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Ärzte Zeitung online, 23.07.2013

Schleswig-Holstein

Selbsthilfe soll für Migranten geöffnet werden

Wenn Krankheit als "Strafe Gottes" angesehen wird, verbietet sich der Besuch einer Selbsthilfegruppe von selbst. Die AOK Nordwest und Selbsthilfekontaktstellen wollen das ändern.

KIEL. Die AOK Nordwest und die Selbsthilfekontaktstellen im Norden wollen mehr Menschen mit Migrationshintergrund dazu bewegen, Selbsthilfegruppen zu initiieren. Bislang liegt die Teilnahme von Migranten an Selbsthilfegruppen im Promillebereich.

Als Strafe von Allah oder Wille Gottes hat schon manche Patientin von Dr. Özkan Alkasi eine Erkrankung angesehen. Die von ihm verordnete Therapie wurde mit diesem Hinweis abgelehnt.

Gynäkologe Alkasi ist selbst Türke kurdischer Abstammung und kennt die Besonderheiten, die ein Arztbesuch von Migranten von dem eines deutschen Patienten unterscheidet.

Verständnis von Gesundheit und Krankheit variiert

"Gerade wenn es um die eigene Gesundheit geht, bestehen bei Migranten besondere Barrieren: Sie haben häufig ein besonderes Schamgefühl und ein völlig anderes Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Tod", sagt der Oberarzt am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster.

Alkasi will dazu beitragen, dass mehr Migranten in die Selbsthilfegruppen kommen und sich mit Gesundheit und Krankheit auseinandersetzen.

Ziel ist ein besseres Verständnis für die Erkrankung und für die medizinische Behandlung. "Damit wird auch die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Patienten erleichtert", glaubt Alkasi.

In Schleswig-Holstein werden deshalb in den kommenden Wochen verstärkt Migranten angesprochen, die für eine Mitarbeit bei der Gründung von muttersprachlichen Selbsthilfegruppen gewonnen werden sollen.

In fünf der insgesamt 14 Selbsthilfekontaktstellen im Norden startet ein entsprechendes Pilotprojekt. AOK und die Selbsthilfekontaktstellen begleiten die Initiatoren fachlich.

Erwerb von eigener Kompetenz ist ein Ziel

"Wir müssen an den Barrieren für die Migranten arbeiten. Die Erfahrungen zeigen, dass man nicht voraussetzen darf, dass ein medizinisches Gespräch mit einem Migranten immer auf deutsch geführt werden kann", sagte Dr. Dieter Paffrath von der AOK Nordwest bei der Vorstellung des Projektes in Kiel.

Die Initiatoren sollen nicht nur sprachliche Hürden überwinden helfen, sondern auch die kulturellen Besonderheiten berücksichtigen und den Migranten helfen, Kompetenz in eigener Sache zu entwickeln.

Besonders Migranten mit chronischen Erkrankungen sollen angesprochen werden. Vorbilder für die schleswig-holsteinische Initiative, deren Schirmherrin Landesgesundheitsministerin Kristin Alheit ist, sind vergleichbare Projekte in Bremen und Nordrhein-Westfalen. (di)

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