Psychisch krank - jedes vierte Kind ambulant behandelt

Der neue Gesundheitsbericht der AOK Plus zeigt: Psychische Leiden sind auf dem Vormarsch - vor allem die Zahl der behandelten Kinder wächst stark. Für die AOK Plus sind die Daten "unfassbar".

Veröffentlicht:
Immer mehr Kinder sind laut AOK Plus psychisch krank und müssen deshalb behandelt werden.

Immer mehr Kinder sind laut AOK Plus psychisch krank und müssen deshalb behandelt werden.

© Alberto Cano García - Fotolia.com

DRESDEN (tt). In Sachsen leiden immer mehr Kinder unter psychischen Erkrankungen. Das zeigt eine Auswertung der sächsischen AOK Plus, die in Dresden ihren Gesundheitsbericht für 2011 vorgestellt hat.

Demnach gibt es eine auffällige Zunahme der Erkrankungen, inzwischen sei jedes vierte versicherte Kind deswegen in ambulanter Behandlung.

Rolf Steinbronn, Vorstandsvorsitzender der Kasse, bezeichnete diese Zahl als "schier unfassbar". Die AOK Plus versichert im Freistaat mehr als jeden zweiten gesetzlich Versicherten.

Ein Grund für die Zunahme der Erkrankungen ist oft Übergewicht bei Kindern, interpretierte Dr. Peter Schwarz, Professor für Prävention und Versorgung des Diabetes an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, die Zahlen.

So würden übergewichtige Kinder häufiger gehänselt, was zu Unsicherheit und mangelndem Selbstbewusstsein führen könne. Schwarz plädierte für Präventionsprogramme, die möglichst früh beginnen.

Psychische Leiden auf Platz eins

Auch bei Erwachsenen nimmt die Zahl der Erkrankungsfälle zu. Im Vergleich zum Vorjahr sind in Sachsen die Ausfalltage bei fast allen Erkrankungsarten zurückgegangen - außer bei Infektionen und psychischen Erkrankungen.

Jeder zehnte Ausfalltag in Sachsen hat seine Ursache in psychischen Leiden. Die meisten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, nämlich 22 Prozent, wurden 2011 wegen Muskel- und Skeletterkrankungen ausgestellt.

Es folgen Atemwegserkrankungen mit 14 und Verletzungen mit 13 Prozent. Das ist die gleiche Reihenfolge von Ursachen für AU-Tage wie im Vorjahr.

Positiv fällt für die AOK Plus ins Gewicht, dass der Krankenstand in Sachsen im Vergleich zu 2010 von von 4,6 auf 4,2 Prozent gesunken ist - der niedrigste Wert im Bundesvergleich.

Nur bayerische AOK-Versicherte melden sich genauso selten krank wie die Sachsen, beide Länder liegen 0,5 Prozentpunkte unter dem Bundesschnitt.

Jedes sächsische AOK-Mitglied war 2011 damit demnach durchschnittlich 15,3 Tage arbeitsunfähig geschrieben, und damit fast zwei Tage weniger als 2010. Damals hatte die die AOK noch 16,7 Tage Krankheitstage pro Versicherten verzeichnet.

Mehr Aufmerksamkeit auf psychische Erkrankungen

Steinbronn legte Wert darauf, die Zahlen vorsichtig zu interpretieren. Er verwies dazu auf das sinkende Durchschnittsalter der AOK-Versicherten. Außerdem habe es im vergangenen Jahr im Freistaat keine große Grippewelle gegeben.

Die Kasse will nach eigenen Angaben psychischen Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit widmen. Es gehe auch darum, der Wirtschaft Ausfälle "in Milliardenhöhe" zu ersparen.

Steinbronn verwies auf das Programm "Psyche Aktiv", das seit Jahresbeginn zusammen mit der KV angeboten wird. Es wendet sich an Versicherte, die unter anderem an Depressionen oder Schizophrenie erkrankt sind.

247 Hausärzte und 16 Fachärzte nehmen teil, den bis jetzt 371 Patienten wird ein Netz angeboten, das einen nahtlosen Übergang von der Klinik in die Praxis sicherstellen soll.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gemeinsame Petition

Recht auf Gesundheit soll ins Grundgesetz

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

Differenzialdiagnosen im Blick

Hängendes Augenlid – Schauen Sie auch auf die Pupillen!

Lesetipps
Symbol für Augenspülung und Notfall-Augenspülvorrichtung für Chemieunfälle.

© navintar / stock.adobe.com

Neue S1-Leitlinie

Verätzung am Auge: Erst spülen, und dann?

Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist