Ärzte Zeitung online, 30.12.2014

Pfeiffer fordert

Vertragsärzte befristet zulassen!

Vertragsarztzulassung auf Zeit? Die Chefin des GKV-Spitzenverbandes glaubt, dass nur so der Ärztemangel auf dem Land behoben werden kann.

BERLIN. Angesichts des Ärztemangels in vielen ländlichen Regionen fordern die gesetzlichen Krankenkassen, die Kassenzulassung für Ärzte nur noch befristet zu vergeben.

Es sei überhaupt nicht begründbar, warum ein Arzt die Zulassung lebenslang bekomme und sie daher verkaufen oder vererben könne, sagte die Vorstandschefin des Spitzenverbandes der Krankenkassen, Dr. Doris Pfeiffer, der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe).

"Künftig sollte das Recht, mit einer gesetzlichen Krankenkasse abrechnen zu können, nur noch auf Zeit vergeben werden", forderte Pfeiffer.

Erst dann könne die Verteilung der Ärzte richtig gesteuert werden. "Wir werden den Ärztemangel auf dem Land nur in den Griff bekommen, wenn wir die Überversorgung in den Städten abbauen", betonte sie.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte in der letzten Kabinettssitzung vor der Weihnachtspause das sogenannte GKV-Versorgungsstärkungsgesetz auf den Weg gebracht. Es sieht unter anderem finanzielle Anreize etwa bei den Zulassungskosten und bei der Vergütung vor, um mehr Ärzte aufs Land zu bringen.

In einem überversorgten Gebiet soll eine Praxis künftig nur dann nachbesetzt werden, wenn dies für die Versorgung der Patienten sinnvoll ist. (dpa)

[31.12.2014, 20:10:12]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
wahrscheinlich kennt die Dame nicht den Unterschied zwischen einer angestellten Tätigkeit
und der finanziellen, organisatorischen und personellen Investition eine selbständigen ärztlichen Tätigkeit. zum Beitrag »
[31.12.2014, 19:31:51]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
bravo, auch die Leitung des GKV-Spitzenverbandes sollte zeitlich begrenzt werden;
ich schlage vor 6 Wochen, damit das Unheil sich in Grenzen hält. zum Beitrag »
[30.12.2014, 21:18:57]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Silvesterkracher von SpiBu-Vorstandschefin Dr. Doris Pfeiffer?
Die Vorsitzende des Spitzenverbands Bund (SpiBu) der GKV-Kassen, Frau Dr. Doris Pfeiffer sagt in der "Berliner Zeitung" von heute: "Künftig sollte das Recht, mit einer gesetzlichen Krankenkasse abrechnen zu können, nur noch auf Zeit vergeben werden". Und weiter in bester Ärzte-"Bashing"-Nomenklatur: Es sei überhaupt nicht begründbar, warum ein Arzt die Zulassung lebenslang bekomme und sie daher verkaufen oder vererben könne?

Von einem SpiBu-Vorstand mit (Arbeits-)lebenslanger Zulassung kommt da kaum glaubliche Realsatire. Denn in der Debatte um "Arztlohn", Praxisumsatz, Niederlassungs- und Versorgungssicherheit, Nachwuchssorgen, Versorgungslücken oder Überversorgung, Honorar-Ungerechtigkeit und Konvergenz wirkt diese Attacke grotesk. Mit einer vertragsärztlichen "Zulassung auf Zeit" würde den Kolleginnen und Kollegen jegliche Lebens-Planung genommen.

Denn Sorgen haben die jungen Kolleginnen und Kollegen genug, wie sie 3 Monate lang eine Rund-um-die-Uhr Haus- oder Facharzt-Medizin für einen Praxisumsatz gestalten sollen, der einem Friseurbesuch oder einer einzigen Arbeitsstunde in ihrer Autowerkstatt entspricht? Wie sie investieren, Mitarbeiter/-innen motivieren und bezahlen, EDV finanzieren, Bürokratie vor und nach der Niederlassung bewältigen, eine Praxis einrichten, in Geräte investieren, Miete, Neben- und Sachkosten, Gebühren, Abgaben, Steuer(-beratung), Versicherung, Zinsen und Tilgung bezahlen, Fortbildung, Personalentwicklung, Dokumentation, Archivverwaltung, Investitionen planen und Abschreibungen machen bzw. nebenbei auch noch ratsuchenden Patienten zuhören und sie therapieren sollen.

Wie soll das denn bitteschön, mit Zeitarbeits- und Knebel-Verträgen, mit familiären, kollegialen und öffentlich-rechtlichen Verbindlichkeiten gehen?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Am 3.8.2014 habe ich bereits zum gleichen Thema in der ÄZ mit "SpiBu konterkariert und karikiert sich selbst!" kommentiert. Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/vertragsarztrecht/article/866018/ueberversorgung-gkv-chefin-will-befristete-praxissitze.html
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