Ärzte Zeitung, 25.04.2011

Kassen wollen Zulassung nur noch auf Zeit

Arztsitze sollen künftig nicht mehr verkauft oder vererbt werden dürfen, Kliniken sollen gestärkt werden

BERLIN (chb/dpa). Neue Vorschläge des GKV-Spitzenverbandes dürften bei niedergelassenen Ärzten für wenig nachösterliche Freude sorgen. Die Kassen schlagen vor, Kliniken bei der ambulanten Leistungserbringung zu stärken und wollen Kassenarztzulassungen nur noch auf Zeit vergeben.

Kassen wollen Zulassung nur noch auf Zeit

Wert ohne Wert? Ohne Kassenarztsitz sind Praxen wohl kaum zu verkaufen.

© Gentsch / dpa

In einem Eckpunktepapier kritisiert der Spitzenverband, dass Kliniken und Vertragsärzte immer noch oft nebeneinanderherarbeiten. "Die ambulante Versorgung durch Krankenhäuser findet derzeit ohne erkennbare Abstimmung mit der Versorgung durch spezialisierte, niedergelassene Ärzte statt", heißt es.

"Der Rechtsrahmen ist zersplittert, widersprüchlich und besteht aus mehr als einem Dutzend von Einzelregelungen." Das wollen die Kassen dauerhaft geändert sehen. Sie fordern eine Ärzte- und Versorgungsplanung, die Hausärzte, Fachärzte und zum Beispiel ambulante Operationen von Kliniken gleichermaßen umfasst.

Im Kampf gegen den immer akuter werdenden Ärztemangel in manchen Regionen schlägt der Spitzenverband vor, Zulassungen für eine Vertragsarztpraxis künftig nur noch auf Zeit zu vergeben. Mit der jetzigen Regelung, nach der niedergelassene Ärzte ihren Arztsitz am Ende ihres Berufslebens verkaufen oder vererben können, würde "Überversorgung konserviert und Strukturwandel verhindert", so die Kassen.

Die Zulassung solle erlöschen, wenn sich ein Arzt zur Ruhe setze. So solle die hohe Zahl der Arztsitze in Städten gesenkt werden. Diese Regelungen sollten aber nicht rückwirkend gelten. "Wir wollen niemanden enteignen", heißt es dazu beim Spitzenverband.

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Krankenkassen (16601)
[25.04.2011, 22:15:24]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
GKV-Spitzenverband - Elefant im Porzellanladen!
Beim "Nebeneinanderher Arbeiten", lieber GKV-Spitzenverband mit Frau Doris Pfeiffer an der Spitze, sollten die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-KK) erst vor ihrer e i g e n e n Türe kehren. Denn diese selbst regulieren in ihren Problemzonen der ambulanten und stationären Belange ihrer Versicherten z. B. im AU-Krankengeld, Leistungs-, Präventiv- und REHA-Bereich Alles "ohne erkennbare Abstimmung mit der Versorgung durch spezialisierte, niedergelassene Ärzte".

Widersprüchliche und konträre MDK-Gutachten werden entweder sklavisch in entgegengesetzten Richtungen befolgt oder bei "ungewünschter" Leistungsgewährung durch schikanöses Verwaltungshandeln konterkariert. Telefonische Zusagen der GKV-KK eigenen "Callcenter" werden nicht eingehalten. AU-Bescheinigungen, Formulare, Dokumente gehen in der Bürokratie verloren. MUKI-Kuranträge werden bei über einem Drittel der Rat- und Hilfesuchenden substanzlos abgelehnt. Anfragen wegen zu langer AU oder Krankengeld missachten Datenschutz und Patientenrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Von uns Ärztinnen und Ärzten wird die Gabe der Prophetie bei Gesundheit, Krankheit, Chronizität und/oder Behinderungen verlangt ("wird der Versicherte nach Ablauf von 6 Monaten mindestens über 2-3 Stunden tgl. arbeitsfähig für mittelschwere Arbeiten sein?").

Im Präventivbereich werden die Versicherten mit Bonusheften der GKV-KK zugeschüttet, die der 'Doc' dann gefälligst am Anmeldetresen kostenfrei auszufüllen hat. Der Versicherte bekommt dann dafür ein ganzes Jahres-Regelleistungsvolumen (RLV) von seiner Kasse eingetütet, während sein Hausarzt bei sinkendem Punktwert, unsicherem RLV und nach oben offener Inanspruchnahme Mentalität in die Röhre schaut?

Dann der Gipfel: "Zulassung auf Zeit"??? Warum nicht konsequent vertragsärztliche Tätigkeit gleich nur noch mit Zeit- und Leiharbeitsverträgen regeln?? Die niedergelassenen Ärzte sind doch eh' gewohnt, etwa ein Drittel ihrer Leistungen bevorzugt zum Quartalsende für "lau" zu erbringen, weil der Fallwert nicht der geleisteten Arbeit am und mit Patienten entspricht. "Leihmutter" für diese Art von ärztlicher Leiharbeit wäre dann der GKV-Spitzenverband, "Leihväter" wären die einzelnen KVen? Das war doch nicht etwa Alles vom GKV-Spitzenverband?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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