Ärzte Zeitung online, 19.10.2015

Medizinethikerin

Jeder hat Recht auf Chips unter der Haut

Gesundheitsanwendungen für Smartphone, Wearable oder Tablets werden immer beliebter - und auch implantierte Chips, die die körperlichen Funktionen überwachen, sind im Kommen. Für eine Medizinethikerin ist eine solche technische Selbstoptimierung ein Freiheitsrecht.

BERLIN. Wer sich ohne medizinische Indikation einen Chip oder Magneten implantieren lässt, stößt in der Gesellschaft häufig auf Unverständnis.

Die Kieler Medizinethikerin Alena Buyx hält diese Form der technischen Selbstoptimierung dagegen für ein elementares Freiheitsrecht.

"Wenn sich jemand aus eigenem Antrieb einen Chip oder einen Magneten implantieren lassen möchte, dann ist das sein gutes Recht. Wir sollten die Linie nur da ziehen, wo wir entscheiden, was Ärzte machen und was nicht", sagte die Professorin am Institut für Experimentelle Medizin der Christian-Albrechts-Universität in Kiel der Deutschen Presse-Agentur. Für Ärzte gelte im Allgemeinen die Auflage, dass man nur tun sollte, was medizinisch indiziert ist.

Aufgepolsterte Brüste und Fitnessarmbänder, die unsere Schritte zählen, sind nur zwei von inzwischen Hunderten von tragbaren Hilfsmitteln zur körperlichen "Selbstoptimierung".

Eine kleine Gruppe experimentierfreudiger Technik-Fans geht noch einen Schritt weiter. Sie lässt sich ohne Not und medizinische Notwendigkeit Magneten oder Chips unter der Haut einpflanzen, um dadurch das Spektrum ihrer körperlichen Funktionen und Sinneswahrnehmungen zu erweitern. (dpa)

[21.10.2015, 10:07:05]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
"Biomedizinethik" bedeutet auch?:
Abtreibung gesunder Embryos JA,
Wunsch nach genetisch NICHT kranken Embryos NEIN? ("Embryonenschutzgesetz").
Sexuelle Fremd-Verstümmelung unmündiger Jungen JA.

"Selbstverletzung" galt bis heute als Symptom einer psychischen Erkrankung.
Jetzt juristisch "bioethisch" gerechtfertigt?
In der Bundeswehr zum Zweck der Eisatztauglichkeitsvereitelung strafbar,
wahrscheinlich bioethisch heute obsolet?

Eine bioethische Begründung zieht natürlich immer:
"die Mode".
Pearcing-Experten für ausgefallene Körperregionen und Haut-Bemahler haben Hochkonjunktur.
Da wundert das Trommelfeuer zur Drogenfreigabe schon nicht mehr.
Und natürlich ist der Respekt vor dem Leben, dem sich der "Arzt" verschrieben hat,
"biomedizinethisch" obsolet, denn es wird ja "ein Recht" auf Tötung reklamiert, das ich allerdings bis heute nicht im Grundgesetz gefunden habe, wo das angeblich stehen soll.  zum Beitrag »
[19.10.2015, 21:40:00]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Juristen und Ethik ....
[19.10.2015, 17:38:42]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Stimmt eigentlich diese medizinethische Richtung?
Frau Prof. Dr. Alena Buyx, Professorin für Medizinethik an der Christian-Albrechts-Universität am Kieler Institut für Experimentelle Medizin, gibt schon mal die Richtung vor:

"Die Biomedizinethik befasst sich mit der Frage, wie wir in der modernen biomedizinischen Praxis und Forschung ethisch handeln können. Dabei geht es um ‚klassische’ klinisch-ethische Herausforderungen; etwa wann eine Therapiezieländerung am Lebensende ethisch zulässig ist oder wie knappe Spenderorgane gerecht verteilt werden können. Fragen der Forschungsethik – also ob eine bestimmte Form der Forschung ethisch problematisch, zulässig oder sogar geboten ist – gehören ebenso zum Themenspektrum des Faches wie der ethische Umgang mit Innovationen in der biomedizinischen Praxis und Forschung (vom Heilversuch bis hin zu ‚big data’-Projekten der sogenannten‚ omics-Disziplinen’). Und nicht zuletzt rücken immer mehr Probleme mit direkt gesellschaftlicher Dimension ins Zentrum der medizinethischen Arbeit, etwa Fragen nach der gerechten Verteilung der Ressourcen im Gesundheitswesen oder die ethischen Herausforderungen in der Bevölkerungsmedizin (Public Health).
Im Geschäftsbereich wird die Medizinethik in ihrer gesamten Breite bearbeitet, mit Forschungsschwerpunkten, die auf den nächsten Seiten genauer beschrieben werden.
Daneben organisiert der Geschäftsbereich die Lehre im Querschnittsbereich Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin im Medizinstudium und bietet außerdem weitere extrakurrikulare Veranstaltungen an (Lehrveranstaltungen).
Klinisch-ethische Beratung im UKSH findet im Rahmen einer Sprechstunde (dienstags von 10-12 Uhr), klinisch-ethischen Konsilen sowie Fallbesprechungen auf Station statt."
https://www.iem.uni-kiel.de/de/medizinethik

Doch ob sich Menschen "body modification", "body enhancement", "body implantation" oder "body augmentation" wie Piercings, Tatoos, (Silikon-)Implantate, Intim- und Analschmuck auf freiwilliger Basis als selbstbestimmte, freiheitliche Entscheidung o h n e ärztliche Beteiligung leisten und implementieren oder m i t ärztlicher Hilfe ein wie auch immer geartetes "Device" i m p l a n t i e r e n lassen ist m. E. ein himmelweiter Unterschied.

Legitimiert wird ein ärztlich durchzuführender Eingriff durch rechtsverbindliche Zustimmung, "informed consent", kongruente Aufklärungs-, Willens- und Absichtserklärungen bzw. korrekte Indikationsstellung. Einfach mal so "aus Spaß an der Freud" implantierbare "Magneten oder Chips unter der Haut ein[zu]pflanzen, um dadurch das Spektrum ihrer körperlichen Funktionen und Sinneswahrnehmungen zu erweitern" macht Patienten zu Probanden, weil die Nutzen-Risiko-Langzeitfolgen-Abschätzung oder eine Umwelt-Verträglichkeitsprüfung gar nicht stattgefunden hat.

Was wissen wir über Tattoo-Folgen, Ohrläppchen-Schäden, Piercing-Infektionen, PIP-Brustvergrößerungen, Implantat-Entzündungen, Schamlippen-Korrekturen, katathymes Bilderleben mittels LSD, Magneten- oder (Micro)-Chips-Implantationen zur Körper- und Sinneswahrnehmungs-Erweiterungen bzw. deren Auswirkungen auf die bio-psycho-soziale Gesundheit?

Genauso wenig wissen wir über Folgen vermehrter Sectio caesarea o h n e kindliche oder mütterliche Indikationsstellung, rituelle Beschneidungen, Gelegenheits-Appendektomien, Routine Tonsillektomien oder Defibrillator-Schrittmachern im unwiderruflichen Sterbeprozess.

Selbstverständlich will ich keine moralisch-ethische Richtschnur vorgeben, sondern nur für gewissenhaftes Nachdenken plädieren. Aber ein wie auch immer geartetes "Augen zu und durch" oder "et is noch immer allet jot jejongen" aus Kiel finde ich befremdlich.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund




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[19.10.2015, 15:16:58]
Dr. Richard Barabasch 
Freilich ist es so !
Fraglos stimmt die Argumentation "der Medizinrechtlerin" - wir leben ja "in einem freien Land" und da gehört dieses "Recht" zur Selbstbestimmung aus dem Grundgesetz. Indes: wie g'scheit das ist, so zu handeln . . . . das steht auf einem anderen Blatt und lößt möglicherweise wahrscheinlicherweise irgendwann einmal den Ausruf aus : "wenn ich das gewußt hätte" - wie so oft bei Uneinsichtigen Haben-Wollenden,
meint
R.B. zum Beitrag »

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