Ärzte Zeitung, 13.05.2009

Fonds lässt Schmerzpatienten außen vor

Fachverbände: Chronischer Schmerz gehört als eigenständiges Krankheitsbild in den Morbi-RSA der Kassen

BERLIN (hom). Die chronische Schmerzkrankheit muss nach Ansicht von Experten als eigenständiges Krankheitsbild in den morbiditätsbezogenen Risikostrukturausgleich unter den gesetzlichen Krankenkassen (Morbi-RSA) aufgenommen werden. Ansonsten drohten erhebliche Versorgungsdefizite.

Das Krankheitsbild Chronischer Schmerz ist im Morbi-RSA nicht gelistet. Verbände halten dies für falsch. imago

Aus aktuellen Studien gehe hervor, dass chronische Schmerzen zu den teuersten Krankheiten im deutschen Gesundheitssystem zählen. Dennoch falle die Versorgung der rund 15 Millionen chronisch kranken Schmerzpatienten "durch das Raster des Verteilungssystem des Gesundheitsfonds", kritisierte die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, Dr. Marianne Koch. "Schmerzpatienten haben dort bislang ganz schlechte Karten."

Hätten die Krankenkassen die durch Schmerzpatienten verursachten hohen Kosten bislang durch Patienten mit geringeren Kosten kompensieren können, falle diese Möglichkeit der Mischfinanzierung unter den Bedingungen des Gesundheitsfonds mit Einheitsbeitrag sowie pauschalierten Zuweisungen weg. "Die bisher schon prekäre Versorgungssituation chronisch Schmerzkranker verschärft sich weiter", warnte Koch.

Die Initiative "Koalition gegen den Schmerz", der neben der Deutschen Schmerzliga weitere Fachverbände und Patientenorganisationen angehören, fordere daher die "unverzügliche" Aufnahme der chronischen Schmerzkrankheit in die zuschlagsrelevanten Diagnosegruppen des Morbi-RSA. Dort sind bislang 80 verschiedene Krankheitsgruppen aufgelistet, die erhöhte Zuweisungen aus dem Fonds an die Kassen auslösen. Die Krankheiten werden gemeinsam von Experten und Politik festgelegt.

Auf Kritik der Verbände stieß zudem, dass Schmerztherapie und Palliativmedizin in der Ausbildungsordnung für Ärzte bislang zu kurz kommen. Beide Bereiche müssten daher in die Approbationsordnung aufgenommen werden, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes, Professor Rolf-Detlef Treede. Haus- und Fachärzte sollten sich ebenfalls stärker zum Thema Schmerz fortbilden. Nur die frühzeitige Diagnose verhindere die Chronifizierung des Schmerzes.

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