Ärzte Zeitung, 20.04.2016

Bayern

Mehr als jeder Zweite geht mal krank zur Arbeit

65 Prozent der bayerischen Arbeitnehmerinnen sind 2015 mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen. Bei Männern waren es fünf Prozentpunkte weniger.

MÜNCHEN. Frauen gehen nicht nur häufiger zum Arzt, sie melden sich auch häufiger krank als ihre Arbeitskollegen. Das zeigt der neue Gesundheitsreport der DAK für Bayern.

Überraschend dabei ist: Obwohl der Krankenstand von Arbeitnehmerinnen im Freistaat um etwa sechs Prozent höher ist als der von Männern, gehen Frauen ¨- wenn sie sich krank fühlen - häufiger als Männer dennoch zur Arbeit.

Nach den Ergebnissen des DAK-Gesundheitsreports sind im vergangenen Jahr 65 Prozent der Arbeitnehmerinnen eigenen Angaben zufolge mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen, bei den Männern waren dies 60 Prozent.

"Fakt ist, dass der sogenannte Präsentismus bei Frauen größer ist", kommentierte Gottfried Prehofer, Landeschef der DAK-Gesundheit in Bayern, diesen Aspekt bei den Krankschreibungen.

Eine Erklärung für Präsentismus könnte nach Angaben der Sozialwissenschaftlerin Professor Anne Maria Möller-Leimkühler von der Psychiatrischen Klinik der Universität München in den geschlechtsspezifischen Symptomwahrnehmungen von Frauen und Männern liegen, die auch zu einer unterschiedlichen Inanspruchnahme medizinischer Hilfe führen.

So werden etwa Depressionen bei Frauen häufiger als bei Männern diagnostiziert, die Suizidrate ist bei Männern hingegen dreimal so hoch wie bei Frauen, berichtete sie. Nach dem DAK-Gesundheitsreport erreichte der Krankenstand in Bayern im vergangenen Jahr mit 3,6 Prozent den höchsten Wert seit 16 Jahren.

Höchster Krankenstand im Gesundheitswesen

"Der seit neun Jahren ansteigende Krankenstand, der auch auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist, unterstreicht die Notwendigkeit noch passgenauerer Behandlungsangebote zur psychischen Gesundheit", sagte Prehofer.

Die Branche mit dem höchsten Krankenstand im Freistaat war das Gesundheitswesen mit 4,1 Prozent. Die wenigsten Fehltage hatte der Wirtschaftszweig Bildung, Kultur und Medien mit 2,8 Prozent.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die die DAK in ihrem Report auch im Hinblick auf künftige Präventionsangebote untersucht hat, zeigen sich in verschiedenen Bereichen: So haben Männer in Bayern 72 Prozent mehr Fehltage aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen als Frauen, haben 48 Prozent mehr Fehltage wegen Verletzungen und sind mehr als doppelt so oft von psychischen Störungen durch Alkoholmissbrauch betroffen.

Frauen fehlen hingegen öfter wegen allgemeiner psychischer Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen. Sie haben 59 Prozent mehr Fehltage wegen Krebsleiden, was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs meist noch im Berufsleben bedingt ist.

Im Vergleich dazu spielt bei den Männern der Prostatakrebs eine wichtige Rolle, der allerdings meist im höheren Alter auftritt und deshalb von dieser Statistik, die sich ausschließlich auf Ausfalltage Erwerbstätiger bezieht, nicht mehr erfasst wird, erläuterte Prehofer. Grundsätzlich sei das Krebsrisiko bei Männern und Frauen jedoch gleich. (sto)

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