Ärzte Zeitung, 04.09.2009

Neue OTC-Optionen für Migränepatienten

Die Selbstmedikation wird anspruchsvoller: Anfang August wurde das zweite Triptan aus der Verschreibungspflicht entlassen. Damit verbunden ist eine sorgfältige Beratung in der Apotheke und beim Arzt.

Von Ursula Armstrong

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Für Patienten mit mittelschweren bis schweren Migräneattacken sind Triptane die erste Wahl.

Foto: imago

NEU-ISENBURG. Triptane sind heute Mittel der ersten Wahl für Patienten mit mittelschweren bis schweren Migräneattacken mit und ohne Aura. Zwei dieser potenten Substanzen sind inzwischen aus der Verschreibungspflicht entlassen und erweitern für Migräne-Patienten die Möglichkeiten zur Selbstmedikation. Nach Naratriptan (Formigran®) wurde kürzlich Almotriptan vom Bundesrat für den OTC-Bereich als Einzeldosis in einer Konzentration von 12,5 mg bei einer Packungsgröße von maximal 25 mg - entsprechend zwei Tabletten - freigegeben. Es ist allerdings noch kein entsprechendes Präparat im Handel, sondern nur wie bisher verschreibungspflichtige Packungen mit drei oder mehr Tabletten.

Für Sumatriptan wird die Rezeptfreiheit diskutiert

Und auch für den seinerzeit ersten Wirkstoff dieser Klasse, Sumatriptan, wird die Entlassung aus der Verschreibungspflicht diskutiert.

Um zu dokumentieren, dass es sich bei den Triptanen zwar um freiverkäufliche, aber dennoch beratungsintensive Wirkstoffe handelt, soll für Almotriptan der Hinweis in die Packungsbeilage aufgenommen werden, dass vor der ersten Einnahme ein Arzt die Diagnose Migräne gesichert haben muss. Ab dem 1. Februar 2010 gilt das auch für Naratriptan. Apothekern kommt damit mehr Verantwortung hinsichtlich einer aktiven Beratung zu, wenn Patienten nach einem wirksamen Migränemedikament fragen.

An sich sind Triptane ziemlich unproblematische Wirkstoffe. Die Sicherheitslage sei generell als ausgezeichnet zu betrachten, so der Schmerzexperte Dr. Volker Pfaffenrath aus München. Weltweit lägen Erfahrungen mit über 300 Millionen Migräneattacken vor, bei denen erfolgreich mit Sumatriptan behandelt worden sei. Die Nebenwirkungen kommen dabei auf 1:1 Million. Da alle Triptane denselben Wirkmechanismus aufweisen, geht Pfaffenrath davon aus, dass das Nebenwirkungsprofil der anderen Triptane vergleichbar gut ist. So hat sich auch Naratriptan in der Selbstmedikation bewährt. Nach Angaben von Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Duisburg-Essen, gab es in den drei Jahren seit Entlassung des Triptans aus der Rezeptpflicht lediglich zwei Meldungen wegen Übergebrauchs. In derselben Zeit hätten Patienten rund 2,5 Millionen Migräneattacken mit diesem Triptan selbst behandelt.

Dennoch, so Dr. Bernd Eberwein, Geschäftsführer Wissenschaft beim BAH und Mitglied im Ausschuss für Verschreibungspflicht, sollte der Hinweis in der Packungsbeilage, dass der Anwendung in der Selbstmedikation wenigstens einmal eine ärztliche Diagnose vorauszugehen habe, ernst genommen werden. Professor Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik Kiel, bestätigt: "Nur drei von zehn Patienten wissen mit Sicherheit, dass sie an Migräne leiden."

NSAR plus Triptan ist eine effektive Kombination

Bei gesicherter Diagnose rät Pfaffenrath, maximal zwei Dosen pro 24 Stunden oder drei Dosen pro Attacke einzunehmen - insgesamt nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat. Wirkt ein Triptan bei einer Attacke nicht, nutzt meist auch eine zweite Dosis nicht. Für Patienten, die bei mehreren Attacken auf das gewählte Triptan nicht oder nicht ausreichend ansprechen, lohnt es, andere Triptane zu probieren. Zudem kann es helfen, zeitgleich zum Triptan ein hoch dosiertes NSAR einzunehmen. Denn diese Kombi verkürzt die Migräne und kann oft die Attacke kupieren.

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