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Ohne Familie geht beim Thema Demenz nichts

Pflegende Angehörige spielen in der Versorgung von Demenzpatienten die Hauptrolle. Müsste ihre Arbeit durch professionelle Pflegedienste ersetzt werden, würde dies die Kranken- und Pflegekassen Milliarden kosten, so ein weiteres Ergebnis der IDA-Studie.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Pflege-Tochter: In Deutschland ist die Familie der "größte Pflegedienst der Nation". Wegen der Demografie könnte sich das bald ändern. © klaro

Pflege-Tochter: In Deutschland ist die Familie der "größte Pflegedienst der Nation". Wegen der Demografie könnte sich das bald ändern. © klaro

© klaro

BERLIN. Die häusliche Versorgung von Demenzkranken ist ohne das Engagement pflegender Angehöriger finanziell kaum zu stemmen. Dies ist ein weiteres Forschungsergebnis der IDA-Studie, die am Mittwoch in Berlin erläutert wurde. Die Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA) ist mit 390 teilnehmenden Patienten und deren Angehörigen international eine der größten Interventionsstudien zur ambulanten Versorgung von an Demenzpatienten. Das Projekt wurde von der AOK Bayern, dem AOK-Bundesverband sowie den Pharmaunternehmen Pfizer und Eisai von Juni 2005 bis Februar 2009 in der Region Mittelfranken realisiert (wir berichteten).

Neueste gesundheitsökonomische Ergebnisse der Studie belegen, dass ein Großteil der Kosten, die für die Versorgung eines Demenzpatienten pro Jahr anfallen, von pflegenden Angehörigen geschultert werden. Unter Einbeziehung der familiären Unterstützung "koste" ein Demenzpatient jährlich etwa 47 000 Euro, erläuterte Professor Rolf Holle vom Helmholtz Zentrum München. Müsste diese von der Familie geleistete Pflege von einem professionellen Pflegedienst erbracht werden, würde dies bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung mit rund 37 600 Euro zu Buche schlagen. Derzeit entstünden für die Kassen nur Kosten in Höhe von 10 000 Euro. Da die familiäre Hilfe für Demenzpatienten wegen der demografischen Veränderungen künftig immer weniger möglich sei, stünden die Sozialsysteme vor enormen finanziellen Belastungen.

Der Chef des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, kritisierte, dass es in Deutschland "noch immer zu wenig maßgeschneiderte Entlastungs- und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige gibt". Vor allem Menschen mit geringem Einkommen würden entsprechende Angebote selten abrufen. Häufig würden sie die Pflege "alleine organisieren", so Reichelt.

Dr. Sonja Wunder von der AOK Bayern wies darauf hin, dass die "aktive, zugehende Form" der Angehörigenberatung mehr Sinne mache als herkömmliche Angebote, die auf "Komm-Strukturen" aufbauten. Erfahrungen ihrer Kasse mit dem Thema Demenz zeigten, dass ein Großteil der Betroffenen eine Unterstützung zunächst ablehne, weil man die Demenz "nicht wahrhaben" wolle. Deshalb sei es wichtig, dass Berater in einem ersten Schritt eine Vertrauensbasis zu den pflegenden Angehörigen aufbauten, bevor konkrete Unterstützung angeboten werde.

Die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Heike Lützau-Hohlbein, sprach sich ebenfalls für "mehr praktische Hilfen" in der Versorgung von dementiell erkrankten Menschen aus. Die Angebote müssten aber individuell zugeschnitten sein, da sich "nicht jeder in einer Selbsthilfegruppe wohlfühlt oder einen Betreuungsnachmittag als Hilfe empfindet".

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Pfizer Deutschland, Dr. Andreas Penk, betonte, Voraussetzung für eine reibungslose Versorgung von Demenzpatienten sei, "dass alle Akteure an einem Strang ziehen".

Andreas Wiegand, Geschäftsführer von Eisai, regte in diesem Zusammenhang einen "Nationalen Demenz Plan" an. In vielen europäischen Staaten habe die Politik Vergleichbares bereits auf den Weg gebracht, betonte Wiegand.

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