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Ärzte Zeitung, 30.11.2015

AOK Nordost

Telemedizin-Projekt gibt Herz-Patienten mehr Sicherheit

Telemedizinische Anwendungen können dazu beitragen, den Gesundheitsstatus von chronisch kranken Patienten zu kontrollieren und im Notfall für schnelle Hilfe zu sorgen. Die AOK Nordost bietet ein Programm für Patienten mit Herzinsuffizienz an, dessen Wirksamkeit in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen worden ist.

Telemedizin-Projekt gibt Herz-Patienten mehr Sicherheit

Weisen die telemedizinisch ermittelten Daten Auffälligkeiten auf, wird der Patient direkt von einer Beraterin der Patientenhilfe via Telefon kontaktiert.

© Kurhan / fotolia.com

BERLIN. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern setzt die AOK Nordost das Versorgungsprogramm "AOK-Curaplan Herz Plus" dafür ein, bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz einer Verschlechterung des Gesundheitszustands vorzubeugen.

Auf diese Weise können Patienten in der regulären ambulanten Versorgung stabilisiert werden, Krankenhausaufenthalte sollen vermieden werden.

Das Programm, in dessen Rahmen die AOK ihren Versicherten unter anderem persönliche telefonische Betreuung anbietet, ergänzt die Therapie durch den behandelnden Arzt. Diese Unterstützung kommt nach Angaben der AOK Nordost nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei den Ärzten gut an.

Das sei nicht nur auf die umfassende Kontrolle des Gesundheitszustands zurückzuführen, sondern auch auf die vorgesehenen Unterstützungsangebote für die Patienten.

Die Inhalte umfassen alle Aspekte des alltäglichen Lebens mit Herzinsuffizienz. Ganz unterschiedliche Themen - vom Erkennen von Zeichen und Beschwerden einer Verschlechterung über die Notwendigkeit körperlicher Aktivität, Grundlagen der Medikamentenbehandlung bis hin zu Begleiterkrankungen sowie Regeln der Ernährung - werden hier besprochen.

Vor allem ältere Patienten profitieren

"Unsere Patienten profitieren ganz klar von Herz Plus. Das trifft vor allem auf ältere Alleinstehende zu, die regelmäßig angerufen und kontrolliert werden", sagt Dr. Renate Weinrich.

Die Kardiologin betreut in der Praxisgemeinschaft zusammen mit ihrem Mann, dem Internisten und Hausarzt Dr. Lutz Weinrich, in Berlin seit 2008 mehr als 140 in das Programm eingeschriebene Patienten.

"Durch die Informationen, die wir auf elektronischem Weg erhalten, können wir genau zur richtigen Zeit eingreifen. So kann ich immer den Überblick behalten und meine Patienten haben mehr Sicherheit."

Im Kern geht es bei AOK-Curaplan Herz Plus darum, Zeichen einer drohenden Dekompensation rechtzeitig zu erkennen und sofort intervenieren zu können.

Das Konzept besteht dabei grundsätzlich aus zwei Säulen. Ein Team aus Krankenschwestern und -pflegern im Betreuungszentrum der DGP (Gesellschaft für Patientenhilfe) schult und berät die Patienten.

Zu den Inhalten gehören wie gesagt Themen wie das Erkennen von Zeichen und Beschwerden einer Verschlechterung, die Notwendigkeit körperlicher Aktivität oder die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen. Ziel ist es, das Selbstmanagement der Betroffenen durch Stärkung der eigenen Kompetenzen zu steigern.

Telemetrische Begleitung

Im Rahmen der Betreuung ermitteln die Patienten zudem täglich Zeichen und Beschwerden der Erkrankung sowie in der Regel ihr Körpergewicht. Diese Messwerte werden automatisch telemetrisch an das Betreuungszentrum übermittelt. Hier erfolgt dann wiederum eine automatische, auf Algorithmen basierende Auswertung.

Eine Verschlechterung kann in der Regel sieben bis zehn Tage vor einem sonst drohenden Krankenhausaufenthalt erkannt werden. Wenn die Frühwarnzeichen einer Verschlechterung durch das Betreuungszentrum erkannt werden, informiert dieses schnellstmöglich den Patienten und seinen ambulant betreuenden Arzt und unterstützt sie bei der Einleitung einer frühen Behandlung.

"AOK-Curaplan Herz Plus" wurde von der AOK Nordost gemeinsam mit der DGP und dem Unfallkrankenhaus Berlin entwickelt. Es läuft seit 2004. Mittlerweile sind rund 5300 Versicherte der AOK Nordost in das Programm eingeschrieben, das im vergangenen Jahr Gewinner des MSD-Gesundheitspreises war.

"Eine Studie der Universitätsmedizin Greifswald hat belegt, dass sich durch das Versorgungsprogramm die Überlebenswahrscheinlichkeit der Teilnehmer um bis zu 70 Prozent erhöht", sagt Harald Möhlmann, Geschäftsführer Versorgungsmanagement der AOK Nordost (siehe Kasten unten).

Die Kasse hatte zusammen mit der DGP die Wirksamkeit ihres Programmes bereits in der Vergangenheit durch eigene Analysen und Patientenzufriedenheitsbefragungen gemessen und positive Ergebnisse ermittelt. So ergaben diverse Befragungen, dass die teilnehmenden Versicherten sich in dem Programm gut betreut und damit auch sicherer fühlen. (eb)

Therapieansatz mit doppelter Wirkung

Eine Evaluation des Telemedizin-Projekts "AOK-Curaplan Herz Plus" zeigt, dass durch das Versorgungskonzept die Lebenserwartung signifikant steigt. Gleichzeitig sinken die Gesamtkosten für die Versorgung.

BERLIN. Dass Patienten vom Versorgungsprogramm "AOK-Curaplan Herz Plus" profitieren, ist bereits im vorigen Jahr in einer Studie nachgewiesen worden. So stellte das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald fest, dass die gut strukturierte telemedizinische Betreuung in Verbindung mit der telefonischen Schulung und Beratung der Patienten im Versorgungsprogramm "AOK-Curaplan Herz Plus" nachweislich die Überlebenswahrscheinlichkeit der Teilnehmer erhöht (wir berichteten). Die Ergebnisse zeigten demnach ungewöhnlich deutlich die großen Chancen der telemedizinischen Versorgung.

Für die Analyse stellte die AOK Nordost Routinedaten von Herzinsuffizienz-Patienten zur Verfügung, von denen 2600 in "AOK-Curaplan Herz Plus" eingeschrieben waren. Für die Hauptanalyse wurden von diesen 2600 Patienten nach der intention to treat-Methode 1943 mit einer Kontrollgruppe von 3719 Nichtteilnehmern verglichen. Beide Gruppen wiesen zu Beginn der Analyse die gleichen Voraussetzungen auf, was etwa den Schweregrad der Krankheit, Alter und Geschlecht betraf. Für noch spezifischere Ergebnisse wurden in einer zusätzlichen Sensitivitätsanalyse 1381 Patienten, die nachweislich aktiv am Programm teilgenommen haben, mit einer Kontrollgruppe verglichen. Dabei wurde geschaut, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für die Patienten in der jeweiligen Gruppe war, ein bzw. zwei Jahre nach Programmbeginn noch zu leben. Außerdem sollte geprüft werden, inwieweit die Investitionen in ein solches Versorgungsprogramm auch zu gesundheitsökonomischen Effekten führen können.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Patienten in der Sensitivitätsanalyse eine bis zu 70 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit aufwiesen als Nichtteilnehmer. Darüber hinaus zeigten sich auch positive wirtschaftliche Effekte. (eb)

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