Ärzte Zeitung online, 02.12.2014

AOK Bayern

Zusatzbeitrag beträgt 0,9 Prozent

Die AOK Bayern setzt weiter auf stabile Beiträge, verkündet die Kasse. Für die Versicherten bedeutet das einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent ab 2015.

MÜNCHEN. Die AOK Bayern wird ab Januar 2015 einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent erheben.

Da der allgemeine Beitragssatz per Gesetz auf 14,6 Prozent gesenkt wird, bleiben durch den Zusatzbeitrag die Beiträge für die Versicherten im kommenden Jahr unverändert, wie die Kasse mitteilte.

Nach Angaben von Fritz Schösser, dem Verwaltungsratsvorsitzenden, hat die AOK Bayern 2013 fast 12,3 Milliarden Euro für die Gesundheitsversorgung ihrer Versicherten ausgegeben.

Die Mitgliederzahl sei um über 22.000 Versicherte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, hieß es in der Mitteilung. (ths)

[03.12.2014, 18:16:58]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Fehlberechnungen von "Milch-holenden Minderjährigen"?
Dass die AOK Bayern jetzt schon so sicher sein will, einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent nur bei ihren beitragszahlenden Mitgliedern (nicht bei den Arbeitgebern!) zum 1.1.2015 einfordern zu müssen, o h n e ihre Jahres-Abschlussrechnung abzuwarten, bleibt für eine Körperschaft Öffentlichen Rechts mehr als dubios.

Es erinnert an eine klassische "Milchmädchen"-Rechnung, äh, besser gender-politisch-korrekt ausgedrückt, eine "Fehlberechnung von Milch-holenden Minderjährigen".

Auch die bayrische AOK konnte nur die ersten drei Quartale des laufenden Jahres als Berechnungsgrundlage nehmen, da wollten nicht mal der Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Horst Seehofer, und sein Adlatus Dr. Markus Söder vom semantisch verunglückten "Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat" aushelfen.

Wie auch der AOK Bayern seit Jahrzehnten bekannt sein müsste, ist das vierte Quartal eines jeden Jahres das GKV-Einnahmen stärkste: Gratifikationen, Weihnachtsgeld, Bonuszahlungen (auch über die letzten drei Monate des Jahres gleichmäßig verteilt) lassen Lohnsteuer- und ESt-Einnahmen, Sozialabgaben (Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen) kräftiger als in den drei anderen Quartalen sprudeln.

ÄZ-Autor Helmut Laschet hat mit seiner hervorragend gelungenen Darstellung der GKV-Finanzreserven dargelegt, dass die 27,6 Milliarden in Gesundheitsfonds und GKV-Kassen zum 30.9.2013 auf 25,5 Milliarden zum 30.9.2014 abgeschmolzen sind., Ein Minus von 7,61 Prozent oder 2,1 Milliarden Euro lag aber u. a. daran, dass unser Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble den Gesetzlichen Bundeszuschuss zur Finanzierung versicherungsfremder Leistungen willkürlich gekürzt hat, um seinen maroden Bundeshaushalt wieder einmal mit Hilfe des Beitrags-Geldes von GKV-Versicherten und Arbeitgebern über die Verschuldungsgrenze zu hieven. Vgl. mein Kommentar zu http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/874775/finanzen-gkv-reserve-schrumpft.html

Von anderen kosten-trächtigen Wohltaten wie Zweitmeinung, Prävention, beliebige Gesundheitsförderungen, Zumba-, Tanz- und Fitnesskursen, besonderen Therapierichtungen, Versorgung von Sport-, Freizeit-, Verkehrsunfällen bzw. Katastrophenlagen, Folgen von Nikotinabhängigkeit, Alkoholsucht (und den dazu passenden Steuereinnahmen) will ich gar nicht erst anfangen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Kaprun/A)
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