Ärzte Zeitung, 14.07.2008

KOMMENTAR

Trends stehen fest, Ursachen nicht

Von Florian Staeck

Schlechte Nachrichten für Patienten, die auf eine Transplantation warten: Die Spenderzahl sinkt, die der zur Verfügung stehenden Organe auch. In manchen Regionen ist im ersten Halbjahr der Rückgang mit bis zu 30 Prozent dramatisch. An diesem Punkt müsste die Ursachensuche starten -  doch die Deutsche Stiftung Organtransplantation tappt im Dunkeln. Was bleibt, sind Vermutungen, die zumindestens plausibel klingen.

Da wäre vor allem der Kostendruck in Krankenhäusern, der erst vergangene Woche in Niedersachsen Klinikmitarbeiter zum Protest auf die Straße getrieben hat. Wenn in Intensivstationen Mitarbeiter fehlen, bleibt für zeit- und nervenraubende Gespräche mit Angehörigen potenzieller Organspender kein Platz mehr.

Aber allein der Verweis auf die chronische Unterfinanzierung im stationären Sektor greift zu kurz. Das Engagement der Ärzte in vielen Kliniken ist groß. Doch vermutlich ebenso häufig sind Strukturen und Arbeitsabläufe nicht optimal: Mal ist der Transplantationsbeauftrage durch andere Aufgaben zu stark gebunden, mal müssen externe Konsiliarärzte, die den Hirntod feststellen, erst rekrutiert werden - wertvolle Zeit verrinnt.

Kontraproduktiv wäre es, jetzt nach dem Gesetzgeber zu rufen -  etwa mit der Absicht, die Zustimmungs- durch eine Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz zu ersetzen. Dann nämlich stünde die generell breite Zustimmung der Bürger zur Organspende auf dem Spiel.

Lesen Sie dazu auch:
Abwärtstrend bei Spendern und Organen

Topics
Schlagworte
Organspende (854)
Medizinethik (2003)
Organisationen
DSO (335)
Krankheiten
Transplantation (2148)
Personen
Florian Staeck (1034)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromiss im Tauschhandel?

18:31 Kaum verkündet, war der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Doch jetzt soll der Koalitionsausschuss eine Einigung bringen. Offenbar bahnt sich ein Handel zwischen CDU und SPD an. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »