Ärzte Zeitung, 29.11.2011

Arzneien günstiger als Zuckerpastillen

Der Streit zwischen Kassen und Generikaherstellern um Rabattverträge spitzt sich zu. CSU-Politiker Johannes Singhammer mahnt derweil zur Ruhe: Der Wettbewerb sei schwierig, biete aber Chancen.

Von Sunna Gieseke

Fluch oder Segen? Streit um Rabatte für Arzneimittel geht in die nächste Runde

CSU-Politiker Johannes Singhammer: "Einsparungen kommen Versicherten zugute."

© CSU

BERLIN. Während sich die AOK über ihre Rabattverträge und die damit verbundenen Einsparungen von mehr als 600 Millionen Euro freut, gehen die Generikahersteller finanziell in die Knie.

Das hat Pro Generika-Geschäftsführer Wolfgang Späth anlässlich des 10. Berliner Dialogs in Berlin kritisiert. "Die Preise für die Wirkstoffe sind inzwischen so niedrig, dass dieses System nur instabil sein kann", betonte Späth.

Diese seien inzwischen niedriger, als "Zuckerpastillen an der Tankstelle". Langfristig werde das System brechen, prognostizierte Späth: "Für die Ware, die wir liefern, bekommen wir nichts mehr."

Daher lohnten sich auch kaum noch Investitionen: Der Wettbewerb auf dieser Preisebene sei "ruinös" für die Generikahersteller.

Singhammer: Neue Arzneistoffe warten

CSU-Politiker Johannes Singhammer mahnte zur Ruhe: Der Wettbewerb sei zwar schwierig, aber er biete auch Chancen. Immerhin würden in den kommenden zwei Jahren 41 Patente auslaufen.

Das entspricht nach Angaben von Pro Generika einem Umsatzvolumen von drei Milliarden Euro. Aber natürlich müsse, so Singhammer, der Wettbewerb auch gepflegt werden: Eine "Schräglage" sei von der Politik nicht gewünscht.

Die Sorgen der Generikahersteller nehme die Koalition durchaus ernst: "Wir beobachten den Markt intensiv." Doch die Einsparungen kämen direkt den Versicherten zugute.

AOK Nordost-Chef Harald Möhlmann warnte davor, die Zeit vor den Rabattverträgen zu verherrlichen. Auch damals habe es Verlierer im Wettbewerb gegeben.

IGES: Kassen könnten noch mehr sparen

Kleinere Generikahersteller hätten kaum Chancen gehabt, sich gegen die Großen, die mehr Möglichkeiten für Marketing gehabt hätten, am Markt durchzusetzen.

Zudem seien Ausschreibungen ein "normales" Wettbewerbsinstrument, von dem sich niemand bedroht fühlen müsse. Diese öffneten eben auch den Markt für kleinere Unternehmen.

IGES-Geschäftsführer Dr. Martin Albrecht betonte, dass die Kassen jedoch weitere Einsparmöglichkeiten verschenkten - und zwar in Höhe von 655 Millionen Euro.

Die Kassen verlören Geld, wenn sie Rabattverträge mit Erstanbietern über den Patentablauf hinaus verlängerten. Pro Generika fordert daher seit Längerem nach Patentablauf eine zweijährige vertragsfreie Wettbewerbsphase.

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