Ärzte Zeitung online, 09.09.2013

PKV-Unternehmen

Zusatzpolicen bleiben Zubrot

Die privaten Krankenversicherungen bauen ihr Portfolio mit Zusatzversicherungen nach Kräften aus. Allerdings ist dieses Geschäft nach wie vor weit von den Umsätzen entfernt, die mit Vollversicherungen erwirtschaftet werden.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Die Anhänger der Bürgerversicherung betonen gerne, dass die Umstellung auf das neue System keinesfalls das Ende der privaten Krankenversicherung (PKV) bedeuten würde. Schließlich bliebe der Branche ja noch das Geschäft mit den Zusatzversicherungen.

Doch dieses Argument zieht bei den PKV-Managern nicht. "Es wird aus meiner Sicht nie dazu kommen, dass die private Krankenversicherung allein aus dem Markt der Zusatztarife heraus leben kann", sagt der Vorsitzende des PKV-Verbands Uwe Laue.

Standbein Vollversicherung

Die Zahlen zeigen, warum. Die Vollversicherung ist das dominierende Geschäftsfeld der PKV. Aus ihr stammten im Jahr 2012 insgesamt 72,8 Prozent der Prämieneinnahmen von 35,7 Milliarden Euro.

Die verschiedenen Arten der Zusatz- und Ergänzungsversicherungen trugen gerade einmal 21,6 Prozent zum gesamten Marktumsatz bei.

Da es in der Bürgerversicherung nach den jetzigen politischen Konzepten nicht zu einem drastischen Einschnitt in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kommen soll, wäre bei einem Wegfall der Vollversicherung für die Unternehmen keine wirkliche Kompensationsmöglichkeit in Sicht.

Das Zusatzversicherungs-Geschäft der PKV zieht immer dann an, wenn den gesetzlich Versicherten Leistungen gestrichen werden, wie beim Zahnersatz oder den Zuschüssen zu Brillen. Zahnzusatztarife sind bereits seit Längerem ein Schwerpunkt.

"Dieser Markt wächst weiter", sagt Laue, der Chef des PKV-Marktführers Debeka ist. Es gibt einen großen Bestand an Auslandsreisekrankenversicherungen, die aber nur geringe Prämieneinnahmen liefern. "Inzwischen legen sich auch immer mehr Menschen Zusatztarife für die ambulante Behandlung zu", sagt er.

Pflege-Bahr sorgt für Nachfrage

Ein etabliertes Feld sind stationäre Zusatzversicherungen. Hier erkennt Silke Lautenschläger vom Vorstand der Deutschen Krankenversicherung (DKV) bei ihrem Unternehmen einen neuen Trend.

"Ein Renner ist unser neuer Tarif, mit dem man nur das Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus versichern kann - ohne Wahlarztbehandlung, dafür aber auch ohne Gesundheitsprüfung." Gut laufen nach ihren Angaben bei der DKV auch Tarife, die gesetzliche Zuzahlungen und Eigenzahlungen bei Arzneimitteln übernehmen.

Im gesamten Markt entwickele sich seit Jahren der Absatz von Krankenhaus-Tagegeldpolicen rückläufig. "Hier wollen wir mit einer Produktinnovation in den Markt gehen, von der wir uns neue Impulse in diesem Geschäftsfeld versprechen", kündigt Lautenschläger an.

Pflegezusatzversicherungen werden für die Branche immer wichtiger, nicht zuletzt durch die Einführung der staatlich geförderten Policen, dem sogenannten Pflege-Bahr. Nach Angaben von Laue gab es in der Branche bis zur Einführung dieser Neuerung zum Anfang dieses Jahres rund 2,2 Millionen private Pflegezusatzversicherungen.

Er geht davon aus, dass bis Ende 2014 eine Million staatlich geförderte Verträge verkauft werden - genau so, wie es sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erhofft.

Arbeitgeber mit mehr Interesse an Angeboten

Viele PKV-Unternehmen sehen auch in der betrieblichen Krankenversicherung ein Wachstumsfeld für die Zukunft. Das Interesse der Arbeitgeber wachse, ihren Beschäftigten ein der betrieblichen Altersvorsorge vergleichbares Angebot zu machen, ist Verbandschef Uwe Laue überzeugt.

Die Firmen wollten aber mehr als nur die gewöhnlichen Zusatzpolicen in neuem Gewand, sie wollten zielgerichtete Angebote. Dazu zählten auch Leistungen des Gesundheitsmanagements. Hier seien die Versicherer gefordert. Die DKV arbeite an neuen Deckungskonzepten für die betriebliche Krankenversicherung, sagt Lautenschläger. "Hier beschäftigt uns vor allem das Thema Vorsorge."

Generell wollten die Kunden in der Krankenversicherung zielgerichtete Deckungen und keinen "Gemischtwarenladen", berichtet sie. Deshalb biete die DKV Bausteine an, die der Kunde nach seinen individuellen Bedürfnissen kombinieren könne.

Zudem wollten die Versicherten immer häufiger Policen schnell und unkompliziert abschließen und kein langes bürokratisches Verfahren durchlaufen. "Deshalb wollen wir vermehrt Produkte ohne Gesundheitsprüfungen anbieten oder die Gesundheitsfragen stärker vereinfachen", so Lautenschläger.

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