Ärzte Zeitung, 17.10.2011

BKK Essanelle eröffnet Kampf um Versicherte der BKK Heilberufe

KÖLN (iss). Noch ist die Schließung der BKK für Heilberufe nicht amtlich, doch die Wettbewerber stehen schon in den Startlöchern. Die BKK Essanelle ist in die Offensive gegangen und versucht bereits gezielt, Mitglieder der Schwester-Betriebskrankenkasse zu gewinnen.

BKK Essanelle eröffnet Kampf um Versicherte der BKK Heilberufe

Die BKK Essanelle will möglichst viele Mitglieder der BKK für Heilberufe von den eigenen Vorzügen überzeugen.

© bkk essanelle

Beide Krankenkassen sind in Düsseldorf ansässig. Die BKK Essanelle hat in der "Rheinischen Post" eine große Anzeige geschaltet.

Sowohl mit üblichen Werbemotiven als auch mit scheinbar journalistischen Texten will die BKK Essanelle möglichst viele der 80.000 Mitglieder der Betriebskrankenkasse für Heilberufe von den eigenen Vorzügen überzeugen.

Sie lockt etwa mit dem Versprechen "Wir verlosen unter den ersten 100 Neuanmeldungen ein iPad2". Der Preis ist gestiftet und nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, betont die Krankenkasse in der Anzeige.

Ein neuer Mitarbeiter pro 500 Mitglieder

In einem Interview stellt Alleinvorstand Guido Frings zudem in Aussicht, dass die BKK Essanelle jeweils für 500 ehemalige Mitglieder der Betriebskrankenkasse für Heilberufe einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der Kasse einstellen wird.

"Das ist kein Marketing-Gag, sondern wir wollen den Mitarbeitern eine neue Heimat bieten", sagte Frings der "Ärzte Zeitung". Die Anzeige sei eine einmalige Maßnahme gewesen, sagt er. "Wir wollten die Versicherten beruhigen und klar machen, dass wir keine Wechselwilligen abwimmeln werden."

Das haben auch schon andere Krankenkassen versprochen - sie alle haben das für die gesamte Gesetzliche Krankenversicherung image-schädigende Beispiel des Umgangs mit manchen Versicherten der City BKK vor Augen.

Möglichst viele Mitglieder im BKK-Lager halten

Es sei auch ein Anliegen seiner Kasse, nach der Schließung der BKK für Heilberufe möglichst viele Mitglieder im Lager der Betriebskrankenkassen zu halten, sagt Frings.

Von den Mitgliedern der City BKK, die durch die Schließung gezwungen waren, sich eine neue Kasse zu suchen, hatten sich nur elf Prozent entschieden, zu einer anderen Betriebskrankenkasse zu gehen.

Konkurrenz ist skeptisch

Andere Krankenkassen sehen das Vorgehen der BKK Essanelle skeptisch. "Das ist stillos und grenzt an Leichenfledderei", ärgert sich ein Vorstand.

Wenn man an einem ordnungsgemäßen Schließungsverfahren der Kasse interessiert sei, könne man das auch geräuschloser machen, sagt er.

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[18.10.2011, 16:16:32]
Helmut Eumann 
Ganz so marktgerecht ist es nicht
Die Verwaltungskosten einer Krankenkasse sind für ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht von Bedeutung, so ärgerlich hohe Personaldecken oder übertrieben hohe Vorstandsgehälter auch sein mögen.

Ausschließlich der Gesundheitsfonds in Verbindung mit dem in weiten Teilen willkürlich gestrickten Risikostrukrurausgleich ist für die Mieseren der City BKK und der BKK für Heilberufe verantwortlich. Freien Markt vorausgesetzt wären die Betriebskrankenkassen nach deren Öffnung aufgrund horrender Preisunterschiede explodiert und das marode AOK-System einschließlich der Ersatzkassentanker in Staub und Asche versunken.

Was der Gesetzgeber wirklich will, ist eine "Handvoll" Krankenkassen, die er dann im wahrsten Sinne des Wortes in seiner Hand halten und nach belieben über den Gesundheitsfond Gelder ins System bald hier und bald dort verteilen kann wie die Mutter die Süßigkeiten an liebe Kinder - von Marktregularien sind wir jedenfalls weiter entfernt als je zuvor. zum Beitrag »
[18.10.2011, 15:41:30]
Dr. Birgit Bauer 
Na endlich Markt !
Eigentlich komisch, wenn gerade die Menschen ,die immer die marktwirtschaftliche Strukturen im Gesundheitswesen wollten, jetzt erschrecken welche Auswirkungen das hat.Damit das jahrelange lamentieren über gewollte Strukturbereinigung abgekürzt wird empfehle ich Abschaffung der Auffangnetzte zwischen den Kassen. Dann haben wir bald nur noch die wirklich leistungsfähigen markttauglichen und viel weniger kostenintensive Personalstellen, die von Beitragsgeldern zu finanzieren sind.
Nur Mut, die Patienten werden es danken !
M.f.G.B.Bauer zum Beitrag »

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