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Ärzte Zeitung, 04.12.2012

Kommentar zum Aus der Praxisgebühr

Kaum gerechte Lösungen

Von Ilse Schlingensiepen

Als klar war, dass die Praxisgebühr abgeschafft wird, blieben Proteststürme von Seiten der Krankenkassen aus. Das ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Die Kassen müssen nicht auf die fast zwei Milliarden Euro verzichten, die sie vor allem über die Arztpraxen von den Patienten erhalten haben. Statt dessen kommt das Geld jetzt aus dem Gesundheitsfonds.

Aber just damit ist neuer Ärger programmiert. Kassen wie die Siemens BKK bemängeln bereits, dass die Verteilung des Ausgleichs für die Praxisgebühr nach der Systematik des Gesundheitsfonds erfolgen soll. Diese Systematik sorgt für Unmut, seit es sie gibt.

Entscheidend für die Finanzmittel, die eine Kasse aus dem Fonds erhält, ist die Morbidität der Versicherten. Sie hat bei der Erhebung der Praxisgebühr mit Ausnahme der Härtefallregel aber keine Rolle gespielt. Deshalb fürchtet manche Kasse, dass sie künftig schlechter da steht.

Wenn es um so viel Geld geht wie im Gesundheitsfonds, ist es schwer, eine Lösung zu finden, die von allen als gerecht empfunden wird. Niemand wird den Verantwortlichen unterstellen, dass sie bewusst einzelne Kassen bevorzugen.

Deshalb sollte es in ihrem eigenen Interesse sein, über die Mechanismen des Fonds eine größtmögliche Transparenz herzustellen.

Lesen Sie dazu auch:
Siemens BKK warnt vor Verzerrungen

[04.12.2012, 23:14:52]
Dr. Karlheinz Bayer 
ein Fonds wird immer ungerecht sein!

Ich vertrete hier die Idee des freien Marktes.
Man sollte endlich das System so weit öffnen, daß die Krankenkassen in eine echte Konkurrenz btreten könnten.
Warum sollte etwas, daß bei der Autohaftpflicht geht nicht auch auf dem Medizinsektor gehen?
Risikostrukturausgleich heißt nichts anderes als Vermeidung echten Wettbewerbs. Wenn ich die All-inclusive-Versorgung haben will, die nach den Worten Ulla Schmidts jedem zusteht, kann ich die nicht zu ALDI-Preisen haben. Umgekehrt, wenn ich mich auch mit meiner medizinischen Versorgung auf das Nötigste beschränken will, mich also auf ALDI-Niveau begeben WILL, darf man von mir keine AOK-Beitragsätze verlangen.
Die Abschaffung der Praxisgebühr hat neben der deutlichen Reduzierung der Büroktratie unerwartet viel an Aufklärung gebracht, wie marode das System ist - und zwar nicht auf Seiten der Beitragszahler und der Leisztungserbringer, sondern auf dem Gebiet der Zwischenhändler, der Dealer also und der Player.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »
[04.12.2012, 12:51:34]
Dr. Christoph Luyken 
Abschaffung der Kassengebühr ohne geignete Ersatzmaßnahmen wird zu Problemen führen
So unangenehm die "Praxisgebühr" auch für die Beteiligten ist – sie hat ja einen Sinn, genauer gesagt, zwei:
1.) ist die Gebühr ein Teil des Krankenkassenbeitrags (deshalb wurde sie ja auch treffender Kassengebühr genannt).
2.) soll sie eine Steuerungsfunktion haben.
Somit ist für mich selbstverständlich, daß nach Abschaffung der Gebühr ein Ersatz her muß! Erstens müssen die Beiträge wieder entsprechend angehoben werden und
zweitens muß die Überweisungspflicht wieder durchgesetzt werden!! (Letzteres würde am besten mit einem Primärarztsystem funktionieren.)
 zum Beitrag »

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