Ärzte Zeitung, 20.11.2012

Zahlenbericht

Der PKV laufen Versicherte weg

2011 wuchs die Private Krankenversicherung, jetzt verliert sie Versicherte. Außerdem rechnet die PKV mit deutlich höheren Leistungsausgaben.

Von Ilse Schlingensiepen

Der PKV laufen Versicherte weg

KÖLN/BERLIN. Die privaten Krankenversicherer erwarten für das laufende Jahr eine Zunahme der Beitragseinnahmen um 3,4 Prozent auf 35,9 Milliarden Euro. Der Anstieg bei den Leistungsausgaben wird stärker ausfallen.

Hier geht der PKV-Verband von einem Plus von 4,8 Prozent auf 23,9 Milliarden Euro aus.

"Der Kostenanstieg bleibt somit auch 2012 deutlich über der allgemeinen Preissteigerung", schreibt Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach im PKV-Zahlenbericht 2011/2012.

Mehr als 15.000 Versicherte verließen die PKV

Während die PKV-Unternehmen im Jahr 2011 noch einen Zuwachs bei der Zahl der Vollversicherten um 80.900 auf 8,98 Millionen erzielen konnten, verzeichnete die Branche im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Rückgang um 15.300 Vollversicherte.

"Trotz dieses Negativwachstums im Neugeschäft bleibt der Wechsel-Saldo gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung positiv", sagte der scheidende Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft Rolf-Peter Hoenen vor Journalisten in Berlin.

Der Marktanteil der 43 Mitgliedsunternehmen des PKV-Verbands blieb verglichen mit dem ersten Halbjahr 2011 stabil bei 11,4 Prozent.

Die Zahl der Zusatzversicherungen nahm in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 86.300 auf 22,6 Millionen zu. Das war ein geringerer Zuwachs als ein Jahr zuvor, als die Versicherer noch 118.700 neue Policen absetzten.

Der PKV-Verband erklärt die Zurückhaltung damit, dass viele Kunden offenbar auf die neue Unisex-Tarifwelt warten. Ab dem 21. Dezember 2012 dürfen die Unternehmen nur noch geschlechtsneutrale Tarife anbieten.

6,7 Milliarden Euro für stationäre Leistungen

Im vergangenen Jahr erzielte die PKV nach den jetzt vorliegenden endgültigen Zahlen Beitragseinnahmen von 34,7 Milliarden Euro, das waren 4,2 Prozent mehr als 2010.

Von den gesamten Einnahmen entfielen 25,2 Milliarden Euro oder 72,6 Prozent auf die Vollversicherung.

Die Versicherungsleistungen inklusive der Schadensregulierungskosten legten um 3,9 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro zu. Für die ambulante Arztbehandlung gaben die Versicherer insgesamt 5,4 Milliarden Euro aus, das war eine Zunahme um 3,2 Prozent.

Die Ausgaben für Arzneien und Verbandmittel legten um 1,8 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Die Kosten für stationäre Leistungen beliefen sich auf 6,7 Milliarden Euro, das war ein Plus von 4,2 Prozent.

Ausgaben für ambulante Arztbehandlung nimmt pro Versicherten zu

Im Zahlenbericht weist der PKV-Verband darauf hin, dass der Ausgabenanstieg pro Versichertem im vergangenen Jahr mit 3,2 Prozent deutlich stärker ausfiel als 2010 mit 2,2 Prozent.

"Er liegt damit sowohl über der allgemeinen Preissteigerung als auch über der Ausgabensteigerung in der GKV."

Bei der ambulanten Arztbehandlung nahmen die Ausgaben pro Versichertem um 2,2 Prozent zu. Das sei gegenüber den 0,45 Prozent des Jahres 2010 eine starke Zunahme, so der Verband.

Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 849 Millionen Euro, das war eine Steigerung um 4,2 Prozent. Die Abschlussaufwendungen legten um 4,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu.

[20.11.2012, 11:14:21]
Dr. Karlheinz Bayer 
sucht Euch Kunden, liebe PKV!

Momentan befindet sich die medizinische Versorgung im Umbruch.
Die KBV verschickt über INFAS an alle 150.000 Mitglieder Briefe, in denen gefragt wird, ob wir uns in dem GKV-KV-System noch aufgehoben fühlen.

Hoppla!
Wenn ich in der Situation der "Programmdirektor" einer PKV wäre, würde ich jetzt und sofort kreative Angebote starten.

Angebote an die Patienten, daß sie auch nach einem kollektiven Austritt der bundesdeutschen Ärzte aus dem unwürdigen Budget-Regress-System, daß sich idiotischerweise Sicherstellungsauftrag nennt, eine Kasse finden, in der sie Leistungen, und zwar L e i s t u n g e n, und keine regressbedrohten Leistungen bekommen.

Angebote an die Ärzte, daß man die GOÄ so gestaltet, wie der EBM ist, aber nie angewandt wurde. Das hat der EBM mit den Artikeln des Grundgesetzes gemein. Mit HVM und DRG, Deckelung und Pauschalierung setzt man eine geniale Idee in den Sand. Ich hoffe, eine breite ärztliche Mehrheit stimmt dem zu und empfiehlt der KBV den kollektiven Ausstieg.

Denn dann würde sich etwas tun, und es wird Zeit, daß sich was tut.
Aber die PK-Versicherer bräuchte die Abstimmung nicht einmal abzuwarten. Bitteschön, sie wäre so frei, absolut kreativ und zielgerichtet anzubieten. Und was noch besser wäre, die GKV würde nachziehen müssen.

Wenn die PKV Kunden verliert, ja, entschuldigen Sie bitte, dann muß man das Angebot überdenken.

Und wenn die GKV demnächst ihrer Vertragesärzte verliert, ja, Entschuldigung, dann ist sie eben nachhaltig vertragsbrüchig geworden.

Etwas, das bei der Autohaftpflicht und Kasko reibungslos funktioniert, warum soll das ausgerechnet auf dem Medizinsektor nicht gehen.
Ich persönlich bin immer noch in einer gesetzlichen Kasse.
Würde mir aber eine private Versicherung garantieren, daß ich nicht mit jedem Lebensjahr in eine höhere Beitragsklasse rutsche, wäre ich Privatpatient.

Und noch etwas.

Das Wort "Privat"patient riecht immer noch nach Chefarztzuschlag.
Gemeint ist aber etwas anderes, nämlich der mündige Bürger, der sich seinen Tarif nach seinen Bedürfnissen gestaltet.
Ich brauche keine Chafarztbetreuung oder Einbettzimmer. Ich brauche auch keine Originalpräparate.
Stattdessen brauche ich häufig KG-Rezepte und etwa alle zwei Jahre eine neue Brille.

Welche PK-Versicherung bietet mir endlich einen Vertrag, bei dem ich das, was ich nicht will abwählen und das was ich brauche aufsatteln kann? Ist doch eigentlich ganz einfach, würde sich doch eigentlich auch rechnen und wäre deswegen auch eigentlich ein Erfolgsmodell.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »

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