Ärzte Zeitung, 09.10.2011

Bedarf an Ethik-Beratung in Kliniken wächst

Die sächsische Landesärztekammer will die Ethikberatung ausbauen. In immer mehr Krankenhäusern entstehen feste Strukturen des Konsultierens von Ethik-Komitees.

Von Thomas Trappe

DRESDEN. Der Bedarf an Ethik-Beratung nimmt bei sächsischen Klinikärzten zu. Diesen Schluss zieht der Moderator des Gesprächskreises Ethik in der Medizin der Landesärztekammer, Dr. Andreas von Aretin, nach dem zweiten Treffen der klinischen Ethikberatung in Dresden.

"Ethische Probleme sind im Klinikalltag nicht neu, aber sie werden immer häufiger behandelt", so von Aretin, Facharzt für Gastroenterologie und Chefarzt am St. Elisabethenkrankenhaus in Leipzig.

"Das liegt auch am Fortschritt der Medizin"

Grund für die Zunahme des Beratungsbedarfs bei Kliniken sei, dass in immer mehr Zertifizierungsverfahren für Kliniken auch darauf geachtet wird, ob Mechanismen zur ethischen Behandlung medizinischer Probleme vorgesehen sind.

Auch bei Angehörigen und den Patienten sei das Bewusstsein dafür gewachsen. "Das liegt auch am Fortschritt in der Medizin. Patienten wollen nicht, dass die technische Machbarkeit das einzige Kriterium dafür ist, was am Ende umgesetzt wird."

Gesprächs-Kreis zur Ethikberatung vor neun Jahren gegründet

Bereits vor neun Jahren wurde der Gesprächs-Kreis zur Ethikberatung im Freistaat gegründet, er bringt die verschiedenen Ethik-Komitees der Krankenhäuser zusammen. Die Komitees selbst kümmern sich, oft in Zusammenarbeit mit Angehörigen, um konkrete ethische Konflikte bei Behandlungen.

Der Gesprächs-Kreis stellt sich den grundsätzlichen Fragen: wie Ärzte beispielsweise mit Patientenverfügungen umgehen sollen, wann lebensverlängernde Maßnahmen geboten sind, welche rechtliche Maßgaben zu berücksichtigen sind.

Dr. Michael Mendt und Cornelia Schiebe leiten das Ethik-Komitee der Klinik

Das Treffen der Ethik-Beratung, bei denen Mitglieder verschiedener Komitees zusammenkamen, fand im vergangenen Jahr zum ersten Mal statt. In diesem Jahr wurden konkrete Fälle vorgestellt und diskutiert. "Wir wollen näher an der Praxis argumentieren", so von Aretin.

Vorgestellt wurde bei dem Treffen ein Fall aus dem Städtischen Krankenhaus Dresden-Neustadt. Der Internist und Palliativmediziner Dr. Michael Mendt leitet als Oberarzt zusammen mit der Psychologin Cornelia Schiebe seit 2003 das Ethik-Komitee der Klinik.

Exemplarisch für viele Komitees haben sich die beiden Mediziner auf ein standardisiertes Verfahren bei der Ethikberatung verständigt.

Zu Beginn wird das ethische Problem definiert

Zunächst wird dabei das ethische Problem definiert, im zweiten Schritt wird es mit in Verbindung von Patientendaten, dessen vermuteter Weltanschauung und in Gesprächen mit Angehörigen eingeordnet. Erst dann sei es möglich, die medizinischen Aspekte des Falls unter Berücksichtigung ethischer Normen zu verhandeln.

Im vierten und letzten Schritt spricht das Komitee dann eine eindeutige Empfehlung an den behandelnden Arzt aus. "Diese Strukturierung ist wichtig", sagte Michael Mendt, "da sonst bei der ethischen Analyse zu viele Fragen ineinander verschwimmen".

Von Aretins: Ärzte profitieren davon

Von der anschließenden Diskussion über komplexe medizinische Probleme hätten alle teilnehmenden Ärzte profitiert, so das Resümee von Aretins. Von einer ausreichend gefestigten Ethik-Beratung könne in Sachsen aber noch nicht die Rede sein. Deshalb strebe die Landesärztekammer an, die Beratung voranzutreiben.

Ziel sei es, dass jeder Klinikarzt bald einen festen Ansprechpartner habe, an den er sich mit ethisch-medizinischen Fragen wenden kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »