Ärzte Zeitung, 19.06.2009

Patienten werden mehr zuzahlen müssen

Politiker und Fachleute sind sich einig: Eine Zukunft ohne höhere Eigenbeteiligungen wird es nicht geben

BERLIN (ami). Eigenbeteiligungen und Mehrkostenregelungen werden im Gesundheitswesen künftig unausweichlich sein. Das war Konsens auf dem Podium beim Kongress des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK).

Patienten werden mehr zuzahlen müssen

Spätestens nach der Bundestagswahl werden Patienten mit Sicherheit verstärkt zur Kasse gebeten.

Foto: Klaro

"Wir kommen nicht umhin, Eigenbeteiligungen zu verlangen", so BDPK-Hauptgeschäftsführer Thomas Bublitz. Er betrachtet Eigenbeteiligungen auch als Instrument, um die Verbrauchersouveränität zu stärken. Sie müssten an Kosten orientiert und über einen steuerlichen Ausgleich gegen soziale Härten abgefedert sein. Den Zusatzbeitrag als Form der Eigenbeteiligung hält er jedoch für "problematisch, weil er in erster Linie zu einem Kostenvermeidungswettbewerb der Kassen führt".

Kritik an der Konstruktion des einprozentigen Zusatzbeitrags kam auch von der gesundheitspolitischen Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion Annette Widmann-Mauz (CDU). Sie forderte hier eine Korrektur nach der Bundestagswahl. Zu prüfen sei zudem, wo Mehrkostenregelungen nach dem Modell der Zahnersatz-Zuzahlungen sinnvoll seien. Sie schaffen nach Meinung von Widmann-Mauz mehr Wahlfreiheit und tragen zur Finanzierung bei.

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP Daniel Bahr hält es für "unrealistisch", auf Eigenbeteiligungen und Mehrkostenregelungen zur Finanzierung des Gesundheitswesens zu verzichten. Auch Dr. Harald Terpe von Bündnis 90/Die Grünen räumte ein, dass es auch für die Bündnisgrünen eine denkbare Vorstellung sei, Eigenbeteiligungen zu erheben, um die Eigenverantwortung zu stärken. Er warnte aber davor, den Organisationsaufwand für solche Instrumente zu unterschätzen.

"Preissignale bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen", hält auch der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem für den richtigen Weg. Er warnte davor, die Kassen aus der Pflicht zur Rückzahlung des Darlehens zu entlassen, wie sie es fordern (wir berichteten). Nur so seien sie gezwungen, Zusatzbeiträge zu erheben. Aus seiner Sicht ist ein Mix aus einkommensabhängigen Beiträgen, Steuern und sozial abgefederten Eigenbeteiligungen am besten zur Finanzierung des Gesundheitswesens geeignet.

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