Ärzte Zeitung, 24.09.2009

Kommentar

Fusionen - eine Chance für Qualität

Von Helmut Laschet

Die Fusion von Barmer und Gmünder Ersatzkasse ist ein wichtiges Signal dafür, wie sich Macht und Strukturen im Gesundheitswesen in der neuen Legislaturperiode verschieben könnten. Die zentralistischen Organisationen wie der GKV-Spitzenverband, die KBV als sein Widerpart und der Gemeinsame Bundesausschuss könnten an Bedeutung verlieren zugunsten eines stärkeren (Leistungs-)Wettbewerbs unter marktstärkeren Einzelkassen.

Klein aber fein reicht nicht mehr aus

Nur vordergründig ist der Zusammenschluss von Barmer und Gmünder der Versuch, im kommenden Jahr so lange es eben geht, die Erhebung eines Zusatzbeitrags zu vermeiden.

Mittel- bis längerfristig geht es darum, durch Mitgliederstärke eine Größe zu erreichen, die im Markt auch Qualität bedeutet. Das Beispiel der Gmünder Ersatzkasse kann dies verdeutlichen: Die Kasse hat ein ausgeprägtes Profil; in Image-Untersuchungen ist ihr besondere Kundenfreundlichkeit bescheinigt worden. Die Kasse engagiert sich in der Gesundheitsforschung und finanziert an der Uni Bremen einen Stiftungs-Lehrstuhl.

Sie kümmert sich um Medizin und Versorgung. Aber: Mit 1,2 Millionen Mitgliedern - das entspricht einem Marktanteil von 1,7 Prozent - ist die Kasse zu klein, um bei Ärzten, Krankenhäusern oder Arzneimittelherstellern ein interessanter Vertragspartner zu sein. Dies ändert sich mit der Fusion von BEK und GEK, die zusammen auf 8,6 Millionen Versicherte und einen Marktanteil von 12,8 Prozent kommen. Heruntergebrochen auf die Arztpraxis heißt das: ungefähr jeder achte Patient ist ein BEK/GEK-Versicherter.

Warum Ärzte nun kreativer werden müssen

Was bedeutet dieser Prozess für die Ärzte? Zum Beispiel für das weitere Schlicksal der Hausarzt-Verträge? Im Moment spielen die Ersatzkassen ganz klar auf Zeit. Ihr Verband hat die Funktion, sich auf kleinstmöglichem Nenner einen Vertrag per Schiedsamt aufzwingen zu lassen. Erst mittel- bis längerfristig werden die Ersatzkassen eigenständige Verträge entwickeln - unter der Voraussetzung, dass sie sich damit profilieren können. Darauf aber müssen sich Ärzte und ihre Organisationen einstellen. Es reicht nicht aus, den AOK-Hausarztvertrag zu kopieren.

Auch im Gefüge der Kassen und ihrer Organisationen werden sich aus Fusionen - eine der nächsten könnte die der AOKen Nordrhein/Hamburg und Westfalen-Lippe sein - Machtverschiebungen ergeben. Bei der nächsten Gesundheitsreform könnten Aufgaben des GKV-Spitzenverbandes auf einzelne Kassen verlagert werden. Dann bekäme die heute von GKV-Spitzenverband, KBV und Bundesausschuss definierte Einheitsmedizin eine Chance zur Differenzierung. Hier ist die Kreativität von Ärzten gefragt.

Lesen Sie dazu auch:
Weg frei für Deutschlands größte Krankenkasse


Topics
Schlagworte
Krankenkassen (16608)
Organisationen
AOK (7074)
BEK (96)
KBV (6606)
Personen
Helmut Laschet (1317)
[25.09.2009, 13:35:31]
Helmut Karsch 
Fusion, eine Chance für Monopole
Marktvielfalt unter dem Aspekt vieler Kassen sollte dem Wesen nach ja Marktbedingungen herbeiführen. Dies hätte geschehen können, wenn jede Kasse Verhandlungshoheit gehabt hätte oder hat. Stattdessen gibt es einen Spitzenverband Bund der zumindest Europarechtlich Implikationen hinsichtlich Kartellähnlicher Strukturen zuläßt. Jetzt folgt diesem Schritt die Fusionistis der Kassen bis zur Marktbereinigung kleinerer Kassen. Daraus erwachsen sich Kassengiganten die über die jeweilige Marktdominanz alles regel können, wenn auf der ärztlichen Seite keine Symetrie entsteht oder ist. Konsequent wir hier, wie bei der Energiewirtschaft auf Zerstörung von Markt gesetzt mit den bekannten Auswirkungen. Patienten und Ärzte werden die Verlierer sein. Vielleicht gibt es ja auch Absprachen mit den Klinikkonzernen um die Aufteilung der Versorgungslandschaft.Vielleicht schaltet sich ja auch der Papiertiger Bundeskartellamt irgend wann ein, um festzustellen, dass es keine Absprachen gibt. Oder noch besser, die Kassen ändern sich zum Versichungskonzern und die Ausgaben koppeln sich nicht mehr an die Einnahmen, sondern an jeweilige Gewinnerwartung. Eins ist sicher,die flächendeckende Versorgung im gleichen Umfang geht dem Ende entgegen.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »