Ärzte Zeitung, 07.10.2013

Wohin mit dem Geld?

Wie Kassen auf Renditesuche gehen

Menschen mit Langzeitgedächtnis kennen gesetzliche Kassen vornehmlich als schuldenbeladene Körperschaften. Jetzt jonglieren sie mit Milliarden-Rücklagen. Sind Kassenmanager professionelle Anleger? Ein Werkstattbericht.

Von Florian Staeck

Wie Kassen auf Renditesuche gehen

Einige Krankenkassen betreiben ein Anlagemanagement ähnlich dem einer Bank oder Sparkasse.

© [M] sba | Harald Tittel/dpa | imago

BONN/BERLIN. Spektakulär ist die Finanzentwicklung in den vergangenen Jahren vor allem bei der Techniker Krankenkasse gewesen.

Die Kasse hatte 2011 einen Überschuss von 973 Millionen Euro erzielt, im Vorjahr war es annähernd eine Milliarde Euro. In der Vermögensrechnung hat der Wert der kurzfristig angelegten Wertpapiere bei der TK laut Geschäftsbericht von knapp 2,1 (2011) auf 2,4 Milliarden Euro (2012) zugelegt.

Melanie Kümmel, Referatsleiterin Finanzanlagen bei der Techniker Krankenkasse, hat die Aufgabe, mit bis zu achtstelligen Summen sicher zu jonglieren.

Die Fachfrau von der TK ist selbst gelernte Bankerin und verwaltet mit zwei weiteren Kollegen in ihrem Referat Anlagen "im einstelligen Milliardenbereich".

83 Millionen Euro über Vermögenserträge bei Barmer GEK

Ähnlich sieht es bei der Barmer GEK aus, berichtet ein Sprecher der "Ärzte Zeitung". Er beziffert das Anlagevolumen auf drei bis vier Milliarden Euro, das von den Finanzexperten der Kasse bewegt wird. Tages- und Festgeldkonten sowie Bundesanleihen seien typische Anlageformen, berichtet er.

In Unternehmensanleihen investiere die Kasse nicht, obwohl dies formal erlaubt wäre. Dies verböten unternehmensinterne Richtlinien, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen.

Dennoch ein lohnendes Geschäft: Die Barmer GEK beziffert in ihrem Geschäftsbericht den Gesamtüberschuss auf 493 Millionen Euro. Knapp 83,1 Millionen Euro haben demnach Vermögenserträge beigesteuert.

Bei der Techniker Kasse investiert Finanzfachfrau Kümmel nach eigenen Angaben vor allem in einlagengesicherte Produkte, Staatsanleihen aus dem europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz sowie in Pfandbriefprodukte.

Die Investments würden breit diversifiziert, so dass Klumpenrisiken nicht bestünden, erläutert Kümmel. Im Grunde sei die Arbeit im Referat Finanzanlagen "durchaus mit dem Geschäft einer Bank vergleichbar - nur, dass wir bei der TK eben auf der Kundenseite agieren".

Positive Finanzentwickling als Herausforderung

Ähnliche Herausforderungen, nur in einer anderen Größenordnung, hat Siegfried Gänsler, Vorstandschef der Schwenninger Krankenkasse. Die in Villingen-Schwenningen ansässige BKK gehört mit 320.000 Versicherten in ihrer Kassenart zu den größten.

Die Kasse habe sich die Vorgabe gesetzt, Rücklagen und liquide Mittel in Höhe von 50 Prozent einer Monatsausgabe zurückzulegen, berichtet Gänsler der "Ärzte Zeitung".

Gegenwärtig verfüge die Kasse über "liquide Mittel von mehr als 100 Millionen Euro", berichtet er. Dabei konnte er sich zuletzt über Zinserträge in Höhe von 1,3 Millionen Euro freuen, "die wir umgehend wieder in die Versorgung investieren können".

Gänsler sieht die positive Finanzentwicklung als Herausforderung: "Angesichts der volatilen Märkte und der Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds ist das Liquiditätsmanagement immer anspruchsvoller", berichtet er.

Investiert werde "ausschließlich in Euro-Währung", die Sicherheit der Anlage habe immer Vorrang vor der Höhe der Rendite, versichert er. Details seien in einer hauseigenen Anlage-Richtlinie beschrieben.

Mehr Druck angekündigt

Nach Angaben des Bundesversicherungsamts (BVA) haben 65 Versicherungsträger bislang keine solchen Richtlinien erlassen. Hier kündigt BVA-Präsident Dr. Maximilian Gaßner mehr Druck an.

Die "sichere Anlage des Vermögens der Versichertengemeinschaft" sei so wichtig, dass das BVA im kommenden Jahr "aufsichtsrechtlich prüfen wird, ob die Sozialversicherungsträger eine Anlagenrichtlinie erlassen haben, die den Anforderungen des Gesetzgebers genügt", sagte Gaßner der "Ärzte Zeitung".

Wirtschaftsforschungsinstitute bewerten die Entwicklung der Konjunktur positiv. Gut möglich, dass die Kassen im kommenden Jahr noch mehr Versichertengelder anlegen können.

Lesen Sie dazu auch:
Milliarden-Bunker GKV: Doch Kassen fehlt oft Anlage-Know-how

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