Ärzte Zeitung, 24.11.2014

AOK-Modellprojekt

Neuer Weg bei Restenosen

Die AOK Bayern startet ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, mit dem die Zahl der Restenosen in den Beingefäßen deutlich vermindert werden soll.

Von Jürgen Stoschek

Neuer Weg bei Restenosen

Training ist Grundlage Peripherer Arterieller Verschlusskrankheit.

© Paha_L - iStockphoto.com

MÜNCHEN. Als bundesweit erste Krankenkasse hat die AOK Bayern jetzt einen Modellversuch gestartet, in dem es darum geht, bei Patienten mit einer Restenose der Beinarterien eine drohende Fuß- oder Beinamputation zu vermeiden.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie leiden in Deutschland rund 4,5 Millionen Menschen unter Durchblutungsstörungen in den Beinen. Als Folge von Gefäßverengungen und -verschlüssen werden jährlich schätzungsweise 60.000 Fuß- und Beinamputationen vorgenommen.

In der Regel werden schwerwiegende Gefäßverengungen und -verschlüsse an den Beinen entweder mit einer Bypass-Operation oder einem ähnlichen Verfahren oder mit Ballonkatheter und Stents behandelt, erläuterte der Vorsitzender AOK Bayern, Dr. Helmut Platzer, am Freitag in München.

Das Problem dabei: Das Risiko, dass es bereits ein Jahr nach der Aufdehnung mit dem Ballonkatheter an der behandelten Stelle erneut zu einer Verengung kommt, liegt für Ober- und Unterschenkelarterien bei bis zu 50 Prozent, erklärte Platzer. Ursache ist neben dem Fortschreiten der Arteriosklerose vor allem das überschießende Wachstum von Zellen der Gefäßwand im behandelten Abschnitt.

Rhenium-PTA soll Restenosen senken

Eine neue Behandlungsmethode ist die Rhenium-PTA, bei der die Vorteile der konventionellen perkutanen transluminalen Angioplastie (PTA) mit neuen Erkenntnissen aus der Strahlentherapie kombiniert werden, berichtete Professor Michael Uder, Leiter des Radiologischen Instituts der Uni Erlangen.

Dabei werden Gefäßverengungen und -verschlüsse, die zunächst mit einem Ballonkatheter dilatiert werden, mit dem Radioisotop Rhenium-188 behandelt. Ein mit flüssiger Rhenium-Lösung gefüllter Ballonkatheter wird in die verengte Arterie eingeführt.

Die Bestrahlung dauert je nach Schwere bis zu 20 Minuten. Dabei werde die Arterie von allen Seiten gleichmäßig erreicht, erläuterte Uder. Rhenium hemmt das Zellwachstum und reduziert so die Verdickung der Gefäßschichten. Nach der Bestrahlung wird der Katheter mit dem Rhenium entfernt und der Patient routinemäßig weiterbehandelt.

Nach bisherigen Erkenntnissen verringert sich dadurch die Restenoserate bei Rezidivläsionen auf etwa zehn Prozent.

Die neue Behandlungsmethode steht allen Versicherten der AOK Bayern, die unter einer Restenose leiden, zur Verfügung und ist für diese mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden, betonte Platzer.

Vierjährige Laufzeit

An dem Modellprojekt, das eine Laufzeit von vier Jahren hat, nehmen die Unikliniken in Erlangen und Würzburg sowie die Kliniken Augsburg und Ingolstadt teil. Vertragspartner ist darüber hinaus die Herstellerfirma ITG Isotope Technologies Garching.

Das Garchinger Unternehmen ist nach Angaben seines Geschäftsführers Dr. Richard Henkelmann weltweit der einzige Anbieter von Rhenium, einem natürlich vorkommenden Radioisotop, für medizinische Zwecke. Das Modellvorhaben wird von der Uni Regensburg evaluiert.

Dabei soll vor allem untersucht werden, inwieweit Amputationen durch die neue Behandlungsmethode entweder ganz verhindert werden oder zumindest deutlich später erfolgen. (sto)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

"GOÄ-Novelle bis Ende 2017 ist sportliches Ziel"

Wann kommt die neue GOÄ? Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" verrät GOÄ-Verhandlungsführer Dr. Reinhard genaueres. mehr »

"Harte Hand" schadet dem Schulerfolg

Den Lebenswandel eines Kindes kann ein sehr strenges Elternhaus negativ beeinflussen, belegt eine Studie. mehr »