Ärzte Zeitung, 05.04.2011

Kassen monieren zu kurze Öffnung der Praxen

Ärzte: Vorwurf ist "reine Stimmungsmache"

BERLIN (sun/af). Die Bundesärztekammer (BÄK) hat den Vorwurf der Kassen, die niedergelassenen Ärzte arbeiteten zu wenig, als "reine Stimmungsmache" zurückgewiesen.

Kassen monieren zu kurze Öffnung der Praxen

Zankapfel Öffnungszeiten - sind sie der Grund für lange Wartezeiten?

© Michaela Illian / Stephan Thomaier

Niedergelassene Haus- und Fachärzte hielten ihre Praxen im Schnitt nur 28,5 Stunden in der Woche geöffnet, verbreitete der GKV-Spitzenverband am Montag. Dies hatte das Marktforschungsinstitut "Forsa" im Auftrag der Kassen in einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2009 ermittelt. Das sei eine Erklärung für längere Wartezeiten und den von der Ärzteseite angenommenen Ärztemangel, kommentierte ein Kassensprecher die Meldung.

Nach Ansicht der BÄK verkennt der GKV-Spitzenverband "die Realität". "30 Prozent der Zeit wird von Bürokratie aufgefressen", sagte BÄK-Vize Dr. Frank Ulrich Montgomery der "Ärzte Zeitung". Die Sprechstundenzeiten hätten nichts damit zu tun, "wie lange ein Arzt tatsächlich in der Praxis anwesend ist".

Auf 51 Wochenarbeitsstunden bei Ärzten kommt der Erweiterte Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen. Davon umfassten 44,6 Stunden patientenunmittelbare Tätigkeiten - darunter auch die Zeiten, in denen sich Ärzte mit Befundungen befassen. "Ärzte hätten gerne mehr Zeit für ihre Patienten", so KBV-Chef Dr. Andreas Köhler.

Ärzte arbeiteten 10,6 Stunden jeden Tag, reagierte der NAV-Virchow-Bund auf die Anwürfe der Kassen. Dies habe die Burn-out-Umfrage der Brendan-Schmittmann-Stiftung ergeben. Kopfschütteln auch beim Hartmannbund: Jeder Patient wisse, dass der Arzt arbeite, bis der letzte Patient im Wartezimmer behandelt worden sei - auch nach Ende der offiziellen Sprechzeit.

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Rechenspiele ohne Realitätsbezug

[05.04.2011, 15:39:28]
Dr. Cornelia Karopka 
Danke Herr Kollege
Vielen Dank Herr Kollege Schätzler.

Da wird es doch Frau Pfeiffer freuen, wenn wir ab Juli für die AKR täglich eine Stunde Arbeitszeit locker drauflegen und ganz und gar kostenneutral für unsere Krankenkassen, wo wir doch so faul sind als Hausärzte. (Ironiemodus aus)


Den Berliner Tatort vom 3.4. sollte jeder Kassenfunktionär und Politiker als Weiterbildung ansehen müssen! zum Beitrag »
[05.04.2011, 11:38:30]
Dr. Zlatko Prister 
kassen sollen ihre mitglieder disziplinieren
rentner, arbeitslose und krankgeschriebene
die krankenkassen sollten erst ihre versicherten dazu erziehen zum anfang der sprechzeiten den arzt aufzusuchen. 30 stunden wöchentlich sind für eine hausarztpraxis absolut ausreichend.
wenn es drausen kalt ist oder wenn es regnet oder schneit kommt keiner um acht in die praxis. bis elf wärmt man sich erst auf.
rentner kommen grundsätzlich erst nach dem einkauf, in der regel 5 vor 12 obwohl sie schon seit 5 uhr in der früh wach sind.
junge leute und krankgeschriebene verlangen termine oder wollen ihre krankmeldung mittwochs nachmittag verlängern oder sie wundern sich wenn sie mal 5 nach 5 vor verschlossener praxistür stehen.

also krankenkassen: erziehen sie ihre versicherten wie ich meine patienten erzogen habe.

freundlicher hausarzt in seiner papierlosen arztpraxis
dr. z. prister
www.prister.de zum Beitrag »
[05.04.2011, 09:04:39]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Zu "Öffnungszeiten" fragen Sie bitte Ihren Arzt persönlich!
Da hätte Frau Pfeiffer vom Spitzenverband der GKV-Kassen nicht die Krankenkassenbeiträge von Versicherten u n d Arbeitgebern für teure FORSA-Umfragen zweckentfremden müssen! Sie hätte nur 3 Niedergelassene fragen müssen: Sprechstundenzeiten sind reine Öffnungszeiten der Vertragsarztpraxen. In dieser Kernzeit können Versicherte plan- und ziellos beliebige Haus- und Facharztpraxen entern und nach Lust und Laune in bekannter "All-You-can-eat"-Mentalität bzw. "Flatrate"-Manier Gesundheits- und Krankheitsdienstleistungen abgreifen.

Die echten Behandlungszeiten, der Tätigkeitsaufwand des Arztes u n d die
z. T. übermenschlichen Leistungen des Praxispersonals, bei diesem Anspruchs- und Vollversorgungschaos der Patienten Ruhe, Struktur und Übersicht zu bewahren, wurden in der FORSA-Umfrage gar nicht erfasst.

Und liebe Verbandsfunktionäre, GKV-, BÄK-, KBV-, KV-, Politikbürokraten und Verwaltungshengste, bevor Ihr ärztliche Arbeit, Versorgungsauftrag und Realitäten diskutiert, schaut Euch um Gottes Willen wenigsten Ärzte-Soaps an. Wenn Ihr "Emergency-Room" für intellektuell zu anspruchsvoll haltet, Praxis Bülowbogen, Der Landarzt, Scrubs oder der jüngste Berliner Tatort täten es auch. Man muss allerdings die Subtexte verstehen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM DO zum Beitrag »

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