Ärzte Zeitung online, 28.11.2016

Antibiotika

Turbo für rationale Therapie

Ein Vertrag von Betriebskassen und KV Nordrhein erprobt in Essen und Duisburg Wege, wie eine rationale Antibiotikatherapie gefördert werden kann.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Die KV Nordhein und der Landesverband Nordwest der Betriebskrankenkassen haben einen Vertrag zur rationaleren Antibiotikatherapie abgeschlossen. Er ist zunächst auf die Regionen Essen und Duisburg beschränkt, soll bei Erfolg aber ausgeweitet werden.

Ziel des Vertrags, der von Anfang 2017 bis Ende 2018 läuft, ist der gezielte Einsatz von Antibiotika. Mit Hilfe spezieller diagnostischer Verfahren sollen die teilnehmenden Ärzte feststellen, ob eine antibiotische Therapie notwendig ist und wenn ja, welche.

Patienten mit Verdacht auf eine Infektion mit Streptokokken der Serogruppe A sollen die Ärzte einem Antigenschnelltest und/oder einer mikrobiologischen Untersuchung unterziehen. Die Leistung wird mit der EBM-Ziffer 32152Z abgerechnet und mit 2,55 Euro vergütet. Bei Harnwegsinfektionen und Wundinfektionen wird unter Berücksichtigung der einschlägigen Leitlinien zur Absicherung einer Antibiotikatherapie ein Antibiogramm gemäß EBM-Ziffer 32766Z oder 32767Z durchgeführt.

Kassen zahlen zehn Euro pauschal je Behandlungsfall

Die Vergütung beträgt 5,40 Euro beziehungsweise 8,90 Euro. Darüber hinaus bezahlen die Betriebskrankenkassen eine pauschale Vergütung von zehn Euro einmal je Behandlungsfall. Die Betriebskrankenkassen sehen aufgrund ihrer Daten in den genannten Bereichen ein großes Reduzierungspotenzial bei Antibiotika.

An dem Vertrag können nach Angaben der KVNo alle zugelassenen, ermächtigten und angestellten Ärzte im Bezirk der Kreisstellen Duisburg und Essen teilnehmen. Allerdings ist die Erbringung der Leistungen bei einer möglichen Streptokokken-Infektion auf Hausärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte und fachärztlich tätige Kinder- und Jugendärzte beschränkt.

"Wir wollen sehen, ob sich mit unseren Maßnahmen der Antibiotikaverbrauch signifikant senken lässt", sagt der KVNo-Vorsitzende Dr. Peter Potthoff. "Wenn dieser Vertrag entsprechende Ergebnisse zeigt, besitzt er nicht nur für Nordrhein, sondern für ganz Deutschland Modellcharakter", glaubt er.

Keine Zeit im Kampf gegen Resistenzen

Die Betriebskrankenkassen wollten nicht nur Missstände aufzeigen, sondern auch Verantwortung übernehmen und Lösungswege aufzeigen, sagt Dr. Dirk Janssen, stellvertretender Vorstand des Landesverbands Nordwest.

Die bisher von der Bundesregierung vorgesehene Förderung neuer Schnelltests reiche als Maßnahme nicht aus. "Dies ist eine Scheinlösung. Bis neue Verfahren in der Praxis ankommen, werden Jahre vergehen", kritisiert er. Diese Zeit habe man im Kampf gegen die Resistenzbildung nicht. "Es fehlt nicht an Testverfahren, sondern am Einsatz der vorhandenen Testverfahren", sagt Janssen.

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