Ärzte Zeitung, 29.08.2008

Mobile geriatrische Reha kommt gut an

Erste Erfahrungen in Brandenburg / Kassen lehnen immer noch viele Anträge ab

POTSDAM/WOLTERSDORF (ami). Hausärzte begrüßen die neue Möglichkeit der mobilen geriatrischen Rehabilitation für ihre alten Patienten. Diese Erfahrung hat der Brandenburger Geriater Dr. Rainer Neubart gemacht.

Mobile geriatrische Reha kommt gut an

Patienten sind begeistert von mobiler geriatrischer Rehabilitation.

Foto: Alexander Raths© www.fotolia.de

"Die Patienten sind begeistert und die meisten Hausärzte auch, solange nicht wieder eine Kasse die Kostenübernahme ablehnt", sagt Neubart. Er leitet den Mobilen Rehabilitationsdienst Woltersdorf (MRDW) und hält damit eines der wenigen Angebote für mobile Reha bundesweit vor.

Zudem hat Neubart an der Erarbeitung der bundesweiten Rahmenempfehlungen für die mobile geriatrische Reha mitgewirkt. Der Anspruch auf mobile geriatrische Reha wurde schon im April 2007 mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz eingeführt.

Seit einem halben Jahr besteht nun ein Vertrag mit den märkischen Ersatzkassenverbänden VdAK/AEV. Das war nach Kassenangaben der erste Vertrag zu diesem Angebot in ganz Deutschland. Inzwischen hat der MRDW auch Vereinbarungen mit AOK und IKK in Brandenburg getroffen. Dennoch werden Neubart zufolge viele Anträge auf Kostenübernahme trotz eindeutiger Indikation abgelehnt. 23 Patienten wurden rund um Woltersdorf im Rahmen der Vereinbarungen bislang behandelt, 13 sind aktuell in Therapie. Bei ihnen sind die Anträge noch nicht bewilligt.

"Viele Behandlungskonzepte funktionieren zwar in der Klinik, aber noch lange nicht im Wohnumfeld des Patienten", so Neubart. Die mobile Reha soll Probleme dort lösen, wo sie entstehen, nämlich im häuslichen Umfeld. Dazu arbeiten Pflegedienst, Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie, Psychologie und Sozialarbeit unter ärztlicher Leitung zusammen. In der Regel finden fünf bis zehn Therapien pro Woche für eine Dauer von sechs bis zwölf Wochen statt.

"Es nützt nichts, wenn ein Patient mit dem Rollator auf dem Stationsflur des Krankenhauses vorwärts kommt, er muss in der eigenen Wohnung mobil sein. Sonst drohen Muskel- und Herzschwäche, Stürze und die gefürchtete Abwärts-Spirale, die zu Immobilität und Folgeproblemen hin bis zum Tod der Patienten führen kann", erläutert Neubart.

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