Ärzte Zeitung online, 30.12.2012

Praxisgebühr adé

Neujahr ohne Run auf die Arztpraxen

Die Praxisgebühr ist tot - und damit der bislang pflichtgemäße Quartalobolus am Praxistresen. Aber haben Patienten deswegen massenhaft ihre Arzttermine auf 2013 verschoben? Eine Umfrage bringt Licht ins Dunkel.

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Ab sofort bleibt das Schwein leer.

© Frank Rumpenhorst / dpa

NEU-ISENBURG. Die Abschaffung der Praxisgebühr und die damit verbundene Kostenentlastung ab dem kommenden Jahr hat anscheinend nicht dazu geführt, dass ein Großteil der anstehenden Arzttermine von Patientenseite aus vom aktuellen Quartal auf das nächste verlegt wurden.

Das legt zumindest die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit nahe. Wie die Kasse mitteilt, haben demnach bundesweit nur sieben Prozent der 1001 Befragten eine anstehende Behandlung oder Untersuchung gezielt ins nächste Jahr gelegt.

Die Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro, die Kassenpatienten seit 2004 einmal im Quartal beim Besuch von Arzt- und Zahnarztpraxen entrichten müssen, wird zum 1. Januar 2013 wieder gestrichen.

Arztbesuch in Zahlen

Laut Forsa-Umfrage waren Menschen in Deutschland 2012 so oft beim Arzt:

kein Mal: 7 Prozent

1 bis 5 Mal 57 Prozent

6 bis 10 Mal: 21 Prozent

11 bis 15 Mal: 8 Prozent

15 bis 20 Mal: 3 Prozent

Mehr als 20 Mal: 4 Prozent

Laut Umfrage verzichteten in den vergangenen Wochen vor allem jüngere Menschen auf einen Arzttermin, um damit Geld zu sparen. Bei den 18- bis 29-Jährigen gab laut Kasse rund jeder Zehnte eine Verschiebung an. In der Altersgruppe über 60 Jahre waren es nur vier Prozent der Befragten.

Nach dem Wegfall der Praxisgebühr wird die Zahl der Arztbesuche im Jahr 2013 voraussichtlich nicht ansteigen, prognostiziert die DAk Gesundheit. 97 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass das Ende dieser Zuzahlung für sie keinen Einfluss darauf habe, wie häufig sie einen Arzt aufsuchen.

In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen hätten sechs Prozent der Befragten angegeben, dass sie künftig voraussichtlich öfter zum Arzt gehen werden. Bei den über 60-Jährigen sei es nur ein Prozent gewesen.

Für die DAK Gesundheit ist damit eindeutig belegt, dass der - für Praxisteams verwaltungstechnisch aufwändige - Obolus nicht als Steuerinstrument gedient habe.

"Unsere Befragung zeigt, dass die Praxisgebühr, anders als von der Politik geplant, keine steuernde Wirkung bei Arztbesuchen entfaltet hat. Sie war letztlich nur ein reines Finanzierungswerkzeug im Gesundheitssystem", kommentiert Kassensprecher Jörg Bodanowitz.

Die Umfrage zeigt laut DAK Gesundheit ferner, dass die Menschen in Deutschland offenbar weniger zum Arzt gehen als angenommen. In der Diskussion um die Abschaffung der Praxisgebühr nannten Politiker und Experten immer wieder Untersuchungen, nach denen jeder Deutsche durchschnittlich 18 Mal im Jahr einen Arzt aufsuche.

In der aktuellen Befragung hätten aber nur sieben Prozent der Teilnehmer erklärt, im Jahr 2012 mehr als 15 Mal ihren Hausarzt oder einen Facharzt aufgesucht gehabt zu haben.

Die Mehrzahl der Befragten (57 Prozent) sei zwischen ein und fünf Mal beim Arzt gewesen. Sieben Prozent der Befragten sei 2012 abstinent gewesen in Sachen Praxisbesuch. (maw)

[31.12.2012, 13:15:03]
Dr. Cornelia Karopka 
Nur sieben Prozent?!
Aha, nur sieben Prozent gaben an, eine geplante Untersuchung ins nächste Jahr zu verschieben. Und nur sechs Prozent der Jüngeren wollen in Zukunft "öfters" zum Arzt gehen. Das macht dann zusammen nur einen Anstieg von dreizehn Prozent. Also fast nix. Erzählen wir das doch mal den Wirtschaftswissenschaftlern, dass ein Anstieg von dreizehn Prozent nix ist - nennt man das da nicht "Boombranche" ?


Stellt sich zudem die Frage, ob FORSA bei seiner repräsentativen Umfrage innerhalb drei Tage bei 1001 Erwachsenen auch demente Pflegeheimbewohner befragt hat (ich weiß, das klingt böse, egal, ob man diese Frage mit "ja" oder "nein" beantwortet) und ob zu dieser auserwählten Klientel auch Krebskranke mit ambulanter Chemo gehören und Diabetiker und Herzkranke und und und.

Man könnte natürlich auch überlegen, ob die Befragten auch danach befragt wurden, wie oft sie eine Arztpraxis aufgesucht haben, um Rezepte oder Überweisungen zu holen, Laborkontrollen vornehmen zu lassen, Bescheinigungen ausfüllen zu lassen... Ob die Zahlen dann genauso ausgefallen wären?

Bedauerlich, dass unsere eigene Tageszeitung diese Pressemitteilung der DAK völlig unkritisch übernimmt.

Vielleicht sollten besonders die Hausärzte mal ein Jahr lang mit Hilfe einer Pseudoziffer die tatsächliche Kontaktfrequenz erfassen, das wäre dann auch repräsentativ. zum Beitrag »

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