "Ich wollte alle Möglichkeiten ausschöpfen"

Die Mutter des nach einer PID geborenen Kindes ging mit ihrer ethischen Maxime in der Sendung offenherzig um: "Ich wollte alle Möglichkeiten, die es gibt, ausschöpfen, um ein Kind zu bekommen", sagte Werner, die Trägerin eines Gendefekts ist, der weitere Fehlgeburten sehr wahrscheinlich gemacht hätte.

Damit war die ethische Kampfzone eröffnet: Die Frage der Verfügbarkeit über menschliche Embryonen, von denen im Zuge der PID viele "verworfen" werden, der Frau also nicht eingesetzt werden. Bischof Wolfgang Huber, früherer Ratspräsident der EKD, sieht die ethische Verwerflichkeit der PID gerade darin begründet, dass die übrig bleibenden Embryonen als Sachen, nicht aber als Leben angesehen werden.

Der Gynäkologe Bloechle wollte sich diesen Schuh nicht anziehen: "Nicht ich verfüge über die Embryonen, allein die Frau entscheidet."

Hintze: "Embyronen in Petrischalen weniger schutzwürdig als Leben im Mutterleib"

Der CDU-Abgeordnete und Theologe Peter Hintze, der für eine reglementierte Freigabe der PID eintritt, nannte es "eine brutale Sicht der Dinge", Frauen mit einem hohen Risiko für die genetische Schädigung des Embryos auf die Abtreibung zu verweisen. Leben entstehe erst dann, wenn die Mutter es annimmt, sagte er.

Konsequenz: Embryonen in der Petrischale hätten einen ethischen Status, der sie weniger schutzwürdig macht als das Leben im Mutterleib.

Ulla Schmidt warnt

Zentrales Gegenargument von Bischof Huber war, unter dem "Deckmantel der medizinischen Indikation" erfolge bei der PID eine "Be- und Verurteilung des heranwachsenden Kindes". Assistiert wurde Huber von der früheren Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), die früher für die Zulassung der PID eingetreten ist.

Nun aber warnte Schmidt, einmal eingeführt würden sich die Gentests nicht mehr begrenzen lassen.

Obwohl zeitweise emotional, blieb die Talkrunde hart, aber fair. Nächsten Donnerstag sind die 620 Abgeordneten bei der Entscheidung über die PID allein mit ihrem Gewissen.

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