Ärzte Zeitung, 15.06.2009

Pro

Keine Scheu vor dem Vergleich!

Von Thomas Hommel

Das Gesundheitswesen ist für die Patienten da. Heißt es. Tatsächlich aber lässt das System den Patienten oft ziemlich alleine und interessiert sich für dessen Urteil herzlich wenig. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen beim Thema Arztsuche: Einen guten Mediziner zu finden, dies bleibt bislang im besten Fall der Mundpropaganda, im ungünstigsten Fall dem Prinzip Zufall überlassen.

Das Ansinnen der AOK, diesen Zustand zu beenden und im Internet einen Ärzte-TÜV zu installieren, ist daher nur zu begrüßen - vorausgesetzt, die Plattform folgt seriösen Kriterien. Warum sollte die Qualität von Arztpraxen nicht bewertet werden und in einem Vergleich münden? Diesen scheuen dürfte doch wohl nur derjenige, der schlechte Qualität erbringt. Kliniken, Heime und Kassen müssen sich für ihre Arbeit ja auch Noten gefallen lassen. Dem Patienten das Urteilsvermögen abzusprechen und ihn kleinzureden, ist unredlich. Beim Thema Direktabrechnung tut man‘s ja auch nicht.

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Contra: Bewertungs-Fake im Internet
Ärzte-TÜV - Furcht vor Mobbing und Manipulation

Lesen Sie dazu auch das Interview:
"Wir misstrauen Deutschlands Ärzten nicht"

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[17.06.2009, 08:46:11]
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Ärzteverzeichniss vs. Bewertungsportal
Damit ein Patient sich einen Arzt im WWW 'aussuchen' kann ist es nötig, dass sich dieser entweder im Idealfall mit einem eigenen Auftritt (Webseite) präsentiert oder er/sie in einem Verzeichnis gelistet ist (unabhängig davon ob das Verzeichnis qualitativ gut ist). Hier kann sich die Praxis so zeigen wie sie es selbst für nötig hält. Der Patient kann für sich entscheiden wo er sich 'besser' angesprochen fühlt. Bei einem Bewertungsportal wird ihm die Entscheidung quasi abgenommen. Dazu ein Beispiel: Herr M. erfährt von seinem Nachbar das sein Hausarzt bei ihm großartiges geleistet hat. Bevor er sich nun auf den Weg in dessen Praxis macht schaut er vorher noch mal ins Web, um sich bei Möglichkeit ein ausführlicheres Bild der Praxis machen zu können. Nun hat die Praxis keinen eigenen Webauftritt - ist aber in einem Bewertungsportal gelistet mit zwei anhängenden Bewertungen welche Herrn M. nicht gefallen. Das Ergebnis ist – er lässt sich dort nicht behandeln. Froh kann die Praxis noch darüber sein wenn Herr M. nicht die Gelegenheit bekommt während einem Gespräch, ähnlich dem wie er das mit seinem Nachbarn führte, über die für ihn negativen Bewertungen einer andere Person auf ihren Weg dorthin mitgibt. Folglich ist es ein großer Unterschied ob ich einen Arzt/Praxis suche oder mich mit Bewertungen über diesen auseinander setzen muss von denen ich nicht weiß ob sie richtig oder falsch sind. Das persönliche Bild ist doch entscheidender. Das ist auch über das Netz zu vermitteln. Jedoch nicht über ein Bewertungsportal. Zumindest nicht vollständig. zum Beitrag »

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