Ärzte Zeitung, 17.10.2008

"Krankenkassen werden ihren Status als Versicherungen los"

Gesundheitsökonom Neubauer analysiert Fonds-Folgen

MÜNCHEN (sto). Die gesetzlichen Krankenkassen erleben mit der Einführung des Gesundheitsfonds eine "Geschlechtsumwandlung". Dieses Bild hat der Gesundheitsökonom Professor Günter Neubauer beim Europäischen Gesundheitskongress in München gewählt, um die bevorstehenden Veränderungen im Kassensystem deutlich zu machen.

"Krankenkassen werden ihren Status als Versicherungen los"

Kassen werden sich zu Managementgesellschaften entwickeln: Günter Neubauer.

Foto: Euroforum

Mit dem Gesundheitsfonds und dem einheitlichen Beitragssatz werde ab Januar kommenden Jahres de facto die Einheitskasse eingeführt, erläuterte Neubauer. Die gesetzlichen Kassen verlieren ihre Finanzhoheit und müssten dann mit den Geldern auskommen, die ihnen zugewiesen werden. Wettbewerb könne dann nur noch über Service, Qualität und Leistung stattfinden. Die Konsequenz, so Neubauer: Die Krankenkassen werden ihren Status als Versicherungen los und wandeln sich in Managementgesellschaften, die die medizinische Versorgung nach ihren Vorstellungen gestalten (siehe auch den Bericht zum Versorgungsvertrag der DAK in Bayern auf dieser Seite).

Massive Kritik am Gesundheitsfonds äußerte erneut der Vorstandsvorsitzende der DAK, Professor Herbert Rebscher. In der Vergangenheit habe sich der Schätzerkreis um bis zu 3,5 Milliarden Euro in beiden Richtungen verschätzt. Das sei aber nicht weiter problematisch gewesen, weil die Kassen im Laufe eines Jahres ihre Beiträge dann "nachjustieren" konnten. Diese Möglichkeit gebe es jetzt nicht mehr.

"Kein Mensch weiß, wie sich das Geld im Gesundheitsfonds verteilt und welche Auswirkungen das auf die Zusatzbeiträge haben wird", sagte Rebscher. Das sei eine "extreme Unsicherheit" für die Kalkulation. Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Dr. Klaus Theo Schröder wies die Bedenken als "aufgeblasene Kritik" zurück. Der Gesundheitsfonds sei nichts anderes als ein "gemanagter Zahlungsstrom", der immer wieder nachgesteuert werden könne.

Zwei Drittel der Bürger wüssten im Übrigen gar nicht, wie hoch ihr Beitragssatz ist, erklärte Schröder mit Blick auf den einheitlichen Beitragssatz. Erst mit der Einführung des Zusatzbeitrags werde ein deutliches Preissignal entstehen, so Schröder. Es werde auch Kassen geben, die ihren Versicherten Beiträge zurück bezahlen können. "Dann wird es munter im System."

[17.10.2008, 08:54:27]
Dr. Stefan Funk 
Die kranken Kassen sind schon lange keine Versicherungen mehr
Wer mit befreiender Wirkung eine Pauschale an die Ärzte bezahlt, seine Versicherten zur Flatate-Doktor-Nutzung animiert, den Versicherten vorgaukelt, dass alles bezahlt würde, wenn der Doktor das nur aufschreibt, um dann später den Arzt in die persönliche Haftung zu nehmen, der ist keine Versicherung, weil er gar kein Risiko trägt. Das Risiko tragen die Ärzte. Die waren die eigentlichen Versicherer, den sie haben bei gesteigerter Inanspruchnahme immer weniger Geld bekommen und mussten sogar das Verordnungsrisiko tragen.
Warum jammern die kranken Kassen, dass sie nicht wissen wieviel Geld sie bekommen werden ? Das wissen wir Ärzte seit vielen Jahren nicht.
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