Ärzte Zeitung online, 31.10.2012

Schwere Vorwürfe

Wollte KKH-Allianz teure Versicherte loswerden?

Die KKH-Allianz am Pranger: In einem TV-Bericht erheben schwer kranke Versicherte heftige Vorwürfe und behaupten, die Kasse habe versucht, sie aus der Versicherung zu drängen. Die KKH kündigt eine interne Prüfung an.

Wollte KKH Allianz teure Versicherte loswerden?

Unter Verdacht: Die KKH Allianz mit Sitz in Hannover.

© Emily Wabitsch / dpa

HANNOVER (cben). Das ZDF-Nachrichtenmagazin "Frontal 21" hat gegen die KKH-Allianz schwere Vorwürfe erhoben.

In einer am Dienstagabend ausgestrahlten Reportage berichten schwer kranke Versicherte der Kasse, ihnen sei telefonisch der Austritt nahe gelegt worden.

Der Vorstand der KKH hat eine Prüfung der Vorwürfe veranlasst, erklärt die Kasse in einem Schreiben.

KKH gibt sich als Wächterin fairer Verhältnisse

Vorstandsvorsitzender Ingo Kailuweit wollte sich am Mittwoch gegenüber der "Ärzte Zeitung" nicht zur Sache äußern, so ein Sprecher der KKH-Allianz.

Sollten die Vorwürfe zutreffen, hätte die KKH-Allianz ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Die Kasse hat einen eigenen Arbeitsbereich, der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen aufdecken soll.

Nun steht die Kasse als Wächterin fairer Verhältnisse im Gesundheitssystem möglicherweise selber mit dem Rücken zur Wand.

"Frontal 21" zitiert mehrere Patienten, denen der Austritt aus der Kasse offenbar angedient wurde. "Der Mann hat mir definitiv aufgrund meiner Krankheit und meiner Behinderung vorgeworfen: Juhnke - du bist zu teuer! Wir wollen dich nicht mehr!", berichtet in der Reportage der an den Rollstuhl gefesselte Michael Juhnke von einem Anrufer, der sich im Namen der KKH-Allianz bei ihm meldete.

Auch die Schlaganfallpatientin Heidi Steffens kommt zu Wort und berichtet von einem entsprechenden Telefonat. Ihr Fazit: "Ich war zu teuer. Eindeutig!"

"Geheimoperation"?

"Frontal 21" zitiert eine Mitarbeiterin der KKH-Allianz mit der Aussage, die Telefonate seien eine "Geheimoperation der KKH-Allianz" gewesen. Man habe zu teure Versicherte loswerden wollen.

"Die KKH-Allianz hat schwer Kranke und Pflegebedürftige systematisch aus der Krankenversicherung gedrängt", so die Mitarbeiterin in dem Bericht.

Laut "Frontal 21" hat sie als Belege Telefonprotokolle vorgelegt. "Danach hat die KKH-Allianz Hunderte ihrer Versicherten angerufen und vielen nahe gelegt, zu kündigen", heißt es in dem Bericht.

"Ziel der Telefonate war es, ausstehende Zusatzbeiträge einzuholen", kommentiert die KKH-Allianz den Fernsehbericht und erklärt, dass es "nicht Ziel unserer Telefonate war, Mitglieder zum Kassenwechsel zu bewegen".

Zu mündlichen Stellungnahmen war die KKH-Allianz bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (16134)
Organisationen
Allianz (1047)
[01.11.2012, 11:59:58]
Dieter Döring 
Wollte KKH Allianz teure Versicherte loswerden?
Ja, sie wollte. Auch schon von einigen Patienten ähnliches berichtet worden. Möchte mich aber nicht näher dazu äußern, da ich Angst vor einer Klage habe.
Das paßt aber zur Verlogenheitskultur des deutschen Gesundheitswesen.
Ich kann nur jeder jungen Kollegin oder Kollegen nur raten nach dem Studium, spätestens jedoch nach der Facharztausbildung, sich ein anderes Land für die Ausübung des Arztberufes zu suchen. Die Bürokratie und die Verlogenheit ist derart ausgeufert, dass sie alle Freude am Beruf des Hausarztes, bin es schon über 26 Jahre, nimmt.
Die Politiker sollten eingestehen, dass das unser Gesundheitssystem gescheiter ist und ein neues entwickeln. Man sollte eine Basisversorgung für alle Bürger, die durch eine geseztliche Krankenkasse oder die Steuern finanziert wird, bauen. Dazu soll sich dann jeder Bürger, der will, eine private Zusatzversorgung nehmen. Die gesamten Verwaltungs-kosten, die ja bei der gesetzlichen Krankenkasse schon bei 30% sind können dann eingespart werden und der Versicherte kann damit dann eine qualitativ bessere Versorgung bekommen. zum Beitrag »
[31.10.2012, 21:50:20]
Dipl.-Med Wolfgang Meyer 
Es würde mich nicht wundern!
In einer Zeit, wo GKV-Patienten von Kassensachbearbeitern eingeschüchtert werden, wo es sogar Aufforderungen gibt, doch endlich ein Arbeitsverhält-
nis zu kündigen, damit sich die Krankenkasse aus der Krankengeldzahlungs-
verpflichtung stehlen kann, und in der Langzeitkranke zu Wiedereingliede-
rungen gedrängt werden, ohne den behandelnden Arzt zu hören, dabei sogar
wissentlich die Unwahrheit zu Papier gebracht wird, im konkreten Fall so-
gar am MDK vorbei, würde mich diese Realität nicht wundern, halte ich so eine Vorgehensweise sogar für höchstwahrscheinlich! Ärzte als auch Patien-
ten sind aufgerufen, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Morgen trifft es die, welche heute die Augen davor verschließen! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »