Ärzte Zeitung, 13.01.2009

Patientenhotels sollen Versorgungslücken schließen

Ehemaliger Bremer Bürgermeister Scherf ist Schirmherr der Initiative

BREMEN (cben). Die Bremer Initiative "Ambulante Versorgungslücken" will an der Weser Patientenhotels schaffen, um zu früh entlassene Krankenhauspatienten übergangsweise betreuen zu lassen.

"Der Arzt schreibt einen krank, weil man keinen Schritt mehr gehen kann, aber die Krankenkasse fühlt sich trotzdem nicht zuständig," sagt Elsbeth Rütten. Die ehemalige Bremer Krankenschwester und der Schirmherr ihrer Gruppe, der ehemalige Bürgermeister Bremens, Henning Scherf (SPD), wollen, dass die Kassen ihre Satzungen erweitern, damit etwa alte Patienten nach der Klinikentlassung besser betreut werden können.

Initiatorin hat mit der AOK schon Kontakt aufgenommen.

Zum Hintergrund: Paragraf 38, SGB V sieht vor, dass die Kassen unter bestimmten Bedingungen nach Krankenhausentlassungen Haushaltshilfen zahlen, zum Beispiel an alleinstehende Frauen mit Kindern unter 12 Jahren. Absatz zwei des Paragrafen erlaubt es aber den Kassen, diese Bestimmungen zu erweitern. "Die AOK Bremen/Bremerhaven zahlt zum Beispiel auch bei Kindern unter 14 Jahren", sagt Jörn Hons, Sprecher der Kasse.

Rütten plädiert für eine größere Erweiterung. "Besonders alte und allein stehende Patienten sind nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause oft hilflos", sagte sie zur "Ärzte Zeitung", "frühere Systeme wie Familie oder die Nachbarschaft funktionieren nicht mehr so gut. Hier kann ein Patientenhotel einspringen".

Rütten hat sich mit ihren Forderungen an die Kassen des Landes gewandt. "Wir sind im Gespräch", bestätigt Hons für die AOK, "allerdings brauchen wir belastbare Daten, um Stellung nehmen zu können". Hons verwies im Übrigen auf die Sozialdienste in den Krankenhäusern und die politisch gewollte größere Eigenverantwortung der Patienten.

Rütten und ihre Initiative schreiben nun Briefe an die Krankenhäuser im kleinsten Bundesland. "Wir wollen wissen, wann welche Patienten in welchem Alter entlassen wurden", so Rütten, "an den Zahlen können wir sehen, ob sich unser Verdacht bestätigt oder nicht."

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