Ärzte Zeitung online, 10.02.2015

Diabetes-Versorgung

Stechen und Piksen war gestern

Für rund 1000 Patienten mit schwerem Diabetes übernimmt die DAK als eine der ersten Kassen ab Juni die Kosten für ein neuartiges Messverfahren - etabliert es sich, könnte es zur Regelversorgung gehören.

Von Martina Merten

Stechen und Piksen war gestern

FreeStyle® Libre: Das Messgerät soll Diabetikern das Leben erleichtern.

© Abbott

BERLIN. Ab Juni dieses Jahres übernimmt die DAK nach eigenen Angaben als erste Krankenkasse in Deutschland für rund 1000 Versicherte die Kosten für ein Diabetesmessgerät namens FreeStyle® Libre.

Auch die TK plant ein ähnliches Angebot für ihre Versicherten. Der High-Tech-Sensor, hergestellt von der Firma Abbott, ermöglicht Patienten Zuckermessungen mit einem Scan und Einblick in den Glukoseverlauf.

"Etabliert sich das Verfahren, wird es in die Regelversorgung übernommen", sagte Thomas Bodmer, Mitglied des Vorstandes der DAK-Gesundheit, bei der Vorstellung des Sensors in Berlin.

Wechsel alle 14 Tage

Bislang zählt die Scanmethode noch nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Der Sensor und das Messgerät sind im Handel für jeweils 60 Euro erhältlich. Der Sensor muss alle 14 Tage ausgewechselt werden.

Nach Angaben von DAK-Vorstand Bodmer wählt die Kasse zunächst rund 1000 Patienten aus den Disease Management Programmen für Diabetiker Typ I und Typ II aus.

Der Fokus soll auf Patienten liegen, die im Rahmen einer intensivierten Insulintherapie seit vielen Jahren mehrfach täglich messen müssen. Grund für die limitierte Patientenzahl seien die beschränkten Produktionskapazitäten von Abbott.

Die Teilnahme erfolgt freiwillig. Personen unter 18 Jahre sind zunächst davon ausgeschlossen. Bis Ende des Jahres soll sich die Anzahl der Teilnehmenden schrittweise steigern, erklärte Bodmer.

Bis dahin müsse analysiert werden, wie sich die Therapie mithilfe des High-Tech-Sensors verändert. Langfristig erwartet die Kasse Einsparungen durch weniger Krankenhauseinweisungen.

Zu jeder Zeit einsatzbereit

Der Patient bringt den Zwei-Euro-Stück großen Sensor an der Unterseite des Oberarmes an. Dieser trägt einen Faden, der fortlaufend die Zuckerkonzentration im Blut misst. Mithilfe eines Touch-Screen-Lesegeräts können Diabetiker zu jeder Zeit ihre Werte messen.

Dieses Gerät speichert die Glukosewerte von bis zu 90 Tagen ab und ermöglicht mithilfe eines Trendpfeils einen Blick in die Zukunft.

Diese Vor- und Rückschau macht es Patienten nach Ansicht von Professor Morten Schütt, Bereichsleiter Diabetes und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, erstmals möglich, aus ihrem Handeln zu lernen.

Außerdem bringe die Neuerung Stabilität insbesondere für Patienten mit großen Schwankungen und erlaube so Rückschlüsse auf die Situation in der Nacht, so Schütt.

Nur in Ausnahmefällen müssten Diabetiker wieder auf die herkömmliche Methode des Piksens zurückgreifen.

Welchen Zusatznutzen das Gerät bringt, wird derzeit im Rahmen zweier Studien untersucht, die die Firma Abbott in Auftrag gegeben hat.

[11.02.2015, 15:43:43]
Dr. Christoph Schay 
Datensicherheit
Nun sei jeder Ärztin und jedem Arzt die Seite 1 der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung empfohlen. Daten werden zur " Weiterentwicklung" in die USA übertragen. Laut Artikel wird nicht ausdrücklich auf diesen Datentransfer hingewiesen. Als Arzt bin ich auch der Aufklärung und dem extrem sorgfältigen Umgang mit Patientendaten verpflichtet. Von mir wird unter diesen Bedingungen kein Patient auf das innovative Messgerät eingestellt. Ich denke die DAK wäre gut beraten sich der Rahmenbedingungen anzunehmen. Droht ansonsten durch eine gesetzliche Krankenkasse ein Tabubruch im Umgang mit Patientendaten? zum Beitrag »

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