Ärzte Zeitung, 23.06.2016

PKV

Kaum neue Kunden für Vollversicherung

Immer weniger Kunden wollen in die private Vollversicherung - selbst bei aktuell relativ stabilen Beiträgen. Eine Trendwende, so Experten der Kölner Ratingagentur Assekurata, ist wenig wahrscheinlich.

Von Ilse Schlingensiepen

Kaum neue Kunden für Vollversicherung

Die Angst der Neukunden vor Beitragserhöhungen macht PKV-Unternehmen zu schaffen.

© Coloures-pic / fotolia.com

KÖLN. Niedergelassene Ärzte müssen sich darauf einstellen, dass die Zahl der Privatpatienten in ihren Praxen auf lange Sicht abnehmen wird.

Denn in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist beim Bestandsrückgang im Kerngeschäft Vollversicherung kein Ende in Sicht. Davon geht die Kölner Ratingagentur Assekurata aus.

Betroffen von der Entwicklung sind vor allem PKV-Unternehmen, die viele gut verdienende Angestellte, Freiberufler und Selbstständige versichern. Manche auf Beihilfeberechtigte spezialisierte Anbieter wie die Debeka oder die HUK-Coburg verzeichnen dagegen noch Zuwächse in der Vollversicherung.

Die Branche sieht den Grund für die negative Bestandsentwicklung vor allem in der guten Konjunktur: Viele vormals Selbstständige wechseln in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis und werden Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), weil sie weniger als die Versicherungspflichtgrenze verdienen.

Bei der Assekurata hält man diese Effekte aber für zweitrangig. Entscheidend ist nach Einschätzung von Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata, vielmehr ein anderer Faktor: "Die Zahlen zeigen, dass die Schwierigkeiten nicht auf der Abgangs-, sondern vielmehr auf der Zugangsseite liegen".

Keine dramatischen Dimensionen

So habe in den Jahren 2012 und 2013 zwar die Zahl der Wechsler von der PKV in die GKV zugenommen, aber nicht in dramatischen Dimensionen. Viel heftiger sei dagegen der Rückgang bei denjenigen, die von einer gesetzlichen Krankenkasse zu einem PKV-Unternehmen gehen.

Und die Entwicklung ist noch nicht am Ende. "Wir glauben, dass es auf absehbare Zeit keine Trendumkehr gibt", sagt der PKV-Experte.

Er führt das im Wesentlichen auf die Verunsicherung bei Kunden und Vermittlern mit Blick auf die Zukunft der PKV zurück sowie auf die nach wie vor verbreitete Angst vor unbezahlbaren Beiträgen im Alter. "Unsere Analysen zeigen jedoch, dass es der PKV gelingt, das Prämienniveau im Alter bezahlbar zu halten."

Bei den von Assekurata bewerteten Versicherern, die rund 60 Prozent des Marktes abdecken, liegen die Beiträge für über 70-Jährige im Durchschnitt bei 420 Euro für Männer und 460 Euro für Frauen. Das hält Reichl für "völlig angemessen".

In diesem Jahr mussten die meisten PKV-Kunden keine oder nur geringe Beitragserhöhungen verkraften, so Assekurata. Ausnahmen waren Unternehmen wie DKV oder Axa, die ihre Beiträge zum Teil drastisch angehoben haben.

Die anhaltende Niedrigzinsphase wird sich auf Dauer für die gesamte Branche in einer Absenkung des Rechnungszinses niederschlagen und damit langfristig in steigenden Beiträgen.

"Kurz- bis mittelfristig scheint nach Einschätzung von Assekurata ein Rechnungszins von 2,0 Prozent für den Großteil der PKV-Unternehmen durchaus realistisch, was zunehmenden Druck auf die Beitragsstabilität der Unternehmen auslöst", heißt es im Marktausblick.

Nach den Erhebungen der Agentur ist der sogenannte aktuarielle Unternehmenszins von 2011 bis 2016 bereits im Durchschnitt von 3,91 Prozent auf 3,01 Prozent zurückgegangen. Nach einer Faustformel entspricht eine Absenkung des Rechnungszinses um 0,1 Prozentpunkte bei Versicherten im mittleren Alter einer Beitragsanhebung von einem Prozent.

"Anpassungsdruck nimmt zu"

Die Versicherer haben aber die Möglichkeit, mit Mitteln aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) Beitragsanpassungen abzumildern.

Im vergangenen Jahr haben die Versicherer deutlich mehr RfB-Mittel für diesen Zweck verwendet als noch 2014. "Hierin zeigt sich, dass der Anpassungsdruck bei den einzelnen Gesellschaften zunimmt."

Reichl fordert von den PKV-Unternehmen mehr Transparenz im Umgang mit den Kunden. Sie sollten die Versicherten genau darüber informieren, wie sich der Rechnungszins entwickelt und wie lange sie die Beiträge in der Vergangenheit nicht angepasst hatten, empfiehlt er.

"Durch mehr Offenheit und Transparenz könnten die Versicherer auf mehr Verständnis vonseiten der Kunden hoffen."

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