Ärzte Zeitung, 20.02.2013

Kommentar zu Re-Importen neuer Arzneien

Doppelt genäht und geknotet

Von Helmut Laschet

Eigentlich sollte es mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) ein bisschen einfacher werden. Seit gut zwei Jahren müssen Medikamente mit neuen Wirkstoffen die frühe Nutzenbewertung durchlaufen, an deren Ende ein zwischen Hersteller und Krankenkassen vereinbarter Erstattungsbetrag steht.

Darin spiegelt sich das Einvernehmen der Beteiligten wider, dass die indikationsgerechte Verordnung eines solchen Arzneimittels wirtschaftlich ist. Für den Arzt bedeutet das: in diesem Fall geht er bei einer Verordnung kein Regressrisiko ein.

Jenseits der neuen Regularien existiert aber noch das Relikt der Parallel- und Re-Importe. Zumindest für die Apotheker gelten hier Mindestquoten, die sie erreichen müssen. Und dies gilt auch für Arzneimittel, die die frühe Nutzenbewertung durchlaufen haben.

Doppelt genäht hält besser, sagt ein Sprichwort. Was für das Schneiderhandwerk zutreffend sein mag, ist in der Wirtschaftspolitik schädlich: Hier führt Überregulierung zur Rechtsunsicherheit und Unwirtschaftlichkeit. Eigentlich wäre Aufräumen angesagt.

Doch dreieinhalb Jahre hat der Koalition der Mut gefehlt, für die Arzneiversorgung einen schlanken Rahmen zu schaffen. So bleibt nur die Hoffnung auf die nächste Legislaturperiode.

Lesen Sie dazu auch:
Re-Importe: Gesetzeslücke suggeriert "günstig"

[20.02.2013, 21:00:11]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Auch der "Ausschuss" bei den Re-Importen zählt!
Verwirrend überklebte Etiketten, falsche Wirkstoffangaben, improvisierte Beipackzettel, fremdsprachlich durchscheinende Medikamentennamen in unbekannten Schriftarten - all dies führt dazu, dass unsere verunsicherten Patienten/-innen Packungen von unverbrauchten Re-Importen wegwerfen. Wir Ärzte werden dann als Rezeptierungsunkundige, die Apotheker als Pillen(ver)dreher gebranntmarkt. Politik und Aufsichtsbehörden lachen sich ins Fäustchen. Vgl.

http://www.springermedizin.de/geiz-ist-geil-das-maerchen-vom-sicheren-re-import/3631054.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »