Ärzte Zeitung, 11.03.2015

Kommentar zum geforderten Kinderbeauftragten

Kinderrechte ins Parlament!

Von Raimund Schmid

Dass eigentlich selbstverständliche Rechte von Kindern zum Beispiel auf allgemein anerkannte Schutzimpfungen immer noch missachtet werden, untermauert die derzeit grassierende Masernwelle zur Genüge.

Und die Liste der Verletzung weiterer Kinderrechte, die der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beim Jugendmedizin-Kongress in Weimar aufgestellt hat, ist lang: Beschneidung von Jungen ohne medizinische Indikation, eine völlig unzureichende medizinische Versorgung von Flüchtlingskindern und viel zu wenige Angebote für Jugendliche, um etwa psychischen Erkrankungen rechtzeitig vorbeugen zu können.

Ein Kinder- und Jugendbeauftragter im Deutschen Bundestag könnte für die bessere gesetzliche und politische Verankerung von Kinderrechten sorgen. Dazu benötigt er aber genauso große Einflussmöglichkeiten wie etwa der Patienten- oder Wehrbeauftragte. Gerade der Wehrbeauftragte ist politisch und personell mit immensen Kompetenzen ausgestattet und weiß diese auch zu nutzen.

Was spricht eigentlich dagegen, den über zehn Millionen Kindern und Jugendlichen über einen speziellen Beauftragten solche Möglichkeiten in gleicher Weise einzuräumen, wie den nicht einmal 200.000 Soldaten in unserem Land? Eigentlich gar nichts.

Lesen Sie dazu auch:
Pädiater: Plädoyer für Kinder- und Jugendbeauftragten

[16.03.2015, 00:46:47]
Dipl.-Med Matthias Junk 
Dranbleiben
Wo immer möglich, sollten die Stimmen der Experten auf diesen modernen Missstand hinweisen, der aber leider - zumindest zum Teil - nachvollziehbar ist: Eine freiheitlich orientierte demokratische Gesellschaft orientiert sich heute immer noch - wie zu Zeiten der Erfinder der Demokratie, den Griechen der Antike - am Willen der Mündigen und Berechtigten. Sklaven waren z.B. am Anfang der Demokratien auch "draussen".
Und Kinder sind - zusammen mit dem Begriffsgebilde und den Werten der sogenannten "KINDHEIT" - erst in den relativ letzten Generationen der modernen Menschheit eine zu beachtende Bevölkerungsgruppe geworden.
Erst seit durch internationale juristische Gebilde (UNO etc.)und als Antwort auf erlebte reale internationale Unmenschlichkeiten im Laufe der Geschichte einerseits ausgelöst und andereseits an den Idealen der modernen Aufklärung orientiert und angeregt sowie festgelegt wurde, den Wert jedes Einzelnen als Mensch und Bürger wahrzunehmen und durch Gesetzeswerke zu schützen, wird auch nach und nach erst der besondere Wert der Kinder und der "Kindheit an sich" für die kommenden Zeiten einer Population immer mehr bewusst und zunehmend auch geachtet.
Solange aber noch Elternrechte teilweise auf der Basis ehemaliger pseudofeudaler Einstellungen basieren (mein Wille geschehe und mein Kind gehört mir und ich bestimme, was mit ihm passiert...) und solange noch die Ethikstrukturen der "...immer und ewig so..."- Fraktionen (Religionen voran: siehe Papst-Kommentare zur "liebevollen körperlichen Züchtigung"...) geachtet werden, weil sie halt "Wählerpotentiale" sind - solange wird das wirklich Helle und zutiefst Humane inmitten unserer Gesellschaft eben noch ein wenig weiterwarten und mitwirken müssen.
Aber immerhin sind die Ergebnisse der erst sehr kurzen geschichtlichen Existenz internationaler säkularer Gesetze (UNO etc.) in der Welt schon viel wirksamer, als die Jahrtausende alten Traditionen vor allem religiös - und kriegerisch - orientierter Weltanschauungen... Wenn unsere "Volksvertreter" jenen Schritt tun, und Kinderrechte noch expliciter ausformuliert in die Gesetze aufnehmen und genau dafür sorgende und wachende Vertreter in das Parlament eingliedern, dann ist ein weiterer Schritt in Richtung wirklicher humanistischer Größe (und positiven Schöpfertums, der eigentlich immer schon postulierten Gott-Ebenbildlichkeit --> siehe GENESIS usw...) von und für uns Menschen getan.
Bitte unterstützen Sie alle - jede Kollegin und jeder Kollege in seinem Wirkungsbereich - Bestrebungen auf diesem wichtigen gesellschaftlichen Gebiet - und lassen Sie bitte nicht nur die relativ kleine "Kinder-Minderheiten-Lobby", die pädagogischen Berufe und die Kindheits-orientierten Medizinerberufe, alleine agieren. "Wir" haben nämlich juristisch immer noch sehr wenige und nur aüßerst "am Erwachsenen-Lebenskonzept" orientierte und differenzierte Wirkungsmöglichkeiten...)
Sollte doch jede Familie soviel Stimmen bei der Wahl haben, wie "Bürger" -egal welchen Alters- in ihr zusammenleben, um kindorientierte Werte mehr zur gesellschaftlichen Geltung bringen zu können ???
Klingt in den meisten Ohren sicher immer noch abwegig.
Da wären thematisch kluge Regelungen mit Gesetzen und Vertretern usw. zugunsten der KINDHEIT als zu schützendem und zu beachtendem Schatz jeder "Population" einfacher zu machen.
Na los!!
Ach nee, geht nicht so einfach. Schweigepflicht geht vor. Jurisprudenz sei Dank. Elternrechte sind schützenswerter.... Und ggf. besser im Streitwert beurteilbar...
Mögen das die Kinder dann selber besser machen, wenn sie groß sind.
Toller Plan.
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