Ärzte Zeitung, 17.07.2009

Durchfall auf Reisen - davor ist niemand sicher

Reisediarrhö ist die häufigste Reisekrankheit überhaupt. Mittel für eine symptomatische Therapie gehören deshalb in die Reiseapotheke.

Von Ursula Armstrong

Auch komfortable Reisebedingungen wie bei einer Nilkreuzfahrt schützen nicht vor Reisediarrhö.

Foto: imago

NEU-ISENBURG. "Montezumas Rache", "Pyramiden Sidestep", "Delhi Belly" - viele Namen hat die Reisediarrhö. Kein Wunder, Durchfall ist die häufigste Krankheit auf Reisen. Zwei von drei Touristen bekommen während eines zweiwöchigen Urlaubs in Tropen oder Subtropen Durchfall. In manchen Ländern, etwa in Indien oder Ägypten, trifft es sogar 80 Prozent der Reisenden. Dabei ist es egal, ob sie unter einfachen Bedingungen oder in Fünf-Sterne-Hotels wohnen.

Doch meist verläuft die Reisediarrhö milde, und eine symptomatische Therapie genügt. Durchfall ist also ein wichtiges Thema für die reisemedizinische Beratung. Zur Prophylaxe wird meist der bekannte Spruch "peel it, boil it, cook it, or forget it" ("schäl es, koch es, brat es oder vergiss es") mit auf die Reise gegeben.

Gut riechen und schmecken sollte das Essen

Doch das schützt nicht unbedingt. Auch diejenigen, die sich strikt an diese Regel halten, können Reisediarrhö bekommen. Das bedeutet nicht, dass gute Hygiene nicht wichtig ist. Praktikabler als der alte Spruch ist jedoch eine modifizierte Regel: "Essen Sie nur, was gut aussieht, gut riecht und gut schmeckt."

Außerdem gehören Mittel zur Therapie bei unkomplizierter Diarrhö in die Reiseapotheke. Hier kann man einige frei verkäufliche Mittel empfehlen. Zur symptomatischen Therapie sind etwa Saccharomyces-boulardii-Präparate (zum Beispiel Perenterol®, Perocur®, Santax®, Floratil®, Yomogi® und andere) geeignet. Eine Alternative sind Tannin-Eiweiß-Mittel (etwa Tannacomp® oder Tannalbin®).

Mit diesen Mitteln ist auch eine Prophylaxe möglich, so Privatdozent Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin(CRM) in Düsseldorf. In der Regel reiche es, mit dem Reiseantritt damit zu beginnen und dann täglich je eine Tablette morgens und abends etwa eines Tanninalbumin-Präparates zu nehmen.

Ist schnelle Hilfe nötig, sind Motilitätshemmer Mittel der Wahl (Loperamid-Präparate, Imodium®). Diese Substanzen sollten aber nicht länger als 48 Stunden genommen werden, denn sie können eine Enteroinvasivität und Darmatonie begünstigen. Notfalls müssten sie mit einem Chinolon kombiniert werden.

Und schließlich gibt es den Sekretionshemmer Racecadotril (Tiorfan®), der schon seit längerem für Kinder auf dem Markt ist und nun auch für Erwachsene zugänglich ist.

Das Wichtigste bei einer unkomplizierten Reisediarrhö ist, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Oft reicht das schon zur Therapie. Die Kranken sollen viel trinken und Salz zu sich nehmen. Bei hohem Flüssigkeitsverlust sind Elekrolyt-Fertigpräparate sinnvoll, vor allem für Kinder (zum Beispiel Elotrans® oder Oralpädon® für Kinder).Ist kein Beutel zur Hand, kann man eine Elektrolytlösung auch selbst herstellen. Die WHO empfiehlt: acht Teelöffel Zucker und ein gestrichener Teelöffel Kochsalz auf einen Liter abgekochtes Wasser oder Orangensaft. Der Saft hat den Vorteil, dass er auch Kalium enthält.

Reisenden sollte man Warnsymptome erläutern

Bei einer unkomplizierten Reisediarrhö - und das sind die meisten - reicht eine symptomatische Therapie aus. Doch sollte man Reisenden Warnsymptome erklären, die auf einen komplizierten Verlauf hinweisen: Dazu gehören profuse Diarrhön und/oder massives Erbrechen, Blut im Stuhl, hohes oder anhaltendes Fieber. Dann sollte ein Arzt aufgesucht werden.

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