Ärzte Zeitung, 06.12.2010

AOK-Chef : Ziel muss sein, Zahl der Praxen zu verringern

AOK-Chef : Ziel muss sein, Zahl der Praxen zu verringern

Dr. Herbert Reichelt: Problem mit ärztlicher Überversorgung.

© AOK / Thomas Meyer / OSTKREUZ

BERLIN (hom/bee). Der Vorstand des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, hat bestritten, dass in Deutschland Ärzte fehlen.

"Ich kann diesen Ärztemangel nicht erkennen. Wir haben ein Problem mit ärztlicher Überversorgung", sagte Reichelt der Zeitung "Welt". Ziel müsse sein, die Zahl der Arztpraxen in überversorgten Gebieten zu reduzieren.

Vorstellbar sei, dass Ärzten, die in solchen Gebieten aus Altersgründen aufhören wollten, eine Art Abfindung für ihre Praxis zu zahlen. Dabei gehe es "auf keinen Fall um Enteignung", betonte Reichelt.

Das Geld für die Abfindung könne aus dem bestehenden Honorartopf für Ärzte "ohne Weiteres finanziert werden", da nach Wegfall der Praxen in überversorgten Regionen deren Honorar den verbleibenden Ärzten zugute komme.

Ein Ärztemangel in dem Ausmaß, wie KBV und Kammern ihn beschreiben, wurde auch von den Medizinischen Fakultäten bestritten. Sie legten eine neue Auswertung der Statistik über Studienabbrecher vor.

[07.12.2010, 16:10:46]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Enthüllte Wikileaks die AOK-Vorstandspläne?
Ich wusste gar nicht, dass WIKILEAKS neben entlarvenden Äußerungen der US-Diplomatie auch Abwegiges und Abseitiges aus der AOK-Suppenküche verbreitet:

Herr Dr. Herbert Reichelt, Sie wollen doch nicht allen Ernstes gähnend leere Innenstadt- und Zentrumspraxen mit Geld aus ihrer offensichtlich übervollen "Gesundheitskasse" aufkaufen und abfinden. Um in ländlichen Unterversorgungsgebieten neue Praxen aufzumachen, die dann mit der AOK genehmen, willfährigen und dienstfertigen Ärztinnen und Ärzten besetzt werden sollen. Finanztechnisch "leakt" Ihr Nullsummenspiel. Abkauf, Abfindung der "überflüssigen" Stadtpraxis, Errichtung und Unterhaltung der Landarztpraxis in Problembezirken, soll von den eingesparten Arzthonoraren ausgeglichen finanziert werden?

Unser hausärztliches Regelleistungsvolumen in Westfalen-Lippe pro Patient und pro Quartal (3 Monate!!!) würden Sie doch nicht mal als Netto-Stundenlohn akzeptieren.

Mit freundlichen Grüßen, Dr. med. T. G. Schätzler, FAfAM in Dortmund

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[07.12.2010, 13:13:13]
Dr. Joachim Malinowski 
Unglaublich, aber doch wahr....
Ich finde es einfach nur noch unglaublich, wie man sich öffentlich hinstellen kann und entgegen aller Fakten einfach das Gegenteil behauptet bzgl. des Ärztemangels.
In der Psychotherapie nennt man diesen Abwehrmechanismus "Leugnung".

In meinem Arbeitsumfeld sind einige Arztstgellen schon seit langem nicht mehr besetzbar. Das ist die Realität vor Ort. Das Ärzteblatt mit den Stellenanzeigen spricht ebenfalls eine Sprache in diese Richtung. Der Stellenanzeigenteil ist seit Jahren dicker als das eigentliche Ärzteblatt.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
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[07.12.2010, 11:36:58]
Dr. Anne Albus 
das ist versuchte Anstiftung zur Untreue!
Herrn Galan kann insgesamt nur zugestimmt werden: Als Landärztin in einer Einzelpraxis für Allgemeinmedizin in einer Kleinstadt mit ca.12.0000 EW komme ich vor Arbeit um: was soll da eine "Gemeindeschwester" helfen (wie in der Welt von Herrn Reichelt vorgeschlagen)? Medizinische Versorgung durch richtige Ärzte demnächst nur noch in der Stadt, für die Bauern reicht eine Versorgung à la DDR?

Und zum Vorschlag, Kassensitze in Ballungszentren aufzukaufen: die Landärzte sind schon längst kalt enteignet, da sich Praxen nicht mehr verkaufen lassen; man wäre doch schon froh, wenn sie verschenkt werden könnten, damit wenigstens ein Arzt künfig für die Patienten zur Verfügung steht und die Arbeitsplätze der Helferinnen nicht wegfallen, aber es findet sich sogar hierfür niemand! Und dann sollen den Kollegen in den Städten die Praxen auf Kosten aller Ärzte, also auch der Landärzte, abgekauft werden, um im Fall, dass der Kassenarztsitz nicht neu vergeben wird, die Erwartung auf eine Altersversorgung durch Praxisverkauf nicht enttäuscht wird? Was Herr Reichelt hier betreibt, ist versuchte Anstiftung zur Untreue!!!!!!! Was eine zweckentsprechende Mittelverwendung ist, hat er als Vorstand des AOK-Bundesverbandes bislang offenbar noch nicht gelernt! zum Beitrag »
[06.12.2010, 18:26:32]
Dr. Juraj Galan 
Vielen Dank Herr Reichelt!
Mit großer Freude habe ich Ihre Aussagen gelesen und bin jetzt sicher, dass Sie meine (möglicherweise nur eingebildeten?) Probleme werden lösen können.
Ich habe eine hausärztliche Praxis in der reizvollen Stadt Mainz und schaffe die anfallende Arbeit trotz einer Assistentin kaum noch. Mehrere Annoncen haben trotz guter angebotener Bezahlung keine weitere Kollegen anlocken können. Bitte helfen Sie mir! Bringen Sie mir bitte die vielen Ärzte die nur darauf warten hier zu arbeiten, die ich bisher wahrscheinlich nur aus Dummheit übersehen habe.
Das Ärzteblatt besteht ja auch fast nur noch aus Stellenangeboten, es sind deutlich mehr, als früher. Bitte helfen Sie auch dort den vielen schon verzweifelt nach Ärzten suchenden Kliniken mit Ihrem großen Wissen und Ihrem Überblick und schaffen Sie Abhilfe. Vielen Dank dafür im voraus.
Mensch bin ich jetzt erleichtert, dass dieser ganze Ärztemangel nur eine Einbildung, ein Albtraum war... Danke Herr Reichelt! zum Beitrag »
[06.12.2010, 16:43:02]
Wolfgang Mehlen 
Über- und unterversorgte Bezirke
Ich habe da einen anderen Vorschlag
Die Zahl der Krankenkassen in Deutschland wird von mehreren Hundert auf sechzehn (eine für jedes Bundesland) reduziert!
Das reduziert die Zahl der saturierten Sprücheklopfer (Chefs der Krankenkassen) schon sehr deutlich und spart Geld
W.Mehlen zum Beitrag »
[06.12.2010, 15:51:57]
Dr. Hans-Joachim Willenbrink 
Über- und unterversorgte Bezirke
Selbst wenn es in einigen Bereichen und Regionen Deutschlands eine sog. Überversorgung gibt, so ist mir nicht klar, warum dann über jahrzente hinweg die Anzahl der Kassenarztsitze immer festgelegt war.

Woran wird denn jetzt der Bedarf festgemacht ? Die Anzahl schwerkranker, chronischer Patienten ist doch nicht geringer geworden. Es ist doch eher davon auszugehen, dass sie aufgrund des Alters und der Co-Morbiditäten steigen wird.

Eine Alternative wäre doch, dass sich mehrere Ärzte zusammenschließen und gemeinsam einen Kassenarztsitz in einer unterversorgten Region übernehmen. Ärzte, die bspw. die Altersgrenze erreicht haben und weiterarbeiten wollen.

So könnten sich 3 Ärzte zusammentun, jeder fährt für 2 Tage in die entlegene Praxis und gut ist es.

Voraussetzung ist allerdings, dass bürokratische Beschäftigungstherapien abgebaut werden und eine Umsatzgarantie gewährt wird. Für diesen Sitz. zum Beitrag »

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