Ärzte Zeitung, 30.01.2015

Diabetes

Netzwerke zum Schutz vor Amputationen

Werden Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom (DFS) frühzeitig behandelt und engmaschig betreut, ist dies ein wirksamer Schutz vor Amputationen. Besonders gut funktioniert die Patientenversorgung in Netzwerken. Die AOK unterstützt Arztnetze deshalb mit verschiedenen Verträgen.

Von Taina Ebert-Rall

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Sektorenübergreifender Vertrag: Im Versorgungsmodell im Rheinland arbeiten die Ärzte eng mit Podologen und anderen Leistungserbringern zusammen.

© Klaus Rose

BERLIN. Die AOK Rheinland/Hamburg hat für ihre Versicherten mit Diabetischem Fußsyndrom (DFS) einen besonderen Vertrag abgeschlossen, der unter anderem eine durch einen Diabetologen koordinierte Behandlung, ein qualifiziertes Wundmanagement sowie eine elektronische Dokumentation und Qualitätssicherung vorsieht. Nur ein Beispiel für die Verträge, die die Kasse mit Netzen abschließt.

Den Anstoß im Rheinland und in Hamburg gab der Kölner Arzt Dr. Dirk Hochlenert, der sich bereits seit der Gründung seiner Praxis im Jahr 2002 für eine effektive und effiziente Versorgung von DFS-Patienten engagiert und 2005 die AOK von seiner Idee einer koordinierten Versorgung überzeugen konnte.

Zweitmeinung ist fester Bestandteil

"Wichtigstes Ziel des DFS-Vertrages ist es, die Patienten mobil zu halten, ihre Lebensqualität zu verbessern und vor allem Majoramputationen zu vermeiden", sagt Claudia Tonn, die bei der AOK Rheinland/ Hamburg für die Entwicklung und Umsetzung der Verträge zuständig ist. Dafür sieht der Selektivvertrag DFS eine multidisziplinäre und sektorenübergreifende Zusammenarbeit in regionalen Netzwerken vor.

Patienten, die nicht mehr mobil sind, werden in ihrem häuslichen Umfeld durch eine qualifizierte Wundassistenz betreut. Zudem muss vor jeder Majoramputation eine Zweitmeinung eingeholt werden.

Eine Weiterentwicklung des Vertrags sieht zudem die Etablierung eines Verbandsmittelmanagements vor. In dessen Rahmen soll die Versorgung von teilnehmenden Versicherten mit qualitativ hochwertigen Verbandsmaterialien europaweit ausgeschrieben werden.

"Eine gute Betreuung von Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom ist zeitintensiv und mühsam, deshalb ist es wichtig, sich zu spezialisieren", weiß der Diabetologe Hochlenert, in dessen Praxis jährlich über 1000 DFS-Patienten behandelt werden.

Er achtet darauf, dass die Patienten seiner Fußambulanz nur von Ärzten und Pflegern, Orthopädischen Schuhmachern und Podologen betreut werden, "die sich richtig gut auskennen". So arbeitet er zum Beispiel mit einem ambulanten Chirurgen zusammen, der viel Erfahrung mit Patienten hat, die aufgrund der diabetesbedingten Nervenschäden keine Schmerzen im Fuß empfinden.

Patienten stärker sensibilisieren

"Es geht darum, sich den Patienten ganz genau anzuschauen und immer wieder ausführlich zu besprechen, wie ein Fuß entlastet werden kann", so der Kölner Arzt. Hochlenert: "Braucht der Patient besondere Schuhe oder hilft es ihm, einen entlastenden Filz unter den Fuß zu kleben? Benötigt er gar einen Gips?

Es gibt ein ganzes Spektrum von Entlastungshilfen. Es braucht Geduld und manchmal detektivisches Gespür, um die richtige Hilfe für den Patienten zu finden." Alles dreht sich nach Erfahrung Hochlenerts darum, die Patienten für ihre besondere Problematik zu sensibilisieren. "Der Betroffene muss begreifen, dass er am Fuß zum Beispiel kitzelig sein kann und trotzdem keine Schmerzen verspürt."

40 Prozent weniger Amputationen

Die Mühe lohnt: Dank der engmaschigen Betreuung der Patienten sind nach Angaben der AOK Rheinland/Hamburg die Majoramputationen bei den dort erfassten Diabetikern zwischen 2007 und 2012 um 40 Prozent zurückgegangen, die Anzahl der Minoramputationen blieb bei deutlich erhöhten Diabetikerzahlen konstant.

Etwa 8500 Patienten haben im Rheinland bisher von der koordinierten Versorgung profitiert, dort nehmen rund 140 niedergelassene Ärzte teil. In Hamburg sind es bislang 34 Ärzte und rund 3000 Patienten.

Damit die Versorgung noch weiter verbessert werden kann, wird seit 2014 im Rheinland, in Hamburg und in Berlin ein DFS-Register eingesetzt. Mit diesem Register soll die Versorgung von Menschen mit DFS abgebildet werden.

Es soll Informationen zu Krankheitsverläufen bereitstellen und dabei helfen, evidenzbasierte Entwicklungen anzustoßen, die Versorgung zu verbessern sowie Stärken und Schwächen in der Gesundheitsversorgung dieser Patienten zu finden.

Das Register basiert auf einer Datenbank, die zur Evaluation von Verträgen mit gesetzlichen Krankenkassen seit 2003 aufgebaut wurde. Dafür wurden von 93 Einrichtungen in Nordrhein, Hamburg und Berlin bereits 53.000 Datensätze dokumentiert.

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