Ärzte Zeitung, 08.06.2009

Anonyme Organspende erleichtert Überkreuz-Transplantation

In den USA ist eine altruistische anonyme Organspende möglich. Ein Gesetzentwurf eröffnet die Chance, dass auch hierzulande Lebendspenden einfacher werden.

Von Nicola Siegmund-Schultze

Einem Organspender wird gerade eine Niere entnommen. In Deutschland müssen sich Paare bei Überkreuzspenden persönlich kennen.

Foto: Hanke

TOLEDO. Die Überkreuz-Lebendspende einer Niere in den USA hat dazu geführt, dass innerhalb von acht Monaten - gewissermaßen als Kettenreaktion - zehn weitere Organverpflanzungen möglich wurden.

In den USA wird die Überkreuz-Lebendspende seit Jahren durch große überregionale Register gefördert: Es geht um Paare, von denen ein Partner ein Organ benötigt und der andere spenden würde, es aber wegen unpassender Blutgruppe oder Gewebeunverträglichkeit nicht direkt kann. Dann wird nach der Blutgruppenverträglichkeit ein anderes Paar ausgewählt, und beide spenden ihre Organe über Kreuz. Dabei lernen sie sich nicht unbedingt kennen.

Altruistische anonyme Spenden sind selten

Die altruistische anonyme Spende allerdings, bei der nicht einmal ein Tausch von Organen erfolgt, sondern jemand spendet, ohne dass als Gegenleistung eine bestimmte Person ebenfalls ein Organ erhält, ist in den USA möglich, aber selten.

Jetzt berichten Forscher des Registers, der Alliance for Paired Donation (APD), dass die anonyme Nierenspende eines 28-jährigen Mannes eine Kettenreaktion von Nierentransplantationen ausgelöst habe: Innerhalb von acht Monaten wurden zehn weitere Transplantationen nach Lebendspenden möglich, weil die Operationen von Spendern und Empfängern nun nicht simultan erfolgen mussten.

Die Gleichzeitigkeit der Organübertragung ist eine Vorsichtsmaßnahme, um zu verhindern, dass ein Organspender plötzlich sein Einverständnis zurückzieht, nachdem bereits eines der Organe verpflanzt wurde.

Die altruistische anonyme Spende machte es möglich, ohne Zeitdruck nach einem passenden Empfänger für das Organ jener Person zu suchen, deren Partner als erstes von der altruistischen Spende profitiert hatte, und dieser Vorteil setzte sich für die anderen Paare fort, wie Dr. Michael Rees von der Universität in Toledo im US-Staat Ohio berichtet.

Zudem hätten mehr Kranke mit hohen Titern präformierter Antikörper versorgt werden können, für die nur schwer ein passender Spender zu finden ist.

In Deutschland gibt es seit 2005 ein Programm zur Überkreuz-Lebendspende zwischen den Universitätskliniken Düsseldorf, Essen und dem Krankenhaus Köln-Merheim. Allerdings müssen sich die Paare kennenlernen, da das Transplantationsgesetz eine persönliche Verbundenheit zwischen Spendern und Empfängern von Lebendorganen vorschreibt.

Kommission fordert Gesetzesänderung

Die Ständige Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer hat sich schon 2004 dafür ausgesprochen, den Spenderkreis zu erweitern und auch anonyme Spenden in einen Pool zuzulassen, wenn die Spende freiwillig und entgeltlich erfolgt.

Wie gemeldet, fordert die Kommission die Änderung des Transplantationsgesetzes: Überkreuzspenden zwischen nicht verwandten Personen sollen erlaubt werden.

NEJM 360, 2009, 1096

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