Ärzte Zeitung, 16.11.2012

PKV

Stabile Beiträge angekündigt

Keine großen Beitragserhöhungen für Privatversicherte, lässt der PKV-Verband verlauten. Bei den neuen Unisextarifen müssen Männer aber tiefer in die Tasche greifen - und für Frauen wird es wohl auch nicht billiger.

Von Ilse Schlingensiepen

Stabile Beiträge angekündigt

Die neue Unisextarife bringen für Frauen laut Angaben der Hallesche wohl keine Ersparnis.

© ARCO IMAGES / imago

STUTTGART. In der privaten Krankenversicherung (PKV) drohen im kommenden Jahr keine massiven Beitragserhöhungen für Bestandskunden. Darauf machen Branchenvertreter aufmerksam.

"Nach allem, was wir aus den Versicherungsunternehmen hören, wird es 2013 in den großen Beständen der privaten Vollversicherung für viele Millionen Privatversicherte gar keine Erhöhung geben, oder nur sehr geringe Anpassungen im kleinen einstelligen Prozentbereich", sagte Stefan Reker, Geschäftsführer des PKV-Verbands.

Er reagierte auf einen Bericht von "Spiegel Online", nach dem auf Vollversicherte erneut starke Beitragserhöhungen zukommen und Neukunden künftig drastisch höhere Prämien bezahlen müssen.

"In dem Artikel werden Beiträge für zukünftige neue Unisex-Tarife mit vermeintlichen Beitragsanpassungen im Bestand auf eine absurde Art und Weise vermischt", kritisierte Reker.

Auch Dr. Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender des Alte Leipziger - Hallesche Konzerns hält den Bericht für fragwürdig. "Wir können diese Angaben nicht nachvollziehen", sagte er.

Die Hallesche selbst wird bei den Bestandskunden die Prämien in der Vollversicherung für 2013 im Schnitt um 6,5 Prozent erhöhen.

Männer zahlen deutlich mehr

Eins ist nach den Kalkulationen der Hallesche klar: Die neuen geschlechtsneutralen Tarife werden für Männer künftig deutlich teurer. Sie werden den Frauen aber anders als von vielen erwartet kaum Ersparnis bringen.

"Unisex wird sich bei den Frauen plus/minus Null auswirken", sagte Vorstand Wiltrud Pekarek. "Bei den Männern wird es bis zu 20 Prozent teurer."

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshof dürfen Versicherer bei der Kalkulation ihrer Tarife ab dem 21. Dezember 2012 bei neuen Verträgen nicht mehr nach dem Geschlecht der Kunden unterscheiden.

"Wir haben nie behauptet, dass Unisex für irgendwen günstig ist", sagte Botermann. Um spätere Beitragssprünge bei den Versicherten zu vermeiden, müssten die Krankenversicherer von Anfang an vorsichtig kalkulieren.

Das tut die Hallesche unter anderem, indem sie den Rechnungszins von 3,5 Prozent auf 2,5 Prozent absenkt. Das ist der Wert, mit dem das für die Alterungsrückstellungen angesparte Geld der Kunden mindestens verzinst wird. Er liegt seit Jahren unverändert bei 3,5 Prozent.

Da es für die PKV-Unternehmen angesichts der Lage auf den Kapitalmärkten immer schwieriger wird, den Wert zu bedienen, hält die Mehrheit der Branche eine Absenkung auf 2,75 Prozent für sinnvoll.

"Wer weiter mit 3,5 Prozent kalkuliert, der verkauft seinen Kunden von Anfang an eine Beitragserhöhung", sagte er.

Der Leistungsumfang soll steigen

Um eine höhere Beitragsstabilität zu erzielen, wird die Hallesche ab dem 21. Dezember mit 2,5 Prozent kalkulieren, sagte Botermann. "Die 0,25 Prozentpunkte weniger machen zwischen sechs und acht Euro im Monat aus."

Er geht davon aus, dass diese Größenordnung nicht viele Kunden beeinflussen wird. Mit dem Umstieg auf die neuen Tarife werde die Hallesche nicht nur die Preise erhöhen, sondern auch die Qualität verbessern, sagte Vorstand Pekarek.

 Der Versicherer wird in Bereichen wie der Psychotherapie und der Versorgung mit Hilfsmitteln den Leistungsumfang erhöhen und Bereiche in die Versicherungsbedingungen aufnehmen, die bislang den Versicherten zwar erstattet wurden, auf die sie aber keinen Anspruch hatten.

"Alle unsere Produkte erfüllen die Mindeststandards, die vom PKV-Verband empfohlen werden", kündigte sie an.

[16.11.2012, 14:41:23]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
PKV-Verband ohne Charisma - BÄK ohne Fortune!
Vom aktuellen DER SPIEGEL-Titel: "Charisma - Das Geheimnis der besonderen Ausstrahlung" ist beim PKV-Verband wenig zu spüren. Obwohl die SPIEGEL-Recherchen in Einzelfällen bei Neukunden Beitragserhöhungen von bis zu 41 Prozent ergaben, berichtet der PKV-Sprecher Stefan Reker über "sehr geringe Anpassungen im kleinen einstelligen Prozentbereich". Dass sich diese verniedlichende Sprachregelung eher auf plus 5,5 bis 9,9 % bezieht, wird klar, wenn die Alte Leipziger - Hallesche Krankenversicherung bei ihren Bestandskunden Prämienerhöhungen in der Vollversicherung für 2013 von durchschnittlich plus 6,5 Prozent ankündigt.

Besonders problematisch sind sogenannte "geschlossene Tarife", die keine neuen Versicherten als "Risikoverdünner" aufnehmen. In diesen steigt überproportional der Anteil älterer Versicherter mit höheren Krankheitsrisiken, was für höhere Kosten bzw. steigende Beiträge sorgt. Auch der PKV-Umgang mit den neuen Unisex-Tarifen ist alles andere als charismatisch. Diese Krankenversicherungsverträge müssten die bisher überhöhten Frauentarife a b s e n k e n und die Männertarife a n g l e i c h e n.

Und was macht der PKV-Verband? Ganz einfach, doppelten Reibach: Frauen zahlen nicht weniger und die Männer zahlen bis zu 20 Prozent mehr! Da halten wir als Ärztinnen und Ärzte mit unserer GOÄ honorarmäßig und existenzverleugnend dagegen. Die Gebührenordnung für Ärzte ist in
• ihrer Systematik auf dem Stand vom 16.4.1987 (BGBlatt, I, S. 1218)
• Ihr Punktwert ist in 29 Jahren (1983-2012) um 0,48 %/Jahr gestiegen
• Kalkulatorischer Punktwert 10 (1983) und zuletzt 11,4 Pfennige (1996)
• keine Preiserhöhung seit 1.1.2002 (Euro-Umstellung)

Da können wir nur, bei derzeit eingefrorenen Vertragsverhandlungen zwischen Dr. Volker Leienbach vom PKV-Bundesverband und der Honorarabteilung der Bundesärztekammer, unserer BÄK etwas mehr Charisma und eine entschiedene Performance bei ihrer Verhandlungsführung wünschen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund





 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »