Ärzte Zeitung, 05.04.2011

Der Barmer GEK steht künftig ein Arzt vor

Von der Techniker Kasse zum Rhön Klinikum - und wieder zurück zur größten Kasse. Mit Christoph Straub steht der Barmer GEK künftig ein Manager vor, der weiter auf Versorgungssteuerung und -qualität setzt.

Von Ilse Schlingensiepen

Der Barmer GEK steht künftig ein Arzt vor

Wegbegleiter beschreiben ihn als klug und kommunikativ: Dr. Christoph Straub.

© Dirk Schnack

KÖLN. Jetzt wird Dr. Christoph Straub doch Krankenkassenchef und dazu noch ein ganz Besonderer: Er wird als erster Arzt an der Spitze einer großen Versorgerkasse stehen.

Noch ist es nicht offiziell, aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Straub Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK wird.

Bevor Straub Anfang 2009 in den Vorstand der Rhön Klinikum AG wechselte, war er Vize der Techniker Krankenkasse und galt als designierter Nachfolger von TK-Chef Professor Norbert Klusen.

Wenn er im Sommer seinen 50-jährigen Geburtstag feiert, soll Straub schon die Nachfolge von Birgit Fischer bei der Barmer GEK angetreten haben, die am 1. Mai als Hauptgeschäftsführerin zum Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller geht.

Brancheninsider gehen davon aus, dass er bei der Kasse einen Schwerpunkt auf die Qualität der Versorgung legen und damit den von Fischer eingeschlagenen Kurs fortsetzen wird.

"Die Gestaltung der Versorgung ist seine Herzensangelegenheit", sagt ein Insider. Die Betriebswirtschaft und das Verwaltungsmanagement stünden dagegen nicht oben auf seiner Prioritätenliste. "Der große Sanierer ist er nicht."

Der Arzt, der in Heidelberg und in den USA Medizin studiert hat, kennt sich gut aus im deutschen Krankenkassenwesen.

Von 1994 bis 2000 arbeitete er beim Verband der Angestellten-Krankenkassen, ab 1996 als Leiter des Bereichs "Grundsatzfragen der medizinischen Gesundheitswissenschaften". Dann ging er als Leiter der Unternehmensentwicklung zur TK und wurde Anfang 2003 Vorstand.

Gemeinsam mit TK-Chef Norbert Klusen hat Straub "Atriomed" auf den Weg gebracht, das Modell der eng mit der Kasse kooperierenden Medizinischen Versorgungszentren.

Mit dem Konzept hat die TK Neuland betreten, bei der Auswahl der Betreibergesellschaft allerdings kein großes Geschick bewiesen.

Bei Rhön gehört der Ausbau des ambulanten Engagements des privaten Klinikbetreibers zu seinen Aufgaben, auch dort spielen MVZ wieder eine große Rolle. Branchenkenner erwarten, dass er das Thema auch bei der Barmer GEK weiter verfolgen wird.

Straub könnte beim zentralistisch ausgerichteten Kassen-Marktführer nach Einschätzung eines Branchenkenners für weitere Impulse sorgen. Er sei überzeugt, dass Versorgung regional gestaltet werden muss und setze auf regionale Kompetenz. "Straub ist ein teamorientierter Arbeiter", sagt er.

Der dreifache Vater ist ein guter und überzeugender Redner - auch wenn der gebürtige Stuttgarter seinen schwäbischen Akzent nie abgelegt hat. Viele, die beruflich mit ihm zu tun hatten, schätzen ihn. "Es ist klug, zuverlässig und sehr kommunikativ", sagt ein Wegbegleiter.

Straub hat sich zwar vor Jahren gegen die Arbeit in der Patientenversorgung entschieden. Aber: "Wenn es hart auf hart kommt, besinnt er sich immer darauf, dass er Arzt ist."

[05.04.2011, 15:28:01]
Helmut Karsch 
Wie gewinnt man Marktanteile?
Zur Person muß zunächst nichts gesagt werden, wohl aber zu seinen Auftraggebern.
Die ATRIO-MED Kooperation mit der TK ist beendet
An den Standorten Hamburg, Köln, Leipzig und München bestand bis zum 30. September 2010 eine Kooperation zwischen der TK und vier medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Diese Verträge unter dem Namen ATRIO-MED sind nun beendet.Staatanwaltschaften ermittelten/ermitteln.
Ob die Rhöngruppe, analog zum Modell der Industrie mit Leihbeamten in den Ministerien, einen dann "zufälligen Vorteil" bei der Vertragsgestaltung in der ambulanten und stationären Versorgung erwartet oder erwarten darf, wird eine spannende Frage für die Zukunft sein.

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