Ärzte Zeitung, 09.04.2013

Generika

Rabattarzneien boomen

Rabattverträge haben im vergangenen Jahr einen neuen Höhenflug erlebt - sehr zur Freude von Kassenmanagern. Doch die wettbewerbliche Schlagseite dieses Instruments bleibt ein Makel.

Von Florian Staeck

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Anteil der Generika an rabattierten Arzneimitteln ist stetig gewachsen.

© Sven Baehren / Fotolia

FRANKFURT/MAIN. Für fast zwei von drei Medikamenten ohne Patentschutz, die im Jahr 2012 abgegeben wurden, hat ein Rabattvertrag bestanden. Damit hat die Umsetzungsrate von Rabattverträgen mit 64 Prozent im Generika-Markt einen neuen Höchststand erreicht, meldet das Beratungsunternehmen IMS Health.

Nur noch für 36 Prozent der 354 Millionen abgegebenen Packungen im GKV-Markt hatten Kassen und Hersteller keinen Abschlag vereinbart. 2011 waren noch 59 Prozent des Marktes für patentfreie Wirkstoffe durch einen Rabattvertrag nach Paragraf 130a Absatz 8 SGB V abgedeckt.

Mit dieser Entwicklung wurden Marktbeobachter Lügen gestraft, denen zufolge das Marktpotenzial für Rabattverträge weitgehend ausgeschöpft sei.

Möglich gemacht haben das weitere Wachstum vor allem Änderungen bei den Regeln für Packungsgrößen sowie bei den Aut-idem-Vorschriften.

Seit Mai 2011 ist der Austausch eines verordneten Präparats in der Apotheke durch ein Rabattmedikament auch dann möglich, wenn der Packungsinhalt nicht völlig identisch ist.

Die neuen Vorschriften gestatten Abweichungen bei indikations- und wirkstoffbezogenen Packungsgrößen: Zwar muss die N-Größe identisch sein, die Packung darf aber beispielsweise statt 100 auch 98 Kapseln enthalten.

Geringe Bedeutung bei Originalpräparaten

Seit Start der Rabattverträge ist die Anbieterkonzentration in diesem Segment größer gewesen als im gesamten Generika-Markt der GKV. Im vergangenen Jahr entfielen nach Angaben von IMS Health 74 Prozent der Packungen, die unter Rabattvertrag abgegeben wurden, auf einen der zehn führenden Hersteller.

In der gesamten GKV dagegen kommen die Top 10 der Generika-Branche auf einen Marktanteil von lediglich 50 Prozent.

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Allerdings hat die Dominanz der führenden Hersteller seit 2010 etwas abgenommen. Damals stammten 80 Prozent der rabattierten Packungen von einem der zehn größten Hersteller.

Ungeachtet dessen wird ein Trend zur Oligopolisierung dann offenbar, wenn die Konzernzugehörigkeit der Anbieter berücksichtigt wird. Dann nämlich, berichtet IMS Health, repräsentieren die drei größten Unternehmensgruppen die Hälfte des Marktes.

Bei patentgeschützten Medikamenten haben Rabattverträge nach wie vor geringere Bedeutung. Allerdings wächst die Bedeutung des einstigen Nischengeschäfts.

Für 19 Prozent der im vergangenen Jahr abgegebenen Präparate unter Patentschutz ist ein Rabattvertrag vereinbart gewesen. In den Vorjahren waren es noch neun (2011) und vier (2010) Prozent.

Dabei entfallen 82 Prozent dieses Segments auf nur drei Arzneigruppen: Es dominieren Humaninsuline und Analoga mit 58 Prozent der abgegebenen Packungen. Jede fünfte Packung enthält einen Angiotensin-II-Antagonisten (Kombi und Mono), vier Prozent sind Antidepressiva.

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