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Ärzte Zeitung, 23.07.2009

Gute Reha-Ergebnisse - da gibt's einen Bonus

Nach der erfolgreichen Erprobung des Modellprojekts "Ergebnisorientierte Vergütung in der neurologischen Rehabilitation nach Schlaganfall" (ERGOV) suchen die Beteiligten weitere Mitstreiter für eine breitere Umsetzung.

Von Ilse Schlingensiepen

Einlieferung in die Stroke Unit: Beginn einer Behandlungskette, an deren Ende die neurologische Rehabilitation steht.

Foto: imago

KÖLN. Kern des Modells ist ein am Behandlungsergebnis ausgerichtetes Bonus- und Malus-System für die beteiligten Kliniken, das eine gerechtere Verteilung der vorhandenen Mittel gewährleisten soll. "Wir haben bewiesen, dass Qualitätssicherung im Sinne einer besseren Patientenversorgung und Kostenmanagement enger zusammengeführt werden können", sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer Ersatzkasse Birgit Fischer. Die Barmer ist gemeinsam mit dem Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung Bad Säckingen, den Helios-Kliniken und der m&i-Klinikgruppe Enzensberg Träger des Projekts.

Bonus der einen wird durch Malus der anderen finanziert

Die Arbeit an ERGOV hat 2001 begonnen. Ein wichtiger Teil war die Entwicklung eines Instruments für die Messung des Erfolgs der neurologischen Rehabilitation. Der "Selbständigkeitsindex für die Neurologische und Geriatrische Rehabilitation" (SINGER) misst die Fähigkeiten und den Hilfebedarf der Patienten bei Verrichtungen des täglichen Lebens. Damit soll die Selbstständigkeit im Alltagsleben erfasst werden - bei der Aufnahme in die Rehaklinik und bei der Entlassung.

"Das Verfahren ermöglicht es, Unterschiede im Case-Mix der Kliniken auszugleichen und Mogeleien auszuschließen", erläutert Dr. Nikolaus Gerdes vom Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung, der wissenschaftliche Leiter des Projekts. Außer der Messung der Reha-Ergebnisse eigne sich SINGER auch für die Planung von Therapiezielen. Die Kliniken können die Daten in ein Internet-basiertes Online-Programm eingeben. Das nutzen auch die Mitarbeiter verschiedener MDK, die in Stichproben die Datenqualität geprüft haben.

Kliniken, bei denen sich über das Instrument gute Rehabilitationsergebnisse feststellen lassen, erhalten bei ERGOV eine bessere Vergütung als Häuser, die nicht so gut abschneiden. Der Bonus der einen wird dabei durch einen Malus der anderen finanziert, für die Kostenträger bleibt das Modell damit finanzneutral.

Das System ist in zwölf Häusern der beiden Klinikgruppen bei mehr als 1700 Schlaganfallpatienten erprobt worden. "Das Verfahren sorgt dafür, dass das Geld da hinkommt, wo die beste Qualität in der Patientenversorgung ist", sagt Horst Kunze, Projektverantwortlicher bei Helios. "Wir erwarten einen entscheidenden Wandel zu mehr Qualität, wenn für überdurchschnittliche Leistungen tatsächlich finanzielle Anreize geschaffen werden", sagt Etzel Walle, Mitglied der Geschäftsleitung der m&i-Klinikgruppe Enzensberg.

"Wir wollen das Geld gerechter verteilen", beschreibt Achim Kleinfeld von der Barmer das Engagement der Kasse. Die Barmer selbst nehme keinen Einfluss auf die Verteilung. Bislang ist die Arbeit mit Zu- und Abschlägen auf die Vergütung virtuell geblieben. Das soll nach Kleinfelds Angaben auch in der nächsten Phase so bleiben. Dafür suchen die Projektbeteiligten weitere Kliniken.

Breitere Datenbasis ist wünschenswert

Der Grund: Bislang haben sich im Modellprojekt nur sehr geringe qualitative Unterschiede zwischen den Häusern gezeigt. "Wenn wir das System mit mehr Kliniken erprobt haben, die eine größere Spreizung aufweisen, können wird es scharf schalten", sagt Kleinfeld. Er hofft auch darauf, dass sich weitere Kostenträger an dem Projekt beteiligen. "Wir führen darüber Gespräche." An dem Modellversuch haben sich offensichtlich Rehakliniken beteiligt, die alle auf einem hohen qualitativen Niveau arbeiten, sagt Gerdes. Deshalb sei es wichtig, eine größere Bandbreite von Häusern in ERGOV einzubeziehen, bestätigt er. Die Ausweitung könne auch zeigen, ob die günstige Kostenstruktur in einzelnen Häusern zu Lasten der Qualität geht oder nicht.

Nach Einschätzung des Rehawissenschaftlers eignet sich ERGOV auch für andere Bereiche der Rehabilitation, wobei dafür die Assessment-Instrumente angepasst werden müssten. "Für die geriatrische Reha ist das Modell eins zu eins übertragbar, da die Reha-Ziele sehr ähnlich sind", sagt Gerdes.

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