Ärzte Zeitung, 18.03.2010
"Vergreisende
Tarife, Kampf um Junge"
Fazit des IGES/Rürup-Gutachtens: PKV ist keine
Versicherung für Kranke / Direktverträge mit
Ärzten
BERLIN (HL). Die private Krankenversicherung
konzentriert ihren Wettbewerb auf junge, gesunde Versicherte,
lässt alte Tarife systematisch vergreisen und kranke
Versicherte in die Kostenfalle laufen. Die ärztliche
Versorgung ist teuer und - anders als in der GKV - ohne effektive
Steuerungsmöglichkeiten.

Veraltet und prozessanfällig:
die Gebührenordnung für Ärzte. © ill
Zu diesem Ergebnis kommt ein vom
Bundeswirtschaftsministerium erstelltes Gutachten des Berliner
Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und des
Darmstädter Wirtschaftswissenschaftlers Bert Rürup.
Die im Januar fertiggestellte Expertise wurde von
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) unter
Verschluss genommen (die
"Ärzte Zeitung" berichtete).
Die Kernaussagen des Gutachtens: Die
Alterungsrückstellungen der PKV (Kapitaldeckung)
schützen nicht vor massiven Prämiensteigerungen. Denn
die Rückstellungen berücksichtigen nicht die
steigende Lebenserwartung, wachsende Morbidität und Kosten des
medizinischen Fortschritts. Neue Tarife werden mit
Kampfprämien kalkuliert. Anders als im Umlageverfahren der GKV
gibt es keinen Lastenausgleich zwischen jungen Gesunden und
älteren Kranken.
Mit zunehmendem Alter und vor allem bei manifesten Krankheiten ist ein
Wechsel des Tarifs oder des Versicherers kaum noch möglich.
Wer davon betroffen ist, bezahlt dies mit stark steigenden
Prämien in vergreisenden Tarifen. Auch das WSG habe daran
nichts Wesentliches geändert.
Für Ärzte ist die PKV von großer
Bedeutung, weil die Honorare im Schnitt doppelt so hoch sind wie in der
GKV. IGES/Rürup haben allerdings keine Belege gefunden, dass
Privatpatienten eine qualitativ wesentlich bessere Medizin erhalten.
Die Wissenschaftler plädieren dafür, dass
Ärzte oder Arztgruppen mit Versicherungsunternehmen
Direktverträge abschließen.
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