Ärzte Zeitung, 04.12.2012

Nach Aus der Praxisgebühr

Siemens BKK warnt vor Verzerrungen

Nach der Abschaffung der Praxisgebühr warnen nun Kassen davor, dass die Ausgleichszahlungen aus dem Gesundheitsfonds die fehlenden Finanzmittel nicht aufwiegen werden.

KÖLN. Die Praxisgebühr könnte auch nach ihrer Abschaffung für Ärger sorgen. Die Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) warnt vor Verzerrungen durch den geplanten Ausgleich über den Gesundheitsfonds.

Um zu verhindern, dass einzelne Krankenkassen durch den Wegfall der Einnahmen aus der Praxisgebühr in finanzielle Schwierigkeiten geraten, hat die Bundesregierung eine Ausgleichzahlung über den Gesundheitsfonds angekündigt. Die Mittel sollen dort nach den gewohnten Mechanismen verteilt werden.

Genau da liegt das Problem, sagt SBK-Sprecher Franz Billinger. "Es stimmt nicht, dass die Krankenkassen auf diesem Weg die bisherigen Zahlungen weiter erhalten", sagt er.

Der Ausgleich stimme nur über die Summe aller Kassen, aber nicht für die einzelnen Kassen.

Früher ein Euro, heute 90 Cent

Krankenkassen, die wie die SBK eine unterdurchschnittliche Morbidität bei ihren Versicherten haben, erhalten im Verhältnis zu anderen weniger Geld aus dem Fonds - und künftig auch aus dem Ausgleich für die Praxisgebühr.

"Für einen Euro, die wir bislang aus der Praxisgebühr erhalten haben, bekommen wir nach der Systematik 90 Cent", erläutert Billinger.

Nach Schätzungen der SBK profitieren vor allem die AOKen von der beabsichtigten Regelung, während die Betriebskrankenkassen und die Ersatzkassen schlechtergestellt werden.

Die sich abzeichnende Problematik ist für Billinger ein Beleg für eine generelle Kritik: "Der Gesundheitsfonds und der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich werden immer komplizierter." Von Transparenz könne schon lang keine Rede mehr sein.

Billinger verweist mit Blick auf die Praxisgebühr auf ein weiteres Problem: Eine Reihe von Versicherten hat für 2013 bereits im Voraus das volle Volumen an Zuzahlungen geleistet, um einen Härtefallausweis zu bekommen.

Durch den Wegfall der Praxisgebühr lohnt sich für manche die Vorabzahlung nicht mehr. Ihnen erstattet die SBK das Geld. (iss)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kaum gerechte Lösungen

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[04.12.2012, 23:04:52]
Dr. Karlheinz Bayer 
Es ist Futterneid und der Streit um das größere Stück Kuchen

Mich erfaßt ja eine klammheimliche Freude wenn ich daran denke, daß die GKV-Kassen sich bisher immer auf den Standpunkt gestellt haben, es sei genug Geld im System und die Ärzte sollen sich nur untereinander darum streiten.

Jetzt wurde der Gesundheitsfurz, Pardon, -fonds! geschaffen, und jetzt ist immer noch genauso viel Geld im System, nur daß sich dort jetzt die Krankenkassen darum streiten müssen.

Vielleicht merken jetzt nach den Patienten und den Ärzten auch endlich die Krankenkassen, daß eben nicht genug Geld im System ist - bzw., ich korrigiere mich, daß die Politik unter der Maßgabe der Beitragsstabilität bei gleichzeitig ungebremster Aufnahme neuer Leistungen, das System zum Platzen gebracht hat.

Budget und Fonds haben dieselben Väter (Mutter Ulla Schmidt zähle ich frauenfreundlicherweise zu den Vätern).

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »
[04.12.2012, 10:06:38]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Kein falsches Mitleid?
Ich hätte durchaus Mitleid mit der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), welche (berechtigterweise?) befürchtet, die ab 1.1.2013 entfallende Praxisgebühr (PG) aus dem Gesundheitsfonds nicht vollständig rückerstattet zu bekommen.

Aber wo waren die Stimmen der GKV-Kassen und ihres Spitzenverbandes Bund (SpiBu), als wir Vertragsärzte für den bürokratischen Aufwand, die Diskussionen mit unseren MFA's am Praxisempfang, das Gezerre um nachträgliche Überweisungen, PG-Quittungen und/oder Befreiungen keinen einzigen Cent Ausgleich gesehen haben? Die PG wurde allen Kassenarztpraxen unmittelbar vom KV-Gesamthonorar abgezogen. Mahnverfahren gingen zu Lasten "unserer" KVen. Und die GKV-Kassenseite zeigte mehr als einmal klammheimliche Freude darüber, dass mit Hilfe der Politik von Rot-Grün bis Schwarz-Gelb wieder einmal eine "kalte" Honorarkürzung in den Arztpraxen gelungen war.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM z. Zt. Kaprun/A zum Beitrag »

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